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Roundtable zum Filmtechnikstandort Bayern

Kooperation und Konkurrenz

Auf den Medientagen München fand am 29. Oktober die erste Ausgabe der cineConference statt, unter anderem mit einem von Film & TV Kamera moderierten Panel zum Thema „Filmtechnikstandort Bayern: Gegenwart und Zukunft“, das wir hier gekürzt wiedergeben.

Die Teilnehmer der Gesprächsrunde
Foto: Medientage München

ARRI hat mit der neuen Firmenzentrale „Arrial“ ein deutliches Bekenntnis zum Standort München abgelegt. Welche Bedeutung hat das für ein Unternehmen, das gleichzeitig global unterwegs ist?
Markus Zeiler: Es war natürlich ein Riesenschritt, nach mehr als hundert Jahren den Hauptsitz zu wechseln. Jetzt haben wir die neue Firmenzentrale mit über 17.000 Quadratmetern in der Parkstadt Schwabing und produzieren dort von der Materialbearbeitung bis hin zur Sensortechnik und Kameramontage. Wir sind natürlich stolz, dass wir unsere ALEXA-Kameras auch weiterhin in München fertigen können. Gleichzeitig wird die Digitalisierung immer wichtiger, die nach der Umstellung unserer Kameras von analog auf digital im Jahr 2009 jetzt mit Konzepten wie Mixed-Reality-Productions und LED-Wänden in eine neue Phase geht. Die Komponenten hierfür sind zwar ursprünglich digital entworfen worden – aber nicht für eine komplette Verknüpfung. Hier müssen die Schnittstellen definiert und bedient werden und das ist jetzt die große Herausforderung.

Peter Slansky, Sie haben als Professor für Technik an der HFF sozusagen das Ohr auf der Schiene des technologischen Fortschritts in der Filmbranche. Wie sehen Sie die Entwicklung dieser Workflows?
Peter Slansky:
Der große Umbruch kam für uns mit dem Jahrzehntwechsel 2010. Mit dem Umzug der Hochschule 2011 in unseren Neubau standen wir vor der großen Herausforderung, die gesamte Medien-Produktionstechnik neu zu denken und neu zu konzipieren. Wir hatten dabei das große Glück, genau zu diesem technologischen Schlüsseldatum umziehen zu dürfen, und haben so 95 Prozent der Technik komplett neu beschaffen können. Es ging dann auch relativ schnell, dass der analoge Film abgelöst wurde. Ich musste dann hoch und heilig versprechen, dass in allen Kinos noch 35-Millimeter-Film abgespielt werden kann – und das ist auch immer noch möglich, sogar Stummfilm mit Klavierbegleitung.

Markus Zeiler und Peter Slansky
Markus Zeiler (links) und Peter Slansky

Es ist sicherlich für eine Hochschule wie unsere wichtig, den Weitblick an die Studierenden weiterzugeben, nicht nur weit in die Zukunft zu schauen, sondern auch in die Vergangenheit, und erklären, warum wir stehen, wo wir sind. Da ist es natürlich auch wichtig, dass man dann in der Lage ist, den Studierenden von heute, den Digital Natives, einen 35-Millimeter-Film mit allen Spratzern, Klebestellen, vielleicht auch Bildstandsproblemen, Filmkorn auf der Leinwand demonstrieren zu können. Wann, wenn nicht in einem Studium?


Die Teilnehmenden

Yannic Hieber
Head of Marketing, Ambient Recording

Anna Piffl
Geschäftsführerin P+S Technik

Peter Slansky
Professor Abteilung II – Technik, Hochschule für Fernsehen und Film München

Markus Zeiler
Vorstand, ARRI Arnold & Richter Cine Technik GmbH & Co. Betriebs KG


Zehn Jahre danach haben wir schon wieder die Medientechnik 2.0 installiert, zum Beispiel haben wir sämtliche Computersysteme, die wir in der Postproduktion hatten, im Neubau komplett ersetzen müssen. Die Langlebigkeit der Güter, das muss man mal ganz klar sagen, hat mit dieser Digitalisierung erheblich abgenommen. Ein 35-Millimeter-Projektor läuft einfach weiter, aber die Digitalprojektoren, die wir 2011 in Betrieb genommen haben, sind alle schon ausgefallen. Das hat sich also auch dynamisiert und das muss man natürlich in die Ausbildung integrieren.

Anna Piffl, die Kernkompetenz von P+S Technik sind Objektive. Da kann man sich eigentlich wenig vorstellen, was analoger funktioniert. Inwiefern ist für ihr Unternehmen die Digitalisierung Thema?
Anna Piffl: Das ist bei uns natürlich auch ein Thema. Objektive waren ein wichtiger Schlüssel in der Umstellung vom Film auf den digitalen Sensor. Sie geben den Kameraleuten kreative Elemente an die Hand, die mit dem digitalen Sensor oder mit der digitalen Nachbearbeitung noch nicht komplett ersetzt werden können. Spezielle Objektive, die wir als P+S Technik bieten, sind hier eine Möglichkeit, eine kreative Vorstellung und einen bestimmten Look einzubringen. Da ist das Objektiv aus unserer Sicht besonders für den digitalen Sensor in den Kameras sehr wichtig geworden. [14996]


Den zweiten Teil des Roundtable-Gesprächs auf der cineConference können Sie am kommenden Sonntag lesen!


 

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