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Doku-Filmer Felix Golenko über die Tonausrüstung für seinen Südseedreh

Alles aufeinander abgestimmt

Geringer Stromverbrauch, Witterungsbeständigkeit und Kompaktheit: Das sind die Hauptansprüche an die Audiotechnik, die Dokumentarfilmer Felix Golenko mit auf seinen sechsmonatigen Dreh nimmt. Das Projekt „Nature speaks“ führt ihn von den Fidschi-Inseln über Vanuatu bis New York. Mit dabei ist eine eigens angefertigte Tontasche um den 16-Track RX4+ Recorder von Sonosax mit der 8-Kanal-Erweiterung AD8+. Bevor Golenko losflog, verriet er uns für unser Heft 5.2022 die Details des Projekts, welche Tontechnik er auswählte und wie er die Tasche konzipierte.

Die Tontasche von Felix Golenko
Foto: Felix Golenko

Unterwegs herrschen andere Regeln, besonders beim Dreh von dokumentarischen Formaten. Flexibles Arbeiten heißt hier, schnell das Equipment einsatzbereit haben, alles am Körper zu tragen und verlässliche Geräte mitzuführen. All das weiß auch Felix Golenko, Dokumentarfilmstudent aus Ludwigsburg. Dennoch gingen die Vorbereitungen zur Langzeitdoku „Nature speaks“ noch mehr in die Tiefe als gewöhnlich.

Felix Golenko besaß schon immer eine Affinität zu Video­film- und Tontechnik. Sein erstes Studium im Bereich Em­bedded Systems beendete er unter anderem aus morali­schen Überlegungen, da er realisierte, welche ungewollten Anwendungen seiner Forschungsgebiete es in der Praxis geben könnte. „Ich wollte nicht in einer Industrie arbeiten, in der intelligente Kühlschränke zur Überwachung miss­braucht werden können“, so Golenko. Seit 2016 studiert Felix Golenko Dokumentarfilm­-Regie an der Filmakademie Baden­-Württemberg in Ludwigsburg.

Felix Golenko und DoP Jan Robin Weiland
Schnelles Teamfoto im schottischen Regen: Regisseur und Tonmann Felix Golenko und DoP Jan Robin Weiland (Foto: Felix Golenko)

Anspruchsvoller Ton

Die Geschichte zu dem Filmprojekt, das jetzt Golenkos Di­plomfilm wird, entdeckte er 2019. Bei einer privaten Rei­se in den Südpazifik erhielt er Einblick in die existenzielle Herausforderung, denen Länder wie Vanuatu durch den Klimawandel ausgesetzt sind. Die Zyklone der letzten Jahre haben verheerende Schäden in noch nie dagewesenem Aus­maß verursacht.

Dr. Morsen Mosses, der in Vanuatu geborene Ehemann von Golenkos Schwägerin, doziert Rechtswissenschaften an der lokalen University of the South Pacific. Durch seine Vorlesungen inspiriert haben Studierende der Universität eine rechtliche Initiative auf den Weg gebracht. Sie wol­len vor den Internationalen Gerichtshof ziehen, um ein Rechtsgutachten zu erwir­ken, dass die Zusammenhän­ ge zwischen den Folgen des Klimawandels, Menschen­rechten und generations­übergreifende Gerechtigkeit untersuchen soll. „Das fand ich sehr spannend“, sagt Fe­lix Golenko. „Darüber wollte ich einen Film machen, der die Zuschauenden einlädt, in diesen Teil der Welt im Süd­pazifik mitzukommen und zeigen, was es bedeutet, mit den Auswirkungen des Klimawandels alltäglich zu leben.“

Nach der Rückkehr kristalli­sierte sich für Felix Golenko die inhaltliche und techni­sche Herangehensweise für das Projekt heraus. Golenko hatte neben der Hauptinsel Efate auch die weniger er­schlossene Insel Malekula besucht. „Das ist einfach ein Naturerlebnis hier, das ich vorher noch nie erlebt hatte. Das hat auch ganz viel mit einem auditiven Erlebnis zu tun“, so seine Erkenntnis aus der Reise. Das wollte er mit einem anspruchsvollen Tonsetup einfangen. Außerdem war ihm bewusst, dass bei der Art der Produktion, der Flexibilität der Motive und auch der Reisen, die das Team zu absolvie­ren hatte, nur ein absolutes Kleinstteam in Frage kommen würde. „Da habe ich mich damit auseinandergesetzt, wie es wäre, wenn ich den Ton selbst mache“, sagt Golenko. Als DoP wählte er seinen Kamera­Kommilitonen Jan Robin Weiland, mit dem er auch sein voriges Projekt „Alimany – A Father‘s Burden“ umgesetzt hatte. Eines der Felder, in die der Dokumentarfilmer sich intensiv einarbeitete, war die Akquise von Tonaufnahmen für Dolby Atmos bei doku­mentarischen Projekten. Die zusätzliche Immersion von 3D­ Audio ist Golenko wichtig für seine Dramaturgie.

Technik-Auswahl

Nähen der Tontasche in drei Arbeitsschritten
Das Nähen des Materials, die Einfassung des Sonosax und die Anpassung der Tasche für die AD8+-Erweiterung (Fotos: Felix Golenko)

Im November 2021 fuhren Golenko und Weiland nach Glas­gow zur Klimakonferenz. Hier testeten sie auch erstmals das 3D­Sound­Setup unter Drehbedingungen. Die Ansprüche an die Technik waren zweigeteilt. Einerseits geschah die Auswahl unter den Aspekten, dass nur Weiland und Golen­ko als Team unterwegs waren und alles bedien-­ und trans­portierbar sein musste. Andererseits waren die Herausfor­derungen durch lange Einsatzzeiten, Witterungsverhältnisse bei dennoch hochwertigen Ergebnissen maßgeblich.

Unterstützt von seinen Tondozenten und durch viele Gesprä­che mit dem Team von Zeigermann_Audio aus Hamburg fiel Felix Golenkos Wahl auf einen 16­-Spur RX4+ Rekorder von Sonosax sowie dessen 8-­Kanal-Erweiterung AD8+. Dieser hat einen geringen Stromverbrauch und bietet genügend analoge und digitale Eingänge, um einerseits O­-Ton-­Auf­nahmen mit mehreren Funkstrecken zu ermöglichen und andererseits über die AD8+­ Erweiterung weitere Kanäle für das 3D­Audio­Setup bereitzustellen. Für spätere Ein­sätze bieten sich über die frei konfigurierbare Infrastruktur weitere, flexible Ein-­ und Ausgangsszenarien an. Eine Aufzeich­nung bei 44,1 Hz bei bis zu 192 kHz bei 24 bit ist Standard. Für die Mikrofonierung wählte Golenko DPA 6061­-Lavaliermikrofone mit dem MCR54-Quadreceiver von Wisycom. Für die 3D-­Audio-­Aufnahmen hat Golenko das Schoeps­ ORTF3D­-Mikrofon­Array, das bekannte „UFO“, in der Out­door-­Ausführung dabei. „Zusätzlich gibt es einen Piani­-Korb, eine Sonderanfertigung von Cinela für das Projekt, im Prinzip ein Doppel­-MS, das durch eine nach oben gerichtete Superniere erweitert wurde“, so Golenko. Dieser Korb ist mit einem DPA4017C als Hauptmikrofon und den Schoeps­ Kapseln MK8, MK4 und MK41V bestückt. Dadurch können auch in sehr spontanen Drehsituationen Ambience­-Aufnah­men gemacht werden, die gute Ergebnisse für Dolby Atmos liefern. Der Timecode kommt über einen Lockit, der den TC­ Master über ACN an Weilands Kamera sendet.

Wichtig ist zudem die Stromversorgung. Wenn Golenko auf den Inseln Vanuatus unterwegs sein wird, kann er teilweise die Akkus nur über Solarpanels aufladen. Deshalb nimmt er vier rollbare 60-­Watt-­Panels von PowerFilm mit. In viereinhalb bis fünf Stunden sind die Akkus geladen. Dabei greift Golenko auf die eSmart­-Akkus zurück, den aktuellen Tonstandard. Ein 96­-Wh­-Akku reicht im Sonosax für einen Drehtag.

Tontasche ohne Kompromisse

Die Aufnahmetechnik, Kabel und Funkstrecken wollte er immer nah am Körper haben, ohne große Umbauten sofort im Zugriff. „Ich hatte schon oft Tontaschen in der Hand“, so Golenko. „Diesmal wollte ich keine Kompromisse machen. Wir müssen alles, was wir brauchen, direkt am Körper tra­gen und über den gesamten Drehtag komplett mobil sein.“ Der Dokumentarfilmer schaute sich andere Taschen von Herstellern wie Protogear an und recherchierte Materialien. Hier fand er das Unternehmen Extremtextil aus Dresden, mit dem er über mögliche Materialien sprach, die leicht, flach, strapazierfähig und wasserabweisend sein sollten. Dadurch mit ein paar konkreten Ideen ausgestattet, ging er auf seine Schwiegermutter zu, die viel vom Nähhandwerk versteht.

Die Maße des Sonosax sind 20 × 14,4 × 5 Zentimeter. Das war die Basis für die Größe der Tasche. Golenko und seine Schwiegermutter entwarfen ein minimalistisches Design mit dem Sonosax in der Mitte, einer modular andockbaren zweiten Tasche dahinter für den AD8+, an den Seiten Ta­schen für Antennen und ein Steckplatz für den Lockit­Mas­ter sowie eine aufklappbare Fronttasche mit Steckplätzen für Funkstrecken. Diese Tasche öffnet sich nach vorne und bietet Zugriff auf sicher in Netztaschen verstautes Lavalier­ und Funkstrecken­-Zubehör.

Tontasche mit Sonosax-Recorder
Die finale Tontasche mit der Erweiterung für den Sonosax AD8+, der einfach mit einem starken Klettverschluss befestigt wird. (Foto: Felix Golenko)

Während des Bau­ und Nähvorgangs prüfte Golenko im­ mer wieder die Praktikabilität und steuerte noch im Design nach. Die Nähkonstruktion begann mit der Fronttasche aus dem Außenmaterial Cordura. In deren Wand nähte Golenko zur Stabilisierung eine dünne Polyethylen­-Platte ein. Hier fiel ihm auf, dass er Gurtband zur Befestigung der Funkstre­cken an der Außenseite vergessen hatte. Die Behelfslösung bestand aus einer Cordura­-Röhre, in die er kleine Stücke Polyethylen einnähte. „Die sind so flexibel und gleichzeitig stabil genug, dass man leicht mit einer Hand einen Sender am Gürtelclip hineinschieben und herausziehen kann“ be­richtet Golenko. So wurde aus der anfänglichen Behelfslö­sung sogar ein noch besseres Ergebnis.

In alle Seitenwände, Boden und Deckel der Taschen kamen ebenfalls Polyethylen-­Platten. Über die Seitentaschen ist Zugriff auf die Anschlüsse des Sonosax möglich. Die Innen­räume wurden mit nicht­elastischem, grauem Netzmaterial verkleidet. Das gab etwas mehr Polsterung und eine erste Lage zur Wärmeableitung. Doch nach der Fertigstellung die­ses Schritts mit allen starren Platten und festen Materialien traf Golenko auf ein Problem. Ab hier war ein Einspannen der Tasche in die Nähmaschine nicht mehr möglich. Die Maschine eines Schuhmachers half auch nicht weiter – zu ungewöhnlich waren Form und Größe der Tasche. Doch der Handwerker machte die letzten Nähte einfach per Hand. Nach dem Hauptkorpus der Tasche fertigten Golenko und seine Schwiegermutter auf gewohnte Weise die Außenta­schen, den Schlauch vorne zur Befestigung der Sender so­ wie die Klettbefestigung des Lockit­Masters. Dieser ist wie­ derum in einer transparenten, wasserdichten Plastiktasche verstaut, um ihn jederzeit prüfen und bedienen zu können.

Tontasche im Peli-Case
Alles Wichtige ist immer im Pelicase dabei. (Foto: Felix Golenko)

Transport

Durch die Eigenkonstruktion war es Golenko möglich, die Maße der Tasche so zu kontrollieren, dass sie quer in ein Peli Case Air 1535 passt. Das Case hat perfekte Maße für das Handgepäck in Flugzeugen und kann noch weiteres Equipment wie Mikrofonkörbe und Windschutze, die Audio­root­e-Smart­Akkus und Kabel aufnehmen. „So habe ich fast alles direkt an einem Ort“, sagt Felix Golenko. Allein mit diesem Setup hat er alles wasserdicht in Handgepäckgröße dabei und falls das aufgegebene Fluggepäck einen anderen Weg nimmt, steht er nicht ohne Technik da. „Ich besorge mir lieber vor Ort neue Unterhosen, als ein Tonaufnahme­gerät“, sagt Golenko.

Anfang April brachen Dokumentarfilmer Felix Golenko und DoP Jan Robin Weiland für erste Dreharbeiten nach Fidschi auf. Es schließen sich weitere Dreharbeiten auf der Inselgrup­pe Vanuatu und schließlich die UN-­Vollversammlung in New York City an. Insgesamt plant das kleine Team, rund sechs Monate unterwegs zu sein. Nach ihrer Rückkehr werden wir berichten, wie die Dreharbeiten gelaufen sind. [15120]

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