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Wir stellen die Preisträger des 31. Deutschen Kamerapreises vor (3)

Neues entdecken – DoP Katja Tauber

Wir setzen unsere Serie mit den Gewinnerinnen und Gewinnern beim 31. Deutschen Kamerapreis fort: Katja Tauber wurde für die beste Kamera bei einem Kurzfilm ausgezeichnet.

DoP Katja Tauber an der Kamera
Foto: Till Kleinau

Katja Tauber wurde in Dormagen geboren. Mit 18 zog es sie ins Ausland, wo sie mehr als zehn Jahre lebte und arbeitete und ihre Liebe zum Erzählen visueller Geschichten entdeckte. In Kolumbien drehte sie ihren ersten Dokumentarfilm „Falsos Positivos“. 2016 kehrte sie für ihr Kamerastudium nach Köln zurück, das sie 2018 an der ifs abschloss. Ihre Filme wurden bereits auf vielen renommierten Festivals gezeigt. So gewann „Ein bisschen Paris“ beim Kurzfilmfestival 2017 in Köln den Publikumspreis. Der Dokumentarfilm „75/1“ erhielt beim diesjährigen Deutschen Kamerapreis eine Nominierung in der Kategorie Schnitt und feierte seine Weltpremiere auf dem DOK Leipzig 2021. Sie realisierte diverse Filme im Ausland, etwa in Israel/Palästina, Kolumbien, Spanien und Taiwan. Katja Tauber lebt in Köln.

Wie war es für dich, mit deinem Abschlussfilm an der ifs Köln den Deutschen Kamerapreis zu gewinnen?
Das kam für mich völlig überraschend! Unsere Produzentin von dem Dokumentarfilm „75/1“, der für den Schnittpreis beim diesjährigen Deutschen Kamerapreis nominiert war, machte uns kurz vor der Abgabefrist darauf aufmerksam, dass wir auch „Mono No Aware“ einreichen könnten. Ich bin ihr echt dankbar für diese Information im Nachhinein. In „Mono No Aware“ haben wir so viel Herzblut gesteckt und darum ist es umso schöner, wenn man dann eine Anerkennung dafür bekommt. Das Projekt zog sich insgesamt über drei Jahre, weil wir unter anderem nur ein kleines Budget zur Verfügung hatten und in einem relativ kleinen Team arbeiteten. Da wir aber keinen Abstrich in der Qualität der Bildsprache machen wollten und den Schauspielern den Raum gaben, sich auf das einzigartige Konzept einzulassen, entschieden wir uns, den Film in mehreren Blöcken von drei, vier oder fünf Tagen zu drehen. Nach jedem Drehblock haben wir dann angefangen, den nächsten zu planen und vorzubereiten. Das hat seine Zeit gebraucht.

War es anstrengend, den Film so viele Male wieder gedanklich nach vorn zu holen?
Anstrengend nicht, aber der Film war immer präsent. In den anderthalb Jahren intensiver Vorbereitung kam es immer mal wieder vor, dass man mit seinen Ideen und Konzepten abdriftet. Was aber auch normal und wichtig für die Ideenfindung ist. Darüber hinaus habe ich zusammen mit Regisseur Till Kleinau in ganz viele unterschiedliche Bereiche hineingeblickt, alles, was uns interessiert, auch weg von der klassischen Fotografie und Film. Wir haben beispielsweise viel über die Bedeutung von Zeichen und Symbolik gelesen und uns überlegt, wie man diese subtil in den Film einbettet, ohne dass es direkt plakativ wird. Am Ende war uns wichtig, einen Film zu machen, der zeigt, wie Menschen miteinander verbunden sind, obwohl sie sich nicht unbedingt dafür im gleichen Raum oder in der gleichen Zeit aufhalten müssen. Das war immer unser Leitfaden. Auch wenn der Film auf visueller Ebene ein Mystikthriller ist, schwebt diese Grundidee immer mit.

Filmstill aus Mono no Aware: eine Frau steht unter der Dusche
Ikonische Bilder und minimalistisches Licht: Filmstill aus „Mono No Aware“ (Foto: Katja Tauber)

Mit welchem Ziel bist du an die Bildgestaltung von „Mono No Aware“ gegangen und welche Mittel hast du dort eingesetzt?
Am besten gehe ich mal einen Schritt zurück. Es gab kein klassisches Drehbuch, sondern es hat sich über einen längeren Zeitraum eine Art visuelles Schnittkonzept entwickelt. Das war enorm hilfreich, da der Film weder Dialog hat noch einer strengen Erzählstruktur folgt. Darüber hinaus gibt es noch diverse Zeitsprünge und Ortswechsel. Aus diesem Grund war die Auswahl von jedem Bild so enorm wichtig, da die Geschichte nur über die visuelle und auditive Ebene getragen wird. Auch begann ich schon früh mit dem Farbkonzept für den Film, was half, die unterschiedlichen Erzählsprünge zu vereinen. Die Rolle des „Fixers“ bei- spielsweise wird von einem kränklichen Grünton unterstrichen, der immer gewählt wird, wenn der Fixer etwas plant oder schon ausgeführt hat. Eine weitere Entscheidung war, dass gewisse Bilder bewusst lange stehen. Man sollte ähnlich wie bei einem Gemälde, das man anschaut, immer wieder etwas Neues entdecken, umso länger man es betrachtet.

Die Jury spricht in ihrer Begründung von ikonischen Einstellungen und minimalistischem Licht.
Den Ausdruck „minimalistisches Licht“ finde ich interessant! Es stimmt, dass wir teils bei der Lichtsetzung mit relativ wenig Lichtequipment auskamen und unter anderem mit Practicals gearbeitet haben. Tatsächlich verwenden wir in der Duschszene, einer meiner Lieblingseinstellungen im Film, nur zwei Lampen. Dort war die Hauptlichtquelle ein Carpetlight, das oben auf der Dusche installiert war. Da der Raum weiß marmoriert ist, war die Herausforderung für meinen OB, den Raum nicht weiter aufzuhellen, sondern düster und mystisch wirken zu lassen. Für diese Szene wollten wir eigentlich weitere Lampen einsetzen, aber als ich das Bild durch die Kamera sah, dachte ich: Genau so ist es gut!

Bei anderen Szenen hingegen kamen fast alle Lampen, die wir auf dem Wagen hatten, zum Einsatz. Am Ende war die Auswahl des Lichtequipments wie so häufig eine Frage von Stil, Budget und Teamgröße. Durch das Studium und diverse Projekte mit kleinem Budget lernt man auf jeden Fall mit weniger Lichtequipment zu drehen und es hat mir dabei geholfen, das Licht gezielt und kreativ einzusetzen. Uns war wichtig, dass man dem Film trotz der insgesamt 28 Drehtage nicht ansieht, dass er mit einem kleinen Budget gedreht wurde.

Wie wichtig ist dir Technik?
Klar, neue Technik und gute Objektive zu haben, ist natürlich super und ich bin ein großer Fan von Kamerafiltern! Aber am Ende hat für mich die Geschichte immer erste Priorität. Diese gibt den Rahmen vor und danach wähle ich beispielsweise die Objektive und Kamerasysteme aus. „Mono No Aware“ habe ich größtenteils auf der ARRI ALEXA gedreht. Lediglich für die Naturaufnahmen auf dem See kam eine Sony Alpha zum Einsatz und es gab ein paar Drohnenshots. [14959]

 

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