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Verleihung des 32. Deutschen Kamerapreises

Magische Momente schaffen

Am 6. Mai wurde in den WDR-Studios in Köln-Bocklemünd der 32. Deutsche Kamerapreis in insgesamt zehn Kategorien vergeben. Der Ehrenpreis ging in diesem Jahr an Tom Fährmann. Nach zwei Jahren als Online-Format konnte die Gala wieder als Präsenzveranstaltung stattfinden, was die Branche erleichtert zur Kenntnis nahm.

Gruppenfoto 32. Deutscher Kamerapreis
Foto: WDR / Melanie Grande

Es war ein wenig, wie nach einem langen Schlaf zu erwachen und festzustellen, dass der seltsame Traum, der soeben zu Ende ging, doch nicht die Wirklichkeit war und die Welt stattdessen wieder beinahe normal erschien. Menschen reichten sich zur Begrüßung die Hand, umarmten sich gar und feierten gemeinsam ohne offensichtliche Furcht, sich dabei eine gefährliche Krankheit einzufangen: Nach zwei Jahren als Online-Format fand die Gala zur Verleihung des 32. Deutschen Kamerapreis wieder als Präsenzveranstaltung in den WDR-Studios Köln-Bocklemünd statt.

Doch die Corona-Pandemie war kein böser Traum, sondern hat ganz real auf zuvor ungekannte Weise in die Produktionslandschaft der Filmbranche eingegriffen. So fiel zwar in Laudatios wie auch Dankesreden häufig das C19-Wort, aber das vorherrschende und deutlich spürbare Gefühl an jenem Abend war das einer großen Erleichterung. Walter Demonte, Geschäftsführer des Vereins Deutscher Kamerapreis Köln e. V., blickte auf das zweite Pandemiejahr zurück und stellte fest, die Branche habe eindrucksvoll gezeigt, dass Filme, Fernsehbeiträge und multimediale Inhalte aller Genres in Krisen gebraucht würden und mit großem Engagement und Ideenreichtum produziert werden könnten. Die beeindruckend hohe Qualität der Werke habe es den Jurys, die leider noch einmal digital tagen mussten, nicht leicht gemacht, ihre Entscheidungen zu treffen.

Preisträger Max Preiss und Moderatorin Man Ameziane beim 32. Deutschen Kamerapreis
Preisträger Max Preiss und Moderatorin Man Ameziane (Foto: WDR / Melanie Grande)

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Unter den zwölf Ausgezeichneten dieses Jahrgangs befand sich mit Joana Scrinzi, die den Preis für den besten Film bei einem Spielfilm für ihre Arbeit bei „Große Freiheit“ bekam, nur eine einzige Frau. Das Verhältnis war in vergangenen Jahren schon ein wenig ausgeglichener, zeigt aber einmal mehr, dass das Problem, nur wenige Preisträgerinnen in den Kamera-Kategorien zu haben, vorwiegend statistischer Natur ist. Denn wenn in den Produktionen nur wenige Frauen hinter der Kamera arbeiten, kann auch weniger eingereicht und ausgezeichnet werden.

Offenbar war den Veranstaltern das Ungleichgewicht schmerzlich bewusst, denn die Verleihung der Nachwuchspreise wurde für einen Appell genutzt, mehr Frauen an die Kamera zu bringen, während die beiden männlichen Preisträger etwas betreten links und rechts danebenstanden. Die vorgetragenen Argumente blieben zudem etwas ander Oberfläche, denn dass Talent kein Geschlecht kennt, ist ebenso längst bekannt, wie die Behauptung fragwürdig ist, die geschlechtsspezifische Aufteilung des Sortiments in den Spielwarenläden sei verantwortlich für niedrige Anmeldezahlen von Kamerastudentinnen an den Filmhochschulen. Die leider immer noch sehr reale strukturelle Ungerechtigkeit für Frauen in der Filmbranche blieb hingegen unerwähnt. Die erste Auszeichnung des Abends, durch den die WDR-Moderatorin Mona Ameziane führte, ging in der Kategorie Kinospielfilm an Max Preiss für seine Kameraarbeit bei „Niemand ist bei den Kälbern“. In seiner Dankesrede sprach er von den „magischen Momenten“, die er mit seiner Arbeit an der Kamera schaffen wolle.

Tom Fährmann wurde mit dem Ehrenpreis beim 32. Deutschen Kamerapreis ausgezeichnet. (Foto: WDR / Melanie Grande)

Den Ehrenpreis des Deutschen Kamerapreises wurde in diesem Jahr an Tom Fährmann vergeben. Schon während der warmherzigen Laudatio durch die HFF-Präsidentin Bettina Reitz war der langjährige DoP von Regisseur Sönke Wortmann sichtlich bewegt und sorgte, während seiner Rede dann endgültig von Gefühlen übermannt, für eine sehr menschliche und authentische Note bei der Preisverleihung. Die allerdings dürfte, bei aller Freude über die Rückkehr der Präsenz, im kommenden Jahr gern um die ein oder andere Viertelstunde kürzer ausfallen. [15216]


Die Preisträgerinnen und Preisträger des 32. Deutschen Kamerapreises

  • Ehrenpreis: Tom Fährmann
  • Kamera Kinospielfilm: Max Preiss für “Niemand ist bei den Kälbern”
  • Kamera Fernsehfilm / Serie: Nikolai von Graevenitz für “Polizeiruf 110: An der Saale hellem Strande”
  • Kamera Dokumentarfilm: Arne Büttner und Danilo do Carlo für “Lo Que Queda En Camino”
  • Kamera Dokumentation / Doku-Serie: Julian Krubasik und Markus Nestroy für “Dig Deeper – Das Verschwinden von Birgit Meier, Folge 1”
  • Kamera Kurzfilm: Jakob Reinhardt für “Proll!”
  • Kamera Aktuelle Kurzformate: Jan Mammey für “Lieber verstrahlt als im Krieg? Neuanfang in Tschernobyl”
  • Schnitt Dokumentation / Doku-Serie: Hauke von Stietenkron für ” 37 Grad: Dance Till you Break – The Saxons, Folge 2: Liebe”
  • Schnitt Spielfilm: Joana Scrinzi für “Große Freiheit”
  • Nachwuchspreis (Schnitt): Nicolai Zeitler für “Alles Übel dieser Welt”
  • Nachwuchspreis (Kamera): Nikolai Huber für “Drecks Kleingeld”

 

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