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Neue Technologien für die Live-Produktion (I)

SportsInnovation Düsseldorf

Bei der zweitägigen „SportsInnovation“ in Düsseldorf präsentierten Sponsoren und Aussteller in der Arena die „Ware“ Fußball aus allen Perspektiven und Vermarktungsmöglichkeiten. Bernhard Herrmann war für unser Heft 7–8.2022 dabei und hat nach neuen Technologien gesucht.

Die Arena Düsseldorf während der SportsInnovation
Foto: Creative Art Production

Fußball ist und bleibt im deutschen Fernsehen die beliebteste Sportart mit den höchsten Einschaltquoten. Beispielsweise sahen sich bis zu 10,24 Millionen Zuschauer bei RTL das UEFA Europa League Finale in Sevilla an, bei der ARD waren es 8,10 Millionen beim DFB-Pokal Finale in Berlin und das UEFA Champions League Finale 2022 in Paris sahen 8,39 Millionen Menschen im ZDF.

Trotzdem müssen in Deutschland TV-Dienstleister immer noch mit dem Deutschen Fußball-Bund und deren beteiligten Firmen, die den Profifußball produzieren und vermarkten, um nahezu jeden Euro für die Benutzung der besten technischen TV-Qualität kämpfen, heißt es in der Arena an vielen Ausstellungsständen.

In Düsseldorf verkündete dann Sky Deutschland am zweiten Tag die maximale technische Qualitätsoptimierung, aber nur für die zahlenden Sky-Kunden. Der PayTV-Sender wird ab der kommenden Saison der 1. Fußball-Bundesliga die Top-Spiele in UHD HDR und Dolby Atmos übertragen. Auch bei neuen Technologien für die Live-Übertragung steht die Entwicklung nicht still.

Schienendolly für Fahrten um die Eckfahne
Foto: Creative Art Production

Blackcam Systems UHD-Kamera fährt um Eckfahne

Blackcam Systems, ein Unternehmen für robotisierte Kamerasysteme aus Berlin, hatte eine 60 Meter lange Schiene mit einem Abstand von 350 Zentimetern von der Außenlinie des Spielfeldes plan verlegt. Auf ihr fuhr ein B40-Dolly. Vor der Schiene wurde zur Spielfeldseite eine Polsterung befestigt, die mit Werbung bedruckt werden kann und die Verletzungsgefahr vermindern soll.

Der dreiachsige Kamera-Dolly wurde mit drei Akkus betrieben und mit einem stabilisierten Remote Head SRH-3 von ARRI aufgerüstet. Darin hing eine Sony HDC-P50 UHD-Kamera mit einem Canon UHD-Objektiv (25 × 7,6). Die Bild- und Tonsignale sowie die Steuerung der Kamera und des Fahrgestells wurden mit einem Vislink-Sender zu einem an der Bande sitzenden Operator übertragen.

Bei einem Zweikampf um den Ball an der Seitenlinie ist die Kamera nah am Spielgeschehen. „Durch den Dolly kann die Kamera die Spielenden in einer Parallel- beziehungsweise Vorausfahrt eng und wackelfrei begleiten. Besonders dynamische Bilder entstehen hier vor allem, wenn die Kamera bei der Aufnahme elegant um die Eckfahne gleitet“, sagt Thomas Steiger, Unternehmenssprecher bei Blackcam. „Der Dolly lässt sich für diese Fahrten auf eine Geschwindigkeit von 4 m/s, was 14,4 km/h entspricht, beschleunigen – eine Geschwindigkeit, die kein Steadicam-Operator schaffen kann.“ Mit einer Winde angetrieben kann sogar eine Geschwindigkeit von 10 m/s oder 36 km/h erreicht werden. Ein weiterer Blackcam-Operator saß in der Regie bei TVN Live Production in Hannover. Von dort aus steuerte er über eine von der Firma VIDI eingerichteten IP-Leitung den in Düsseldorf stehenden Blackcam-RH2W-Remotehead und die darauf montierte Sony-Systemkamera, die mit einem Canon Digisuper 95-Objektiv ausgestattet war. Der RH2W- Remotehead stand auf der Tribüne in halbhoher Position gegenüber der Trainerbank und wurde zur Trainerbeobachtung sowie für Slow-Motion-Aufnahmen eingesetzt.

Rack für 5G Campusnetz
Foto: Creative Art Production

Media Broadcast richtet 5G-Netz in der Arena ein

Der Dienstleister Media Broadcast richtete in der Arena in Düsseldorf ein sogenanntes 5G-Campusnetz ein. Dieses Netz benutzt eine 100-MHz-Industriefrequenz zwischen 3,7 GHz bis 3,8 GHz mit einer Bandbreite von 1.000 Mbps. In diesem Netz könnten 62.000 Mobiltelefone parallel benutzt werden, oder es können Bilder von bis zu 20 UHD HDR Kameras über 5G mit jeweils 50 Mbps übertragen werden, womit das Netz zu etwa fünf Prozent pro Kamera belastet wird, erläutert Daniel Wolbers, Leiter Bid-Solution Management von Media Broadcast.

Für die technische Realisierung dieses 5G-Netzes sind eine Mobilfunkantenne im Innenraum der Arena auf dem Oberrang und eine weitere Indoor-Antenne notwendig. Für die Aufnahmen in der Arena gab es zwei drahtlose Kameras, einen Sony PXW-Z280 Camcorder und ein Sony Xperia Pro 5G Smartphone für Hochformat-Produktionen, sogenannte „Vertical Productions“. Dazu kamen vier stationäre Kameras vom TVN Ü-Wagen, die über eine Glasfaserleitung in die TV-Produktion eingebunden waren. Die Signale des Campusnetzes wurden mit einer sogenannten 5G Blue Box technisch verarbeitet. In einem Rack befanden sich ein 5G Dell Core für das Gerätemanagement und Quality of Service. Darunter lagen zwei Mobilfunkzellen als Base Band Unit, an die die beiden 2 Antennen angeschlossen waren. Es folgte ein Meinberg Taktgenerator zur Taktsynchronisierung in Telekommunikationsnetzwerken. Dann gab es einen AVIWest StreamHub als leistungsstarken Empfänger in Broadcast-Qualität, der zum Empfangen, Decodieren und Verteilen von Live-Videostreams von beliebigen AVIWEST-Sendern oder Plattformen von Drittanbietern verwendet wird. Zuletzt wurde eine LU200 LiveU-Einheit benutzt.

„Der Vorteil dieses 5G-Campusnetzes ist eine dezidierte Bandbreite und damit eine einhundertprozentige Verfügbarkeit des separaten Broadcast-Netzes, sowie eine Signallaufzeit von kleiner gleich fünf Millisekunden“, sagt Daniel Wolbers von Media Broadcast.


Morgen finden Sie hier zwei weitere Neuheiten von der SportsInnovation Düsseldorf!


 

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