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Live-TV-Produktion beim Formel-E-Finale in Berlin-Tempelhof

Hochspannung in Tempelhof

Das Finale der siebten Saison der Formel E, der FIA-Rennserie für Elektrorennwagen, fand Mitte August 2021 auf dem ehemaligen Flughafen Berlin-Tempelhof statt. Für die TV-Live-Produktion zeichnete Aurora Media Worldwide aus London verantwortlich. Bernhard Herrmann hat für unsere Ausgabe 11.2021 beobachtet, wie über 30 Kameras das Geschehen einfingen.

Eine TV-Kamera steht am Rand der Formel-E-Rennstrecke in Berlin
(Foto: Creative Art Production)

Die äußeren Bedingungen waren ideal beim Saisonfinale der FIA Formel E auf dem ehemaligen Flughafen Berlin-Tempelhof, wo eigens eine gut 2.300 Meter lange Rundstrecke abgesteckt worden war. Von Freitag bis Sonntag herrschte bestes Sommerwetter mit Sonne und Temperaturen um die 30 Grad Celsius. Die Veranstaltung fand unter strengen Pandemie-Sicherheitsmaßnahmen statt. Daher mussten Mitarbeitende, die durch das alte Flughafengebäude auf das betonierte Rollfeld wollten, nach dem Erhalt der persönlichen Akkreditierung auch bei vollständigem Impfschutz gegen Covid-19 in eine Kontrollstelle gehen und sich einem PCR- Test unterziehen. Fiel das Ergebnis negativ aus, erhielt man eine entsprechende SMS, parallel dazu wurde die Akkreditierungskarte freigeschaltet.

Auf dem Weg ins Medienzentrum an der Rennstrecke fiel zuerst auf, dass überall kilometerlange dicke Stromkabel verlegt und Panels mit Solarzellen errichtet waren. Nirgendwo roch es wie bei den Autorennen mit Verbrennungsmotoren nach hochoktanigem Benzin, sondern angenehmerweise nur nach frischer Luft. Auch akustisch hielt sich die Belästigung in Grenzen. Wer die Formel-E-Rennen zuvor bei Eurosport und Sat.1 im Fernsehen geschaut hatte, war im Stereoton permanent einem unangenehmen Pfeifton aus den Elektromotoren der Rennwagen ausgesetzt. In Wirklichkeit geht es an der Rennstrecke jedoch viel leiser zu. Der Pfeifton ist nur direkt an der Rennstrecke bei bestimmten hohen Geschwindigkeiten des Rennwagens und kurzfristig bis zum Abbremsen vor der nächsten Kurve zu hören. Aber da man ja im Fernsehen nur selten Stille übertragen möchte, haben sich die Verantwortlichen offenbar dazu entschlossen, dem Fernsehpublikum durch entsprechende Mikrofonierung und Mischung ein dauerhafteres Tonerlebnis zukommen zu lassen.

Lee Flay, Technischer Direktor der der Formel-E-TV-Produktion bei Aurora Media Worldwide, hat freundlicherweise die Zeit gefunden, uns bei einem Rundgang durch das Broadcast-Center und die Rennstrecke zu begleiten und uns dabei das technische Setup zu erläutern. Das britische Unternehmen produziert die Liveübertragung der Formel E seit dem ersten Rennen, wobei das Unternehmen Timeline Television Ltd. das technische Equipment stellt. Die Formula E Operations Ltd. organisiert die TV-Produktion für die FIA. Alle drei Unternehmen sind in London ansässig. Das Setup des gesamten Broadcast-Systems einschießlich der eingesetzten Technik besteht in dieser Form bereits seit vier Jahren.

Eine TV-Kamera steht inmitten sich schnell bewegender Rennwagen
Insgesamt drei Grass-Valley-Kameras wurden remote bedient. (Foto: Creative Art Production)

Kameras

An der Rennstrecke kamen 18 Grass Valley LDX-86-Kameras zum Einsatz, drei davon in einer Remote-Ausführung. Mehrere Kameras waren auf eigens angefertigten Halterungen aus Aluminium an den Betonelementen der Streckenbegrenzungen installiert. Die oberhalb darauf montierten Maschendrahtzäune hatten entsprechende Aussparungen für die Objektive. Zusätzlich war jeweils eine Kamera auf vier Teleskop-Arbeitsbühnen in 43 Meter Höhe montiert. Ein Camcat-Seilkamera-System war zwischen zwei Kränen auf einer Länge von etwa 750 Metern über der Rennstrecke gespannt. Damit konnte die in einem Gimbal befestigte Kamera mit einer Geschwindigkeit bis zu etwa 130 Kilometer pro Stunden die Rennwagen von oben aufnehmen und die Bilder drahtlos in den TV-Compound senden. Eine Besonderheit bei der Formel E ist eine Kamera in der Mitte der Zielgeraden. Jede Kamera lässt sich für 3-fach Super-Slow-Motion-Bilder nutzen.

Acht Marshall Mini-Kameras ergänzten die Perspektiven an speziell ausgewählten Stellen der Rennstrecke. Wie aus der Formel 1 bekannt waren auch in den Rennwagen selbst acht potenzielle Kamerapositionen vorgesehen. Diese befanden sich in der Front, dem
Heck, den beiden Rückspiegeln, vorne am Halo-System mit Blick auf den Fahrer und im Helm. Dieser winzige Kamera-Sensor ist direkt neben einem Auge des Fahrers positioniert, bildet das exakte Sichtfeld des Fahrers ab und lässt so die Fans am Fernseher und den Videowalls an der Rennstrecke hautnah am Renngeschehen teilhaben.

In den Formel-E-Rennwagen sind alle acht Kamerapositionen verkabelt. „Aber nicht immer werden alle Kameras eingebaut“, erläutert der Technische Leiter Lee Flay. Damit niemand einen ungerechten Gewichtsvorteil hat, werden dann gleich große und schwere Atrappen angebracht. Je nach Rennsituation können Kameras auch noch am Rennwochenende umgebaut werden. So kann beispielsweise ein Fahrer, der Siegeschancen hat oder im Qualifying eine bessere Position erreicht, kurzfristig das komplette Kamerasetup bekommen. Beinahe jede Kamera wird „abgesteckt“, also separat aufgezeichnet. Ein Mitarbeiter koordiniert die 48 Inputs mit den Bewegtbildern für die Live-Replays und die Re-Live- Szenen. Vier EVS-Operatoren sind für acht EVS-Remote-Controller zuständig.

Bildtechnik-Arbeitsplätze in einem Ü-Wagen
14 Container standen für Bildtechnik, Regien und Kommunikation bereit. (Foto: Creative Art Production)

Produktion des World Feeds

Derzeit wird der World Feed noch in High Definition und in Stereo für etwa 186 Länder produziert. Der Aufbau der insgesamt 14 Container im TV-Compound dauert laut Lee Flay etwa viereinhalb Tage. Der Abbau nach dem Rennen am Sonntag geht deutlich schneller und dauert nur etwa sechs Stunden. Insgesamt sind bei der TV-Produktion 105 Mitarbeitende beschäftigt, die sich in Berlin mit einer Besonderheit auseinandersetzen müssen: Am zweiten Tag befahren die Rennwagen die Strecke in umgekehrter Richtung! Deswegen müssen die Leitungen der insgesamt etwa 42 Kilometer Glasfaserkabel teilweise doppelt verlegt werden, weil durch die umgekehrte Richtung einige Kamerapositionen nach dem ersten Rennen am Samstag über Nacht geändert werden müssen.

Durch die Boxengasse gingen vor den Rennen mehrere Kameraleute mit drahtlosen Sendern von Vislink an den Kameras, um das FIA TV-Programm mit Interviews von Rennfahrern und Technikern der Rennteams durch Reporter und Redakteure herzustellen. Bei den Rennen zeigen diese Kameraleute dann die Bilder von den Kommandoständen und aus den technischen Bereichen in den Boxen der Rennteams. Alle Signale liefen im Container auf, der als Zentraler Geräteraum genutzt wird und wurden von dort im TV-Compound verteilt.

Generell versucht die Formel E, den „Carbon Footprint“ zu reduzieren, sagt Lee Flay. Das geschieht auch auf Verlangen der FIA. Somit ist die Formel E in der Marketingstrategie auch gegenüber Formel 1 und anderen Rennserien führend. Drei Sets mit technischer Ausstattung und Einrichtungsgegenständen werden deshalb weltweit mit Schiffen zur nächsten Rennlocation transportiert. Nur ein Set mit spezieller Technik, deren Transport entsprechend zeitkritisch ist, wird per Frachtflugzeug befördert.

TV-Presenter und Kameraleute auf der Rennstrecke in Berlin
Die Kameras für die Presenter waren mit drahtlosen Sendern von Vislink ausgestattet. (Foto: Creative Art Production)

Drei sogenannte „TV-Galleries“, also drei zu einem großen Raum miteinander verbundene Container mit Arbeitsplätzen für Bildregie, Redaktion, Aufnahmeleitung, Produktion und Technischer Leiter befanden sich vor Ort. Zusätzlich standen zwei dieser TV-Galleries in London, wo sie für den englischen Content genutzt wurden. Die gesamte drahtlose Kommunikation vor Ort befindet sich in einem separaten Container und wird von Tata Communications aus Indien realisiert.

Für die TV-Produktion gibt es zwei Bildregisseure: Einer sitzt in der TV-Gallery an der Rennstrecke in Berlin und wählt die Bilder vor Ort aus. Der zweite Bildregisseur befindet in der „International TV-Gallery“ in London und betreut das World Feed. Der englische Kommentator für das World Feed sitzt aufgrund der kürzeren Wege an der Pit-Lane. Zurzeit wird das Bildsignal lediglich in einer HD-SDI-Umgebung produziert, obwohl die Kameras bereits UHD-fähig sind. Sollte die weltweite Nachfrage nach UHD HDR für die Formel E steigen, wird die FIA erwägen müssen, auch die Formel E, wie bereits die Formel 1, in UHD HDR durchgängig zu produzieren, erläutert Lee Flay. Deswegen wird auch der jetzige Stereoton für Dolby Atmos und Dolby Digital 5.1 optimiert. „Möglicherweise wird dieses Upgrade für die Saison 2023 durchgeführt“, ergänzt Lawrence Duffy, der Geschäftsführer von Aurora Media Worldwide. Die jetzigen Produktionskosten betragen, so Duffy, je nach Stadt und Rennstrecke etwa eine halbe bis knapp eine Million Euro. [14902]


Sie möchten mehr lesen? Hier finden Sie den kompletten Artikel über die Live-TV-Produktion der Formel E in Berlin!


 

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