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Stefan Söllner von ARRI Solutions über den Bau der Virtual-Production-Stage für die Netflix-Serie

So entstand das Volume für „1899“ (1)

Für die Dark Ways GmbH, Produzent der Netflix-Serie „1899“, konstruierte ARRI Solutions eine der größten Virtual-Production-Stages Europas. Stefan Söllner, Head of Technology ARRI Solutions, war Projektleiter des Vorhabens. Er hat uns für unser Heft 1–2.2023 verraten, was die größten Herausforderungen waren und was den engen Zeitplan fast zu kippen drohte.

Showrunner Jantje Friese und Baran Bo Odar, Produzent Philipp Klausing, DoP Nikolaus Summerer, Christina Caspers-Römer von Dark Bay sowie das ARRI-Team Dr. Michael Neuhäuser, Dr. Johannes Steurer, Projektleiter Stefan Söllner, Stephan Schenk, Elfi Kerscher und David Bermbach im DarkBay Volume
Showrunner Jantje Friese und Baran Bo Odar, Produzent Philipp Klausing, DoP Nikolaus Summerer, Christina Caspers-Römer von Dark Bay sowie das ARRI-Team Dr. Michael Neuhäuser, Dr. Johannes Steurer, Projektleiter Stefan Söllner, Stephan Schenk, Elfi Kerscher und David Bermbach (Foto: Alex Forge / Netflix)

Als im Herbst 2020 in Berlin das Telefon von Stefan Söllner klingelte, meldete sich am anderen Ende Produzent Philipp Klausing von der Dark Ways GmbH. Es war von einem Schiff die Rede und von einer LED-Wand – und von ARRI Solutions. Dort ist Söllner Head of Technology. Vor dem Anruf hatte der Produzent bereits erste Lieferanten aufgetan und die Wünsche des kreativen Teams so weit gebündelt, dass Söllner als Projektleiter sofort loslegen konnte. Das musste er auch. Denn der Zeitplan war ambitioniert.

Signifikanter Marktimpact

Stefan Söllner studierte nach dem Abitur zunächst Medientechnik an der TU Ilmenau und schloss 2009 ab. Nach Praktika in der Produktion zog es ihn an die Technische Universität Darmstadt, wo er fünf Jahre lang als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Fachbereich Lichttechnik tätig war. Hier eignete er sich ein großes Grundwissen über Licht und Beleuchtung sowie die Wahrnehmung von Licht und Beleuchtung an. Im Anschluss ging er 2016 nach Berlin zur Lichttechnischen Gesellschaft und baute ein Weiterbildungsprogramm für Allgemeinbeleuchtung auf. 2018 kam Söllner zu ARRI, seit Sommer 2021 ist er Teil der neu gegründeten Business Unit ARRI Solutions.

2019 erschien die Disney+-Serie „The Mandalorian“. Diese wurde mit der StageCraft-Technologie umgesetzt. Richard Bluff und Rob Bredow von Industrial Light & Magic legten dafür zusammen mit Kim Libreri von Epic Games den Grundstein. Durch den Einsatz bei „The Mandalorian“ nahm die Arbeit mit dynamischen, virtuellen Hintergründen, die aus der Unreal Engine auf eine LED-Wand gespielt werden und über Tracking mit den Bewegungen der Kamera synchronisiert werden können, an Fahrt auf. ARRI hatte sich schon vor der weltweiten Euphorie mit dieser Technologie auseinandergesetzt. „Aber der Ausschlag, dass das auch einen signifikanten Impact auf den Markt haben wird, der kam erst mit ,Mandalorian‘“, sagt Stefan Söllner über die Entscheidung bei ARRI.

Produzent Philipp Klausing wählte ARRI Solutions als Dienstleister, weil sie einer der wenigen Anbieter waren, die ein Wissens- und Erfahrungsspektrum besitzen, das LED, Lichttechnik, Kameratechnik und Datentechnologie umspannt.

Der Plan

Was das Volume in Babelsberg so einzigartig macht, ist der direkte Einfluss der kreativen Entscheidungen von Regisseur Baran Bo Odar und DoP Nikolaus Summerer auf die technologische Entwicklung und die Konstruktion. Nie zuvor war jemand auf die Idee gekommen, eine um 360 Grad drehbare Plattform in die Mitte der LED-Ellipse zu stellen. Das sparte wichtige Ressourcen während des Drehs von „1899“. Auch von einem Regenrig wurde anfangs abgeraten. Der Regisseur setzte sich durch und wurde mit hohem Realismus belohnt. Viele der späteren kleinen Entscheidungen, wie die Erhöhung der LED-Wand oder Details der Kalibrierung waren in einem langen Prozess von Tests im Vorfeld des Baus festgelegt worden. Im Mittelpunkt immer Baran Bo Odar und Nik Summerer mit ihrer kreativen Vision.

Im Oktober 2020 begann die Planung bei ARRI Solutions. Die großen Partner auf dem Weg standen früh in der Planung ab Oktober 2020 fest. Faber A.V. stellte die LEDs zur Verfügung, die gesamte Konfiguration der Server und IT-Infrastruktur – sowie später die VFX-Produktion – übernahm Framestore. Bei Umbau und Elektrizität half das Studio Babelsberg Art Department, für Spezialeffekte und -bauten holte man Nefzer Special Effects dazu und Licht- sowie Kameraequipment kamen von ARRI und ARRI Rental. „Dass es möglich ist, so ein Projekt innerhalb von vier Monaten fertig zu stellen, das hätte ich vorher ehrlich gesagt nicht gedacht“, erinnert sich Stefan Söllner. „Das ist nur möglich, wenn man entsprechend gut und offen mit allen Gewerken kommuniziert, was man machen will, und einen klaren Plan hat.“

Stefan Söllner unterstützte durch seinen umfassenden Lichttechnikhintergrund das Vorhaben von DoP Summerer, wenig LED-Decke zu haben und stattdessen 72 SkyPanel S60-C zu installieren. Dies ermöglichte dem Kameramann, flexibler bestimmte Lichtwirkungen und natürlichere Hauttöne zu erzielen.

Die Dimensionen der Plattform und der LED-Wand wurden so bemessen, dass Regisseur Baran Bo Odar und Nik Summerer viel Platz für Schwenks haben würden und nicht plötzlich das Ende der Wand im Bild hätten. Deshalb entschied man sich für eine 270-Grad-Ellipse für die Wall, sieben Meter hoch. Man beschloss, die Wand ein wenig in den Boden einzulassen, um so Raum für das Szenenbild zu gewinnen. Das stellte sich später als etwas weniger nützlich heraus als gedacht. Denn Szenenbild wird oft ohnehin auf einen Unterboden gebaut.

Das Kamerapaket für „1899“ stand aufgrund des Wunsches von DoP Summerer schon früh fest. Die ARRI ALEXA Mini LF eignet sich aufgrund des Formfaktors und ihres großen Sensors. Der hat bei LED-Wänden jedoch Vor- und Nachteile. „Natürlich ist es einfacher, mit einem Large-Format-Sensor zu arbeiten, da man schneller eine Unschärfe herstellen kann“, so Söllner. „Aber es wird dadurch auch der Bildausschnitt größer, so dass ich mit der LF eine größere Brennweite wählen muss, als bei einer Kamera mit kleinerem Sensor, um den gleichen Bildausschnitt zu haben.“ Beide Effekte gleichen sich etwa aus, so Söllner. Das heißt, es ist am Ende dann wieder eine Frage, welche Ästhetik gewünscht ist. [15286]

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