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DoP Yoshi Heimrath im „Hinter der Kamera“-Podcast

Menschlich und kreativ leiten

Im „Hinter der Kamera“-Podcast unterhält sich Gastgeber Timo Landsiedel dieses Mal mit DoP Yoshi Heimrath, der für die Bildgestaltung von Filmen wie „Die Beste aller Welten“ und „Berlin Alexanderplatz“ verantwortlich ist. Der Kameramann erzählte in unserem Heft 12.2021 von seinen Schlüsselmomenten an der Filmhochschule, plaudert über seine Kollaboration mit Regisseur Burhan Qurbani und wie früh er bei dessen Stoffen mit dabei ist.

Porträt von DoP Yoshi Heimat
Foto: Sven Serkis

Yoshi Heimrath war als DoP in den letzten Jahren in vielen Projekten involviert, die größeres Aufsehen erregt haben. Angefangen bei „Wir sind jung. Wir sind stark“ über „Berlin Alexanderplatz“ die beide zusammen mit Regisseur Burhan Qurbani entstanden, bis zum aktuellen Netflix-Vampirfilm „Blood Red Sky“ von Regisseur Peter Thorwarth („Bang Boom Bang“).

Für den gebürtigen Münchner Heimrath fing es früh an. Nicht nur, dass er eine familiäre Vorbelastung hatte, da seine Großeltern als Produzenten arbeiteten. Schon in der Schule wählte er als Leistungskurs in der Oberstufe Kunst. Dort begann er, seinen ersten Film zu drehen. „München – Impressionen einer Stadt“ war eine Art poetische Dokumentation, an der er etwa ein halbes Jahr drehte und die er schließlich zu einem 15-Minuten-Kurzfilm montierte. Der Film entstand 2002 auf DVCAM und weckte in Heimrath die Lust am Bild. Für ihn war klar, dass er dies auf die sicheren Beine eines Studiums stellen will. Nach dem Abitur 2003 folgten deshalb diverse Praktika, unter anderem beim „Polizeiruf 110“.

Viele Zeit investieren

Parallel suchte Heimrath nach einem Mitstreiter für einen Hochschulbewerbungsfilm. Den fand er in Julian Krubasik, heute selbst DoP, der beim gemeinsamen Bewerbungsfilm „Der Keller“ von 2003 Regie führte. Beide Filmemacher bewarben sich an der Filmakademie Baden-Württemberg, Heimrath für Kamera und und Krubasik für Regie. Während Krubasik dort abgelehnt wurde, stattdessen in Schottland studierte und erst ab 2010 an der Hochschule für Fernsehen und Film in München seine Filmschulausbildung in Deutschland fortsetzte, wurde Yoshi Heimrath prompt in Ludwigsburg angenommen und studierte ab Oktober 2004 mit gerade mal 21 Jahren dort Bildgestaltung.

Filmstill aus "Adrian"
Immer auf Augenhöhe mit Adrian: Filmmutter Verena Altenberger und Filmsohn „Adrian“ Jeremy Miliker (Foto: Ritzlfilm)

Die ersten zwei Jahre waren für Heimrath besonders spannend. Das Studium ist in Ludwigsburg so aufgebaut, dass die Studierenden im Grundstudium sehr viel gemeinsam machen. Erst im Hauptstudium werden die Schwerpunkte gesetzt. So lernen die angehenden Filmschaffenden auch andere Gewerke näher kennen und können in alle anderen Bereiche hinein schnuppern. „Da kam für mich tatsächlich noch mal der Gedanke auf, vielleicht doch lieber Regie zu studieren“, so Heimrath. „Was ich dann schnell wieder abgelegt habe.“ Heimrath spürte sehr deutlich, dass Kamera der richtige Studiengang für ihn war.

Doch die ersten Jahre waren auch anstrengend. Heimrath merkte deutlich, dass er persönlich aufgrund seines Alters noch recht wenig Erfahrung hatte. Um ihn herum hatten viele schon längere Zeit am Set oder in Kameraverleihs gearbeitet. „Aufgrund dieser Tatsache tut man sich immer etwas schwerer, weil es ja eine praxisorientierte Schule ist“, sagt Yoshi Heimrath. „Da geht es darum, möglichst viel zu drehen, möglichst viele Projekte umzusetzen.“ Regiestudierende wählten tendenziell lieber die erfahreneren Kameraleute. Heimrath drehte so nur wenige, ausgewählte Filme pro Jahr. Dabei setzte er als Strategie darauf, das, was er sich vornahm, richtig gut zu machen und sehr viel Zeit in seine Arbeit zu investieren. Die Erfahrung holte er schnell auf. Auch bei Stoffen, die ihm weniger lagen, biss er sich durch, wenn er sich einen Lerneffekt davon versprach.

Ein Team führen

Ludwigsburg war für Heimrath genau der richtige Ort für das Studium. Die Wege sind kurz, es gibt viel Austausch und vor allem ist die Ausbildung marktorientiert – auch wenn man natürlich dennoch eine künstlerische Ausbildung erhält. Für den DoP gab es an der Hochschule zwei Schlüsselmomente, die seine spätere Arbeit beeinflussten. Einer seiner Dozenten war Kameramann Hans Fromm, der viel mit Christian Petzold gearbeitet hat. Bei Fromm machten die Kamerastudenten einen praktischen Workshop. Dafür sollte in einer Studiosituation eine kleine Szene inszeniert und auf 35 mm umgesetzt werden. Die Kamerastudenten konnten sich mit einem Konzept bewerben, wie sie die Szene visuell umsetzen wollten. Heimrath reichte eine Idee ein und hatte das Glück, dass sein Konzept zur Umsetzung ausgewählt wurde. Die anderen Kamerastudierenden unterstützten ihn. Doch die Umsetzung lief nicht glatt. „Da hat Hans mir echt den Kopf gewaschen, weil es in der Umsetzung sehr hakte“, erinnert sich Yoshi Heimrath. „Ich war nicht sehr entscheidungsfreudig. Er hat mir dann den Weg gezeigt, wie man ein Team führt und wie man für sich eine Entscheidung trifft und die dann auch umsetzt.“ Heimrath bezeichnet sich persönlich eher als zurückhaltend. Er musste lernen, am Kopf eines Teams zu stehen, dieses menschlich und kreativ anzuleiten und für seine Entscheidungen geradezustehen. Das Lernen an diesem Thema sieht der DoP nicht als abgeschlossen an, sondern als fort- schreitenden Prozess. Heimrath hat heute, wenn er ans Set kommt, sehr klare Vorstellungen davon, wie das Bild auszusehen hat und weiß, wie er das erreichen möchte. „Aber es schadet nie, dazu eine zweite oder dritte Meinung zu hören“, so der DoP. „Gerade, wenn es dann an die Umsetzung geht.“ [14960]

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