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Film-Mischung in Dolby Surround als Pop-up-Lösung

Mobil mischen

Dennis Grell ist Toningenieur in Lübeck und hatte das Problem, vor Ort keine geeigneten Studios für die Dolby-Surround-Mischung von Filmen zur Verfügung zu haben. Gemeinsam mit seinem Kollegen Philipp Staudinger entwickelte er eine Pop-up-Lösung, die einen bestehenden Kino-Saal dafür umrüstet.

Dolby-Surround Mischung in einem Kinosaal
Foto: Timo Schönfelder

Wenn wir an die großen Film- und TV-Metropolen in Deutschland wie München, Berlin, Köln oder Hamburg denken, nennen wir mit diesen Städten Lübeck nicht unbedingt in einem Atemzug. Doch natürlich gibt es nicht nur in den großen Produktionsstandorten der Branche mediales Schaffen, so eben auch in der backsteinbewehrten Hansestadt, die ja eher für Marzipan als für ihre Filmszene bekannt ist. Hier arbeitet Dennis Grell, Jahrgang 1982, als Toningenieur. „Lübeck ist keine Media City, absolut null“, sagt er zu seinem Standort. „Aber ich lebe nun einmal hier und das ist schon ein gewisses Problem. Ich bin hier in Lübeck der Einzige, der Kunden von der Größenordnung wie zum Beispiel Disney hat. Das hat hier im Audiobereich sonst niemand – und wir haben auch keine Studioszene.“

Dennis Grell arbeitet seit dem Ende der 1990er Jahre als Toningenieur. Selbst Musiker, arbeitete er zunächst in der Musik, aber befasste sich schon nach wenigen Jahren nach ersten Anfängen mit einzelnen Kurzfilmen zunehmend mit der Audio-Postproduktion im Werbe- und Spielfilmbereich. Doch mit der fortschreitenden Entwicklung der Technologie und dem Aufkommen von Tonverfahren, die über simples Stereo hinausgehen, stieß er bald an gewisse Grenzen. „Ich arbeite in einem kleinen Studio in meinem Haus und kann dort problemlos in Stereo arbeiten. Aber eine Möglichkeit, in Surround zu mischen, habe ich dort nicht – und auch nicht die Mittel, mir dort die gesamte technische Infrastruktur aufzubauen. Dann wurde mir ein sehr reizvolles Kinoprojekt angeboten, das ich wirklich gern gemacht hätte, aber da sollte der Ton in Surround sein.“ Das geografisch nächste Surroundstudio wäre in Hamburg gewesen und hätte eine Tagesmiete von um die 1.500 Euro gekostet. „Dazu wäre die tägliche Hin- und Rückfahrt gekommen und das war alles in allem nicht machbar“, bedauert Dennis Grell. „Also musste ich das Projekt absagen. Das hat mich so geärgert, dass ich gedacht habe ,So kann das nicht weitergehen, es muss doch möglich sein, hier in Lübeck eine bezahlbare Möglichkeit zu schaffen, in Surround zu mischen, so dass ich diese spannenden Jobs machen kann!‘“

Ab ins Kino

Was also tun? Gemeinsam mit seinem Kollegen Philipp Staudinger zerbrach sich Dennis Grell den Kopf. Schließlich kamen sie auf einen möglichen Lösungsweg. „Irgendwann kamen wir darauf: ,Warum nicht gleich im Kino?‘ Das Dolby-Equipment ist da ja schon vorhanden!“, erinnert sich Dennis Grell. Die im Prinzip durchaus gangbare Alternative, mithilfe von Stiftungsgeldern ein eigenes Studio einzurichten, hatten die beiden verworfen, denn der gesamte Prozess hätte unter Umständen jahrelang gedauert und so lange wollten sie nicht warten.

Philipp Staudinger und Dennis Grell bei einer Surround-Mischung im Kinosaal.
Philipp Staudinger (links) und Dennis Grell bei einer Surround-Mischung im Kinosaal. (Foto: Timo Schönfelder)

„Wir haben uns dann erst einmal ein halbes Jahr mit Kinotechnik beschäftigt“, erläutert der Toningenieur. „Wir hatten zwar natürlich einen groben Überblick, aber wussten ja nicht bis ins Detail, wie das funktioniert. Wie läuft das eigentlich mit diesem Dolby-Schrank? Wohin gehen die Signale? Wir haben uns auch gründlich umgehört, aber in ganz Europa niemanden gefunden, der das macht. Aber irgendwann war klar: theoretisch könnte das möglich sein!“

Der nächste Schritt: ein Kino finden, das sich auf dieses Experiment einlassen würde. Dennis Grell wandte sich an ein Großkino ein wenig außerhalb von Lübeck mit insgesamt sechs Sälen. „Ich habe dem Betreiber eine E-Mail geschrieben und fünf Minuten später kam die Antwort, ich solle doch einfach mal vorbeikommen. Wir haben dann über die Idee gesprochen und er meinte dann ,Ich habe zwar überhaupt nichts von dem verstanden, was du gesagt hast, aber das machen wir!‘ Sein Saal 1 kam dann am besten in Frage, weil er genau in der Mitte ein Parkett hat – und wir müssen ja für eine Dolby-Surround-Mischung genau mittig sitzen. Den haben wir uns also ausgesucht.“ Ein weiterer Vorteil der Location: Der Kinobetreiber hatte erst kürzlich die komplette Sound- anlage erneuern und den Raum auch akustisch vermessen lassen. [15335]


Wenn Sie mehr über die technische Umsetzung des Pop-up-Tonstudios wissen möchten: Hier geht’s zu den Infos!


 

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