Mehr als 58.000 Teilnehmer, neue Zielgruppen und vertraute Technologiethemen: Die NAB Show 2026 in Las Vegas zeigte eine Industrie im Wandel. Zwischen AI, Cloud und neuen Produktionsmodellen verschieben sich die Gewichte und mit ihnen das Selbstverständnis der Messe. Aus europäischer Sicht prägte vor allem die Übernahme von ARRI durch Riedel die Diskussion.
Foto: Uwe Agnes
Mit über 58.000 registrierten Teilnehmern meldete sich die NAB Show 2026 auf stabilem Niveau zurück. Die entscheidende Entwicklung muss man jedoch weniger in der absoluten Zahl der Besucherinnen und Besucher als in ihrer Zusammensetzung verorten. Denn Content Creator, Enterprise-Anwender und der Sportbereich werden von den Veranstaltern explizit als Wachstumstreiber benannt. Diese Öffnung bringt neue Dynamik, wirft aber zugleich die Frage auf, wie klar die Messe künftig noch positioniert ist. Denn was als Expansion „über Broadcasting hinaus“ beschrieben wird, ist gleichzeitig ein Hinweis darauf, dass das klassische Broadcast-Segment allein nicht mehr die Zugkraft früherer Jahre hat.
Reife statt Revolution
Technologisch dominieren bekannte Themen wie AI, Cloud-Workflows, IP-Infrastruktur und virtuelle Produktionsumgebungen. Viele Lösungen wirken gereifter, stärker integriert und näher an realen Produktionsbedingungen. Der Fokus verschiebt sich von Vision zu Umsetzung, was ein klares Signal in einer Phase ist, in der wirtschaftliche Tragfähigkeit und Effizienz an Bedeutung gewinnen. Die NAB 2026 war damit weniger ein Ort der großen Disruption als ein Gradmesser dafür, wie weit sich bestehende Technologien in der Praxis etabliert haben.
Nur 22% der 58.000 Besucher kamen von außerhalb der USA. (Foto: Uwe Agnes)
Dabei zieht sich die zunehmende Verschmelzung bislang getrennter Welten als roter Faden durch viele der gezeigten Produkte und Lösungen. Ein Beispiel dafür ist die auf der NAB Show vorgestellte Blackmagic URSA Cine 12K 100G, die ursprünglich als Cine-Kamera konzipiert wurde und nun mit bandbreitenstarker IP-Anbindung und Workflows auf Live- und Produktionsumgebungen zielt. Cinematography, Broadcast und Live-Produktion wachsen technologisch und operativ zusammen.
ARRI und Riedel als Schlüsselthema
Aus deutscher und europäischer Sicht wurde die Messe jedoch von der Übernahme von ARRI durch Riedel bestimmt. Kaum ein Gespräch kam ohne diesen Bezug aus. Denn diese Konstellation steht nicht zuletzt sinnbildlich für genau jene Konvergenz, bei der klassische Filmtechnik auf Live- und Infrastrukturkompetenz trifft. Gleichzeitig kommunizierten die beiden Unternehmen anlässlich der NAB Show eine strategische Neuausrichtung, die weg von einer rein cineastischen Perspektive hin zu einer stärkeren Verzahnung entlang der gesamten Produktionskette weist.
Integrationsbeginn: “ARRI-Corner” am Riedel-Stand (Foto: Uwe Agnes)
NAB Show als Regionalevent?
Offiziell kamen Besucher aus 146 Ländern nach Las Vegas, doch tatsächlich reiste jedoch nur 22 Prozent der Teilnehmer aus dem Ausland an. Für eine Messe mit globalem Anspruch ist das ein bemerkenswert geringer Anteil. Zwar bleibt die NAB Show bleibt international relevant, aber sie ist in ihrer tatsächlichen Besucherstruktur stärker US-zentriert, als es die Außendarstellung vermuten lässt. Zugespitzt ließe sich formulieren, dass die NAB Show auf dem besten Weg ist, sich zu einem regionalen Event zu reduzieren. Dabei ist selbstverständlich die Frage, inwiefern NAB-externe Einflüsse wie das derzeitige politische Klima in den USA hierfür zumindest teilverantwortlich sind.
Gleichzeitig sind 48 Prozent an Erstbesuchern ein deutliches Signal für neue Zielgruppen. Die Messe gewinnt ganz klar an Breite, verändert damit aber auch ihr Profil. Ob aus der aktuellen Erweiterung ein neues inhaltliches Zentrum entsteht oder ob sich die NAB langfristig stärker fragmentiert, muss die Zukunft zeigen. Die nächste NAB Show findet vom 4. bis 7. April 2027 statt.