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Synchronschauspieler Charles Rettinghaus im „Hinter der Kamera“-Podcast

Die persönliche Note

Der „Hinter der Kamera“-Podcast setzt aktuell einen Tonschwerpunkt. Im Dunkel des metaphorischen Bereichs hinter der Kamera ist auch das Synchronschauspiel verortet. Gastgeber Timo Landsiedel hat sich dazu Synchronsprecher Charles Rettinghaus eingeladen. Rettinghaus leiht unter anderem Jamie Foxx, Jean-Claude van Damme und Robert Downey Jr. seine Stimme, führt auch oft Synchronregie. Im Podcast erläutert Rettinghaus, wie sich die Synchronarbeit in den letzten Jahren verändert hat, warum sie heute noch wichtig ist und wo „seine“ Schauspieler ihn noch überraschen können.

Porträt von Charles Rettighaus
Foto: Timo Landsiedel

Charles Rettinghaus hat eine der bekanntesten deutschen Stimmen. Seinen Namen kennen nur Wenige. Da geht es ihm, wie Dietmar Wunder, Daniela Hoffmann, Thomas Dannenberg und Luise Helm. Auch sie gehören zu den Synchronschauspielgrößen, die mittlerweile auch fest mit ihren Hollywood-Alter-Egos identifiziert werden. Wunder leiht Daniel Craig seine Stimme, Daniela Hoffmann lässt für Julia Roberts die Stimmbänder erklingen, Dannenberg ließ lange Zeit sein markantes Organ für Schwarzenegger und Stallone erschallen und Luise Helm haucht Scarlett Johansson in deutscher Sprache Leben ein. Sie alle sind wichtig, auch in Zeiten der Streamingdienste und den damit zunehmenden Möglichkeiten, Filme und Serien in der Originalsprache zu schauen. Denn im Gegensatz zu vielen anderen Ländern hat Deutschland die Synchronisation zu einer wahren Kunstform gemacht. Dazu tragen diese Stimmen bei, mit denen wir so viel verbinden, auch die Stimme von Charles Rettinghaus.

Ausbildung

Rettinghaus ist stimmlich im Kino seit „Ali“ (2001) fest an der Seite von US-Schauspieler Jamie Foxx, begleitet Jean-Claude van Damme seit den frühen 1990er Jahren und teilt sich die Filme von Robert Downey Jr. mit dem Kollegen Tobias Meister. Darüber hinaus synchronisiert Rettinghaus zahlreiche Serienschauspieler und steht immer wieder auch selbst vor der Kamera.

Für ihn begann der Job mit dem Schauspielstudium in Hamburg. Am Bühnenstudio von Hedi und Margot Höpfner lernte er drei Jahre lang die Basics des Schauspiels. Damals gehörte Hörspiel- oder Synchronarbeit nicht zu den Ausbildungszielen der Schule. „Das war überhaupt kein Thema“, erzählt Rettinghaus. Doch die Schule half ihm, den Hamburger Dialekt loszuwerden.

Rettinghaus spielte in den ersten Jahren Theater, zuerst in Lübeck, dann in Hamburg und schließlich Kabarett in Berlin. „Für mich war ziemlich schnell klar, dass ich das nicht ewig machen möchte. Das hat mich irgendwann gelangweilt.“ Für ihn war die Routine, ein Stück 300- bis 400-mal zu spielen, abträglich für den Spaß an der Arbeit. Für den Schauspieler war klar: Er wollte zum Film.

Filmstill mit Jean-Claude van Damme
Jean-Claude van Damme in seinem wohl besten Film „JCVD“ (Foto: Koch Media)

Von Moderatorenlegende Chris Howland, mit dem er Theater spielte, bekam er den Tipp, nach Berlin zu gehen. Hier kam er kurze Zeit später mit der Synchronarbeit in Kontakt. Synchronregisseur Wilfried Freitag gab ihm die erste Chance vor dem Mikrofon. Freitag führte Synchronregie bei zahlreichen Serien der 1970er und 1980er Jahre wie „Fantasy Island“ oder „Miami Vice“ und mit „Nash Bridges“ bis in die 2000er hinein. „Wilfried Freitag habe ich ganz viel zu verdanken“, sagt Rettinghaus. „Er hat mich damals ins Studio Hamburg bestellt für zwei Takes bei ,Miami Vice‘ und hat gesagt: ,Du hast eine interessante Stimme, du hast Talent.‘ Und dann hat er mich immer wieder geholt.“

Freitag besetzte Rettinghaus auch in dessen erster Kinosynchronrolle. Die war gleich höchst ikonisch, denn er sprach in der Komödie „Crocodile Dundee“ den Straßenräuber, der die titelgebende Figur mit einem Klappmesser bedroht und ausrauben will. „Ich spreche vor Aufregung so hoch“, sagt Rettinghaus heute, „ich würde meine Stimme jetzt nicht er-kennen, wenn ich nicht wüsste, dass ich es bin.“

Allein im Studio

Das meiste über die Synchronarbeit, so Rettinghaus, lerne man während der Arbeit und von den Kollegen. In den 1980er Jahren war es noch Usus, die Hauptrollen gemeinsam aufzuzeichnen. Das hat sich grundlegend geändert. „Das hat seine Vor- und Nachteile“, so Rettinghaus. „Der Vorteil war, als es nicht so schnell ging, dass wir Zeit hatten. Wir konnten auch mal plaudern zwischendurch. Es ist jetzt eine einsame Arbeit geworden.“ Heute stehen die Synchronsprecher und Schauspieler meist allein im stillen Studio, nur über das Interkom mit der Regie verbunden. Wo früher für einen Kinofilm noch mehrere Tage zur Verfügung standen, müssen die Schauspieler heute den Text ihrer Rollen – in Takes aufgeteilt – in sehr kurzer Zeit einsprechen. Im digitalen Zeitalter ist das technisch weniger aufwändig und so leichter später editier- und manipulierbar. Heute sind für eine Serie an einem Nachmittag von 12 bis 17 Uhr durchaus 200 Takes drin. „Ohne das herunterzurattern“, sagt Rettinghaus. „Alles akribisch.“ Ein so schnelles Arbeiten ist aber vor allem bei synchronisierten Schauspielern möglich, die Rettinghaus seit Jahren kennt und weiß, wie sie ticken.

Der Synchronsprecher freut sich dann immer über ein gutes Synchronbuch, in dem vermerkt ist, ob es sich um einen Konter handelt, wo eine Pause angesetzt ist oder ob es im On oder Off gesprochen wird. Die Regie hat immer das letzte Wort, wie über-all, nur verstellen will Charles Rettinghaus sich nicht. Kritisch sieht er daher Forderungen, die auf das Original verweisen und verlangen, er solle das wie der Schauspieler im Original einsprechen. „Das kann ich so nicht machen“, sagt Charles Rettinghaus. „Dann würde ich ihn nachäffen. Ich muss meine eigene, persönliche Note da reinbringen. Das ist das Wichtige, dass man nicht seine Persönlichkeit verliert bei der Synchronisation.“ [15235]


Sie möchten mehr über Charles Rettighaus und seine Arbeit als Synchronschauspieler erfahren? Hier geht es zum kompletten Artikel!


 

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