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Live-Broadcast beim America’s Cup

Next Level im Broadcasting

Beim America’s Cup 2021 hob ein modernes IP-, AV- und Intercom-Netzwerk die Grenzen zwischen technischen, sportlichen und medialen Aufgaben auf und sorgte für neue Dimensionen beim Live-Broadcast.

Ein Auftrag hat immer eine politische und eine technische Komponente – so Thomas Riedel auf einer der ersten Pressekonferenzen zum 36. America’s Cup. Der gilt als weltweit älteste Sporttrophäe, um die seit 1851 gekämpft wird. Dabei geht es nicht nur um seglerische Höchstleistungen, sondern auch die technologischen Grenzen des Materials. Thomas Riedel blickt als technischer AV- und Netzwerk-Ausstatter für Riedel Communications auf 2021 zurück: „Wir hatten so eine Ahnung, aber ich muss gestehen: da waren wir echt an der Oberfläche. Wirklich verstehen tut man den Cup, wenn man ihn einmal macht!“

Den Auftrag habe man aber nicht allein wegen technologischer Aspekte oder rein nach Budget erhalten in der sehr offen gehaltenen Ausschreibung: „Eher wie bei einem Ideenwettbewerb, wie man das in der Architektur kennt. Die Art, wie bisher solche Sportevents im Fernsehen produziert werden, ist eigentlich sehr old-fashioned: Es gibt eine Art field of play, auf dem findet der eigentliche Wettbewerb statt. Drumherum gibt es Zuschauer und ein Event, das dazu kreiert wird. Und dann kommen die Fernsehleute, stellen Kameras auf, und filmen das ab. Das sind aber drei komplett getrennte Bereiche, die häufig auch wenig miteinander zu tun haben.“ Es sei daher nicht nur darum gegangen, irgendeinen Supplier zu finden, sondern jemanden, der das Format mit entwickelt.

Mediapost am Heck: unten das Mikrofon, darüber die Penalty- Signalisierung für die Crew, dann Radar und Biometrie und ganz oben die Kamera

Diese Idee, die mehr oder weniger getrennten Bereiche zu verbinden, hat einerseits sicher in Riedels Intercom-Technik ihren Ursprung, die bereits früh begann, offenere und komplexere Strukturen zu bieten als „A sendet Kommando an B“. Ein wichtiger Schritt bei dieser Entwicklung war die Gründung eines Joint Ventures mit der West4Media Film- produktion unter dem Namen Circle-O. Dessen Geschäftsführer Werner Eksler schaut auf die Situation aus Medien- Sicht und nennt es ein „360-Grad-Konzept“. Das habe man technisch, aber auch beim Content verwirklicht: „Aus einer Hand machen wir Live-Produktionen, Streaming-Produktionen, langformatige Zusammenfassungen, kurze Zusammenfassungen, Newsbeiträge, Social-Media-Content, den wir in einer Cloud unseren Rechtehaltern zur Verfügung stellen.“

Alle Rahmenbedingungen des America’s Cup waren von der Bootskonstruktion bis zur Location-Selektion der Austragungsstätten darauf ausgelegt, Bild- und Tonmaterial von höchstem Impact zu liefern, das sich ideal als Content vermarkten lässt. „Das Ziel ist nicht eine Monetarisierung im Sinne von ‚wir müssen jetzt sehr viele Lizenzen von Rechtehaltern einnehmen‘, sondern es geht um die größtmögliche Verbreitung. Damit versuchen wir alle Medien, die in irgendeiner Form etwas spielen könnten, auch zu bedienen“, betont Werner Eksler. Die Inhalte gelangen zu sehr unterschiedlichen Rechtehaltern: Dem klassischen TV-Sender, der nicht nur den Live-Feed bekommt, sondern auch die ganze Berichterstattung rundherum – sei es ein 26-minütiges Highlight- Special, Feature-Stories von drei Minuten oder Erklärteile für die Integration in eine Rahmenberichterstattung.

Die zweite Ebene sind die veranstaltereigenen Medien mit Social-Media-Plattformen und einer App. Werner Eksler weist auf die Unterschiede hin: „Wir produzieren extra für Facebook, Instagram oder auch für TikTok seit Neustem. Dinge, die auch eine gewisse Exklusivität haben wie eine eigene 360-Grad-Kamera auf dem Boot, die wir nachbearbeiten mit Zwei-, Drei-Minuten-Clips vom Rennen.“ Die dritte Ebene für die Nutzung der erzeugten Medien ist der klassische Vertrieb von News-Paketen an mehrere News-Agenturen, die das Material an Nicht-Rechtehalter weitergeben plus unzählige Over-The-Top-/Special-Interest-Plattformen wie etwa Podcasts oder eine Sport-Homepage mit täglich zwei bis drei fertig produzierten Formaten einschließlich englischem Voice-Over, bei denen auch alle Rechte und die Musik geklärt sind. Das Live-Publikum vor Ort bekam einen World- Stream, der auch an jedes Team und deren Team-Hospitality und VIP-Clubs ging sowie an die vielen große Yachten, die das Sportevent draußen auf dem Wasser anschauten.

Zueinander kommen diese heterogenen Aufgaben nur in aktueller Netzwerktechnologie. Werner Eksler: „Die Voraus- setzung ist ein komplett vernetztes System, wo jeder auf alle Daten und Informationen zugreifen kann. Beim früheren Cup hat es eine Or- ganisation für die Live-Berichterstattung gegeben, eine für die News, eine für So- cial Media und eine weitere hat sich um die App gekümmert. Das ist alles jetzt zu- sammengefasst und durch diesen ganz- heitlichen Ansatz kann man die Kanäle mit den Dingen beliefern, die sie auch wirklich brauchen.“

Es ist also nicht mehr nötig, Parallelstrukturen für den teaminternen Gebrauch der elfköpfigen Besatzung und der Crew an Land einerseits und für die externe Broadcast-Bespielung andererseits aufzubauen: Über die gleiche Infrastruktur des Media Systems, über das die Crew mit ihren Beltpacks untereinander kommuniziert, ist jetzt auch beispielsweise ein TV-Interview möglich. Thomas Riedel erinnert sich auch an viele Stolpersteine in Produktionsabläufen, die so behoben werden können, wenn Event- und Broadcast-Produktion verschmelzen. Wie oft sei es vorgekommen, dass man merkt: Irgendwie geht es nicht los, aber niemand weiß Bescheid, selbst die Leute am Mischpult nicht. Hier waren jetzt Race Control, Regie, Event-Produktion, Sicherheitspersonal und alle Boote in einem System eingebunden – theoretisch war man zu jedem Zeitpunkt in der Lage, den Teams zuzuhören. [14663]


Hier geht’s zum kompletten Artikel über das Broadcast-Konzept beim America’s Cup aus unserem Heft 7–8.2021!


 

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