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Plazamedia-Studioproduktion bei der UEFA EURO 2020

Heimspiel für MagentaTV

Wer in diesem Sommer alle 51 Spiele der coronabedingt um ein Jahr verspäteten UEFA EURO 2020 auf dem Bildschirm anschauen wollte, kam in Deutschland nicht um MagentaTV herum. Dort wurden alle Begegnungen in UHD und Dolby 5.1 angeboten. Dabei zeichnete Plazamedia als Dienstleister für die Studioproduktion verantwortlich. Bernhard Herrmann war für unser Heft 9.2021 beim nervenzerfetzenden 2:2 zwischen Deutschland und Ungarn vor Ort.

Eine Studio-Kamera auf einem Pedestal im Studio von Magnet TV.
Foto: Creative Art Production

Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft traf am 23. Juni 2021 in ihrem letzten Vorrundenspiel der UEFA EURO 2020 in der Arena in München auf die Mannschaft aus Ungarn. Nach dem Anpfiff um 21.00 Uhr benötigten die deutschen Fußballspieler mindestens ein Unentschieden, um ins Achtelfinale einzuziehen.

Gegen Mittag herrscht am Studiokomplex der Plazamedia im bayerischen Ismaning gleich hinter den Stadtgrenzen Münchens noch heiterstes Sommerwetter. Am Compound der Plazamedia, einem Unternehmen der Sport1 Medien AG, sind am Haupteingang zum Gebäude drei Covid-19-Teststationen eingerichtet. Jeder der täglich anwesenden bis zu 120 Mitarbeitenden muss sich hier nach einem mit dem Gesundheitsamt abgestimmten Szenario einem PCR- oder Schnelltest unterziehen. Wer seinen Test absolviert und das negative Ergebnis erhalten hat, bekommt für diesen Tag ein farbiges Armband, das Zugang zu bestimmten Studios gewährt.

Plazamedia wurde als Generalunternehmer von der Deutschen Telekom beauftragt. Insgesamt werden für MagentaTV drei Studios mit einer Fläche von etwa 2.600 Quadratmetern, vier Playouts und ein Content-Center genutzt. Die produktionstechnische Realisierung aller 51 Spiele fand an 22 Live-Produktionstagen zwischen dem 11. Juni und 11. Juli 2021 auf zwei HD- und zwei UHD-Kanälen statt. Als inhaltlicher Programmdienstleister war die thinXpool TV GmbH für alle redaktionellen Aspekte des Projekts verantwortlich. Hardy Steinweg, COO der Plazamedia GmbH, empfängt uns und wir nehmen im schattigen Pausenhof an einer Biertischgarnitur Platz. Er erläutert die Workflows, die eingesetzte Technik und was Plazamedia einen Monat lang anlässlich der Produktion für MagentaTV zur EURO 2020 auf die Beine gestellt hat.

Regie mit 6 Personen und vielen Bildschirmen.
Die Live-Regie im Plazamedia-Compound in Ismaning (Foto: Creative Art Production)

Die Arena in München-Fröttmaning, in der an jenem Tag das letzte Vorrundenspiel der „Mannschaft“ standfinden wird liegt von den Studios weniger als drei Kilometer Luftlinie entfernt. Unglücklicherweise hat der Deutsche Wetterdienst bereits für den Anpfiff des Spiels eine Unwetterwarnung mit Gewitter und Starkregen herausgegeben, wovon jetzt bei bayrisch weiß-blauem Himmel noch nichts zu ahnen ist. Nach und nach treffen die Mitarbeiter aus den verschiedenen Gewerken bei Plazamedia ein.

Augmented Reality und 3D-Grafik im Studio

Im Plazamedia Studio M stand für die MagentaTV-Sendungen eine 250 Quadratmeter große Aktionsfläche zur Verfügung. Eine LED-Videowall von 60 Quadratmetern im Format 32:9 diente als Backdrop und wurde mit einem Pandoras-Box-System von Christie als Medienserver bespielt. Das geschwungene, schwarze Moderationspult vor der Videowall mit im Halbkreis eingebetteten Monitoren war im Relief an das Telekom-Logo angelehnt.

MagentaTV Studio mit Moderator:innen im Einsatz.
Das Studio M von MagentaTV mit virtuellem Stadiondach (Foto: MagentaTV)

Die U-förmigen, hellgrauen und silberfarbenen Wandelemente mit diversen großen Rundungen an den Ecken wurden überwiegend in der CI-Farbe Magenta der Deutschen Telekom gehalten. Zwei weiße umlaufende Lichtbänder illuminieren die Rück- und Seitenwände oben und unten indirekt. Neben etwa zwei Dutzend Scheinwerfern fallen an der Decke des Studios etwa tennisballgroße Punkte aus reflektierender Folie auf. Diese gehören zum Mo-Sys StarTracker-System. An drei Studiokameras ist jeweils ein LED-Sensor angebracht. Kalibriert werden damit Position und Ausrichtung der Kamera. Rotations- und Objektivdaten werden exakt ermittelt. Diese Daten gelangen zu einer Rendering-Engine, so dass sich eine virtuelle 3D-Grafik als Augmented- Reality-Element in das 2D-TV-Bild integrieren lässt.

Mithilfe dieses Systems konnte man im Studiobild VIZRT-Grafiken als animiertes Stahlgerüst des Daches der Arena München in das TV-Bild einblenden und so den Eindruck er- wecken, man befände sich vor Ort. Der Übergang von realer Studiowand zum virtuellen Dach bestand aus den bekannten realen, jetzt aber virtuellen, Wandelementen in Magenta-Farbe. In einigen Szenen der Sendung hatten die Grafiker die kontrastreiche Kombination der Studiofarben in der virtuellen Darstellung etwas zu weit ausgereizt, so dass die Komplementärfarben nicht mehr zueinander passten. Die Reflexion der Farbe Gelb aus der virtuellen Deutschen Flagge färbte sogar die weißen Schuhe des Moderators und eines Experten im TV-Bild gelblich ein.

Die gesamten On-Air-Grafik der UEFA wurde von Deltatre in UHD hergestellt, dem Live Stadion Feed zugeteilt und den Sendern für eigene Einblendungen zur Verfügung gestellt. Auch die jeweiligen Statistikdaten wurden von Deltatre in den Stadien erfasst und verteilt.

Fünf Kameras für MagentaTV

Im MagentaTV-Studio kamen fünf UHD-fähige Sony HDC 3500 mit Fujinon-HD-Boxed 24-fach- und Fujinon-EFP- Weitwinkel-14-fach-Objektiven zum Einsatz. Drei Kameras befanden sich auf Pumpenstativen. Ergänzt wurde dieses Setup um einen Kamerakran und eine Steadicam. Moderatorinnen und Moderatoren waren mit Kopfbügel-Mikrofonen und In-Ears ausgestattet. Die UEFA hatte die

Atmo in den Stadien in Stereo, Dolby 5.1 und Dolby Atmos herstellen lassen.
Für die MagentaTV-Analyse an der „Magic Wall“ nutzte Experte Jan Henkel einen 100-Zoll-UHD-Touchscreen mit ei- nem Piero Sport-Grafik-Analyse-System von Ross Video. Da- mit erläuterte er mit verschiedenen grafischen 3D-Elemen- ten und Markierungen spiel- und torentscheidende Szenen mit Laufwegen und Positionen auf dem Spielfeld, die zuvor aus dem Live Stadium Feed für die Analyse ausgesucht und lokal abgespeichert wurden. Damit konnte bereits in der Halbzeitpause die Entstehung von Toren auf einem sport- fachlichen Niveau erläutert werden, das für die Zuschauer kein Trainerseminar erforderte, wie es teilweise bei anderen TV-Sendern notwendig war. Die Sportgrafik- und Analyse- Engine bot darüber hinaus alles, um die Aktionen in Videoszenen Frame für Frame darzustellen und mit einem großen Portfolio aus Grafikelementen zu versehen.

Der Geräteraum in einem externen Container mit vielen Rock-Geräten.
Der Zentrale Geräteraum war in einem externen Container untergebracht. (Foto: Creative Art Production)

Zentraler Geräteraum und Layout

Vor dem Plazamedia-Gebäude wurden zwei Ü-Wagen von NEP eingesetzt, deren Regien für die Abwicklung der Livespiele als UHD-Senderegien zum Einsatz kamen. Dort wurden während der Spielübertragungen Grafiken, Kommentare und Beiträge zugesetzt. In einem ebenfalls vor dem Gebäude stehenden Container war der Zentrale Geräteraum (ZGR) untergebracht. Im permanent gekühlten Innenraum standen meterweit bis zur Deckenhöhe Racks mit analoger und digitaler Technik: die zentrale Hardware aller Systeme für die MagentaTV- Produktion, wie Bildmischer und Kreuzschienen, Mainframe, Prozessoren, Intercom-Zentraleinheit sowie die Basisstationen und CCUs der Kameras. Darüber hinaus befand sich dort eine zentrale Infrastruktur für Video-Zuspielungen und Aufzeichnungen, die direkt an die ebenfalls dort installierten großen Netzwerk- speicher-Systeme für das Event anknüpfen. Als Ausspielwege für die zwei MagentaTV EURO 2020 Kanäle gab es vier Programm-Sendeleitungen von Plazamedia zur Distribution in Richtung der Plattformern bei der Deutschen Telekom, jeweils zwei in UHD und zwei in HD.

World feed live

Das World Feed aus den Stadien wurde mit der etwa doppelten Anzahl von Kameras wie sonst bei Fußball-Länderspielen üblich und überall in UHD HDR produziert. In den elf Stadien kamen jeweils mindestens 36 UHD-Kameras samt UHD-Optiken für die Live-Berichterstattung zum Einsatz, darunter acht Super Slow-Motion Triple Speed Kameras, zwei High-Speed Kameras, zwei Kameras in den Toren, fünf Handkameras, eine Kamera an einem Hubschrauber und eine Spidercam. Dieses Bildangebot wurde um acht weitere UHD-Kameras ergänzt, die alle übrigen Ereignisse rund um die Partie, wie etwa die Ankunft der Mannschaften in der Arena und die Reaktionen der Fans zeigten. Mit diesem mächtigen Kameraportfolio ließen sich alle Szenen auf dem Platz und die Emotionen im Publikum, live, re-live, als Slowmotion, Super-Slowmotion und aus verschiedenen Perspektiven und Einstellgrößen von der Groß- bis zur Supertotalen einfangen.

Im International Broadcast Centre IBC bei Amsterdam liefen sämtliche Host-Broadcasting-Aktivitäten der UEFA zusammen, darunter die Live-Bilder von allen 51 Spielen der diesjährigen EM-Endrunde aus den elf Stadien, die über die offiziellen Fernseh- und Streaming-Kanäle ausgestrahlt wurden. Dort waren auf einer Fläche von etwa 26.000 Quadratmetern insgesamt rund 1.000 Mitarbeitende tätig, darunter fast 300 des UEFA Host Broadcasting. Die UEFA produzierte 18 Signale pro Partie, darunter auch das „World Feed“ genannte Live Stadium Feed in HD-SDR, HD-HDR und UHD-HDR. Insgesamt waren hierfür über 70.000 Kilometer Kabel erforderlich, davon 150 Kilometer im IBC. Den Längenrekord hält ein bereits zuvor existierendes Glasfaserkabel zwischen dem Stadion in Baku und dem IBC mit einer Länge von 6.500 Kilometern.

Weitere Media-Arbeitsplätze hinter einem schwarzen Vorhang mit Licht- und Screen-Steuerung.
Besonders wichtig für Zusatzinformationen und virtuelle Erweiterung des Studios war die LED-Screen- und AR-Steuerung. (Foto: Creative Art Production)

Fazit

Plazamedia-COO Hardy Steinweg war mit der EURO-2020-Produktion rundum zufrieden. „Das ganze Team mit insgesamt 250 Kolleginnen und Kollegen, die dieses Projekt für MagentaTV in Szene gesetzt haben, gehört zu den Gewinnern dieser Europameisterschaft! Die Produktion der UEFA EURO 2020 ist dank der intensiven und vertrauensvollen Zusammenarbeit aller beteiligten Partner und Dienstleister hervorragend gelungen. Das EM-Projekt wurde im eingerichteten Compound auf unserem Firmengelände in Ismaning State-of-the-Art mit modernster Technik realisiert: Neben dem durchgängigen UHD Signal Processing kamen bei den Studio-Produktionen umfangreiche Augmented-Reality-Features, High-End- Analyse-Systeme und neueste Kamera- und Bild-Technik zum Einsatz. Auf dieser Basis wurde für die Zuschauerinnen und Zuschauer von MagentaTV ein echter Mehrwert geschaffen – das zeigen uns auch die Reaktionen in Medien und Öffentlichkeit“, so sein Fazit.

So endete das „Heimspiel“ der Mannschaft von MagentaTV für die UEFA EURO 2020, produziert von Plazamedia in Ismaning, mit einem technischen Punktsieg für die übertragene Bild- und Tonqualität in UHD SDR und Dolby 5.1 für 20 Millionen deutsche Haushalte, in denen bereits UHD-Fernseher stehen. Bei ARD und ZDF liefen die Übertragungen hingegen in „HD ready“, also im Format 720p/50 (1.280 × 720 Pixel) über Kabel und Satellit mit Dolby-5.1-Ton.

„Für die Verbreitungswege Kabel und Satellit gibt es kein Migrationsszenario, vom aktuellen Ausstrahlungsstandard 720p/50 auf 1080p/50 zu wechseln. Weiterhin werden in der ZDFmediathek über HbbTV einige ausgesuchte Events in Full HD/HDR angeboten“, bemerkt das ZDF hierzu. „Zur EURO 2024 werden sicherlich noch das bisherige HD- bzw. Full HD-Signal über die klassischen Broadcastwege angeboten.“, ergänzt ein Sprecher der ARD.

Dabei müsste es Ziel für die FIFA WM 2022 und die UEFA EURO 2024 sein, den deutschen Zuschauern über deren  die Spiele mit Beteiligung der deutschen Mannschaft, die Viertel- und Halbfinales sowie das Finale in UHD HDR und Dolby Atmos ohne doppelte Bezahlung durch Rundfunkbeitrag und MagentaTV-Abo anzubieten. MagentaTV könnte dann qualitativ die erste Alternative zu ARD und ZDF werden. [14773]

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