NAB Show 2026: ARRI und Riedel konkretisieren strategische Ausrichtung
von Uwe Agnes,
Die Übernahme von ARRI durch Riedel ist seit Tagen das bestimmende Thema der Branche. Auf der NAB Show in Las Vegas haben beide Unternehmen nun erstmals gemeinsam über die strategische Ausrichtung gesprochen. Thomas Riedel, Gründer und Inhaber von Riedel Communications, sowie die beiden ARRI Managing Directors Chris Richter und David Bermbach gaben erste Hinweise darauf, wohin die Reise gehen soll.
David Bermbach, Thomas Riedel und Chris Richter (Foto: Uwe Agnes)
„Blau bleibt Blau und Rot bleibt Rot!“ – mit dieser ebenso einfachen wie eingängigen Formel beschrieb Thomas Riedel bei einem Pressemeeting im „ARRI House“, einige Schritte vom Las Vegas Convention Center entfernt, das künftige Verhältnis der Unternehmen nach der Übernahme von ARRI durch Riedel Communications.
Nach dieser Formel bleibt es jedoch nicht bei einem bloßen Bekenntnis zur Eigenständigkeit. Beim Termin mit ausgewählten Pressevertretern wurde deutlich, dass die Kombination der beiden Unternehmen vor allem als Ergänzung gedacht ist. „Es gibt hier keine Überschneidungen, sondern wir finden eine perfekt komplementäre Situation vor“, betonte Thomas Riedel. Gleichzeitig stellte er klar, dass es nicht um eine klassische Integration gehe. Man sehe „die Unternehmen eher nebeneinander, als dass das eine in das andere integriert wird.“
Im Zentrum steht dabei ein strategischer Ansatz, der über das klassische Produktgeschäft hinausgeht. „Es geht nicht mehr so sehr darum, nur Produkte zu verkaufen, sondern um End-to-End-Lösungen“, so Riedel weiter. Damit wird die Verbindung von Kamera-, Licht- und Infrastrukturtechnik zur eigentlichen Perspektive der neuen Konstellation. Die Rollenverteilung ist dabei klar umrissen: ARRI bleibt im High-End-Cinema-Bereich verankert, während Riedel seine Stärken in Live-Produktion, Signalverarbeitung und Infrastruktur einbringt. Beide Felder seien, so Thomas Riedel, „hochgradig komplementär“. Ziel sei es nun, diese beiden Welten stärker miteinander zu verzahnen, insbesondere mit Blick auf neue Produktionsformen im Live- und Eventbereich.
ARRI-Cinematography beim Presse-Event (Foto: Uwe Agnes)
Dabei gehe es ausdrücklich nicht um eine Verschiebung des Fokus weg von der klassischen Cinematografie, sondern um eine Erweiterung. ARRI wolle seine Position im High-End-Cinema-Bereich unverändert halten und zugleich zusätzliche Anwendungsfelder erschließen, erläuterte Managing Director Chris Richter im Gespräch. Die Verbindung mit Riedel eröffne dabei neue Möglichkeiten, insbesondere dort, wo sich cineastische Bildqualität und Live-Produktion zunehmend überschneiden.
Gerade dort sieht man ein erhebliches Potenzial. Die Nachfrage nach einer „cinematischeren“ Bildästhetik in Live-Produktionen nehme zu. Als entscheidenden Faktor bezeichnete David Bermbach die Bildwirkung selbst: „Die Ästhetik, die wir in den Live-Bereich einbringen können, hat bislang praktisch alle überzeugt, die damit in Berührung gekommen sind.“ Gleichzeitig wurde aber auch klar benannt, wo die Herausforderungen liegen. „Der Workflow ist wahrscheinlich unser Schwachpunkt, an dem wir arbeiten müssen“, so Bermbach. Daraus ergibt sich zugleich ein möglicher Ansatz für die Zusammenarbeit mit Riedel, dessen Kompetenz in Integration, Infrastruktur und RX den entscheidenden Baustein liefern könnte.
Ob und wie schnell sich diese Strategie in konkrete Produkte und Workflows übersetzen lässt, wird sich erst zeigen müssen. Klar ist jedoch schon jetzt: Die Kombination aus ARRI und Riedel zielt weniger auf kurzfristige Effekte als auf eine langfristige Verschiebung hin zu integrierten Produktionsumgebungen. Eine erste Bewährungsprobe steht allerdings bereits in Kürze an, denn Mitte Mai soll der Eurovision Song Contest vom ORF unter anderem mit ARRI-Alexa-Live-Kameras produziert werden.