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Jurywoche beim 31. Deutschen Kamerapreis

Gelungene Alternativlösung

Am 21. Mai werden die Gewinnerinnen und Gewinner beim diesjährigen 31. Deutschen Kamerapreises bekanntgegeben. Anfang Februar fand die Jurywoche statt. Für Film & TV Kamera war Chefredakteur Uwe Agnes dabei. Er sprach für unsere Ausgabe 4.2021 mit dem Kuratoriumsvorsitzenden Matthias Haedecke.

Die Jurywoche für den 31. Deutschen Kamerapreis konnte erstmals nicht als Präsenzsitzung gehalten werden. Wie ist die Online-Ersatzveranstaltung aus  der Sicht des Kuratoriums gelaufen?
Ich hätte wirklich nicht gedacht, dass wir so pannenfrei durch diese Woche kommen! Es war schon fast so, dass ich mich über kleinere Schwierigkeiten gefreut habe, die gezeigt haben, dass die Sache lebt. Sonst wäre es beinahe unheimlich gewesen, wie perfekt alles funktioniert hat, vor allem das Streaming der Wettbewerbsbeiträge. Wir hatten ja zwei verschiedene digitale Stränge, die wir schon vorbereitet hatten, als sich abzeichnete, dass wir die Präsenzsitzung nicht wie gewohnt durchführen könnten. Der eine ist der Stream: Alle Wettbewerbsteilnehmer haben ihre Produktion hochgeladen. Die einzelnen Jurys bekamen individuelle Links zugeschickt, über die sie sich dann die Produktionen anschauen konnten. Das funktionierte übrigens nur im Stream und nicht als Download, weil das eine der großen Sorgen der Verleiher war. Gerade bei den Kinoproduktionen haben sie sich sehr genau bei uns erkundigt, wie wir das planen, um absolut sicher zu sein, dass ein Download ausgeschlossen ist. Also es war ein klares Streaming-Konzept, das wirklich gut funktioniert hat.

Matthias Haedecke, Kuratoriumsvorsitzender beim Deutschen Kamerapreis

Es gab ein paar Herausforderungen, was die Seitenverhältnisse anging, und wir hatten anfangs einige Produktionen, die mit gequetschten Köpfen daherkamen. Das war aber wirklich die Ausnahme – und ich bin ja immer froh, wenn man die Gelegenheit bekommt, sich zu verbessern. Das ist eine Frage der Codierung der Streams, aber da bin ich jetzt kein Experte. Die sagen aber, das sei letztlich auch kein großes Ding, was man über die Metadaten auf jeden Fall hinbekommt, dass es zukünftig einwandfrei funktioniert. Das wäre einer der wenigen Ansatzpunkte für das kommende Jahr. Wir sind uns schon sehr sicher, dass wir auch beim nächsten Wettbewerb die Einreichung online vornehmen werden. Für die Sichtung werden wir das Streaming quasi als Player nutzen. Wir verabschieden uns also von DVDs oder Blu-rays, die per Post verschickt werden müssen.

Was war denn der zweite digitale Strang bei der Jurysitzung?
Im zweiten Strang haben wir über Microsoft Teams Juryräume eingerichtet, in denen sich dann jeweils die fünf Jurorinnen und Juroren treffen konnten. Unsere Einzeljurys bestehen ja immer aus zwei Kameraleuten, zwei Editorinnen oder Editoren sowie jemandem aus Regie, Redaktion oder Produktion. In diesen virtuellen Juryräumen hat dann jede Gruppe ihr eigenes Timing und ihren eigenen Workflow entwickelt, wie und wann man sich am besten zum Diskutieren trifft. Denn gesichtet wurde individuell, aber diskutiert wurde in der Gruppe, um dann zu einem Ergebnis zu kommen. Wir hatten aber dabei ein bisschen Respekt vor der Menge der Einreichungen. Wir waren natürlich hocherfreut, weil wir sogar die Zahl des vergangenen Jahres übertreffen konnten und das nach dem ersten Coronajahr, wo wir eigentlich von weniger Produktionen ausgingen. Wir hatten nur einmal, ich glaube vor zwei Jahren, insgesamt mehr Einreichungen und haben mit über 450 Einreichungen ein Top-Ergebnis erzielt.

Wir hatten daher ein wenig Sorge, ob das in dieser neuen Arbeitsform auch zu schaffen wäre und ob wir unseren Zeitplan genauso gut halten könnten wie bei einer Präsenzsitzung. Dadurch, dass einzelne Jurymitglieder bereits vor dem Kickoff zur Jurysitzung schon einzelne Produktionen in ihren Kategorien sichten konnten, waren doch einige schon so vorbereitet, dass das die Diskussion erleichtert hat.

Gleichwohl ist das auch ein Thema, dass wir in unserer nächsten Klausur diskutieren wollen, ob man so ein Sichten vor dem Beginn voraussetzen kann und ob es nicht eventuell zu sehr unterschiedlichen Ausgangspositionen innerhalb der Jury und deren Diskussion führen kann. Wir haben Freitagabend in unserem Resümee sehr zufrieden die Jurywoche abgeschlossen. Ein paar Kleinigkeiten sind noch zu verbessern, aber darüber bin ich eher froh, weil sie zeigen, dass wir nicht überorganisiert waren. Aus den einzelnen Jurys kamen gute Rückmeldungen und alle waren zufrieden, sowohl über die Technik insgesamt als auch über die Workflows, die wir anbieten konnten. Aber alle haben gesagt – und das hat uns natürlich nicht überrascht – dass eine Präsenzsitzung durch nichts zu ersetzen ist, genauso wenig wie die Gespräche über den Rahmen der eigenen Jury hinaus, die an der Kaffeebar oder beim Abendessen möglich sind. Die lassen sich nun einmal nicht digital nachbilden.

Die Präsenzsitzung soll also trotz des großen Erfolgs der Online-Veranstaltung nicht abgeschafft werden?
Unsere Jurywoche ist ja in erster Linie auf das konzentrierte Arbeiten hin organisiert. Aber wir halten sehr viel von den Möglichkeiten, die sich bieten, wenn man in einer Woche 50 hochkarätige Experten der Branche zusammenbringt. Das ist einzigartig in der deutschen Preislandschaft und vielleicht entsteht dort neben der Vernetzung auch die eine oder andere Form der Zusammenarbeit aus einem Gespräch am Rande. Allein das macht eine Präsenzsitzung so wertvoll: dass man sich direkt trifft und miteinander ins Gespräch kommt, sich austauscht und sich kennenlernt. Wir werden alles daransetzen, dass es beim 32. Deutschen Kamerapreis im nächsten Jahr wieder so wird, wie wir es kennen.

Falls du dir einen gewissen Überblick über die Jurygrenzen hinweg verschaffen konntest, mit denen du ja auch im Nachgang noch einmal in Einzelchats gesprochen hast: Wie würdest du da auch hinsichtlich des Feedbacks aus den Jurys die Qualität der Einreichungen in diesem Jahr beurteilen?
Das variiert immer ein wenig von Jahr zu Jahr. Für das Kuratorium war es eine angenehme Überraschung, dass es in den non-fiction Kategorien doch eine hohe Themenvielfalt gab, wir rechneten ehrlich gesagt mit überwiegend durch die Pandemie getriebenen Themen. Wie immer war das gestalterische Niveau auf einem Toplevel, aber vielleicht hatte in diesem Jahr die Experimentierfreudigkeit noch ein wenig Luft nach oben. [14420]

 

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