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Automatisiertes Materialhandling mit der Film Data Box

Kopierknecht am Set

Mit der Film Data Box (FDX) hat ein Team um Transfermedia-Chef Peter Effenberg eine Lösung entwickelt, die Crews bei dokumentarischen Produktionen speziell im Ausland entlasten soll. Die mobile Box automatisiert Routinen, die immer wieder am Ende eines Drehtags abgearbeitet werden müssen, wie etwa Sicherungskopien oder Transcodierungen. 

Peter Effenberg erinnert sich an die Produktion als eine echte Herausforderung. Vom NDR war der Potsdamer als Produktionsleiter für eine Serie über einen Open-Air-Zoo in Südafrika gebucht worden. Geplant waren 240 Drehtage mit zwei sich abwechselnden Teams. Autoren, Produktion und Schnitt warteten zuhause in Deutschland auf das Material. Gedreht wurde auf XDCAM.

„Traditionell hätte man vor Ort regelmäßig die XDCAM Scheiben auf Festplatten kopiert, die Kopien per Kurier nach Deutschland geschickt und von jeder Scheibe wei- tere Kopien mit Timecode angelegt“, sagt Peter Effenberg. „Drei XDCAM-Scheiben pro Tag hätten die Anschaffung von etwa 750 Scheiben im damaligen Gesamtwert von etwa 20.000 Euro bedeutet.“ Um den Aufwand zu reduzieren, entwickelte Effenberg einen neuen Workflow, mit dem die Daten für Sichtung und für Schnitt auf DNXHD und H.264 transcodiert und auf einen Server in Deutschland hochgeladen wurden. Das Sytem bestand aus einem Desktop-Computer, einem Monitor sowie einem RAID-System und wog insgesamt etwa 30 Kilogramm.

Film Data Box

Das System funktionierte gut, doch es musste kompakter werden. Das war die Geburtsstunde der Film Data Box (FDX): eine kleine mobile Box mit Software und Cloud-Speicher. Das Set kann das Material speichern, verifizieren, transcodieren, dokumentieren und über eine Cloud zur Verfügung stellen. Als Plattform dient eine Intel NUC- Box mit 16 GB RAM und einer 250-GB-SSD-Festplatte. Mit im Paket ist ein Cloud-Speicher mit 150 GB in der FDX Cloud und diverse Support-Pakete. An die Box lassen sich diverse Source- und Storage-Devices anschließen, die parallel bedient werden können. Zusätzlich hat die Box neun USB-3.0-Anschlüsse, davon zwei in USB-C-Ausführung.


DoP Michael Terhorst

Die Film Data Box in der Praxis

DoP Michael Terhorst kennt das Einsatzszenario, das die Film Data Box adressiert. Oft ist er mit kleinem Team im Ausland unterwegs. Dazwischen arbeitet er szenisch, etwa bei der deutsch-libanesischen Koproduktion „Embodied Chorus“.

Ist das Einsatzszenario der Film Data Box für dich plausibel?
Auf jeden Fall! Viele der Herausforderungen und Probleme, mit denen wir uns speziell bei Auslandsdrehs konfrontiert sehen, spricht die FDX an. An manchen Stellen geht sie, für mein Verständnis, etwas zu weit und ich hätte dort stattdessen lieber andere Möglichkeiten.

Wie hast du die FDX bei deinen Jobs eingesetzt?
Wir drehen viel in Krisengebieten unter Extremsituationen. Daher stellt sich für uns vor allem das Problem, das Material immer zeitnah und sicher gespiegelt kopiert zu bekommen. Die Film Data Box löst direkt am Set das Problem der vielen verschiedenen Steckverbindungen zwischen Aufnahme- und Kopiermedien und verspricht eine zuverlässige Sicherung der Daten. Das habe ich bisher so noch nicht gelöst gesehen oder nur unter extremem Aufwand. Darüber hinaus erlaubt sie die schnelle Transcodierung und Bereitstellung der Daten für die Postproduktion.

Ist der Workflow der Film Data Box praxisgerecht?
Absolut! Man würde die Jobs auch manuell genau in der Reihenfolge abarbeiten. Schön, dass die Box alle diese Jobs automatisiert. Auch im Transport ist die Lösung gut handzuhaben. Das wäre kein Zusatzgepäck für mich. Denn bisher habe ich sowieso immer eine Reihe von USB-Adaptern und diverse Kabel im Equipment. Wichtig wäre mir aber eine bessere Übersichtlichkeit des Materials.

Wie findest du die Metadatenstruktur, die hilft, das Material in der Box zu verschlagworten?
Die Struktur finde ich sehr plausibel. Die Metadaten ergeben Sinn und sind ausreichend. Ich würde sie auch beim Einsatz einer anderen, manuellen Lösung nutzen. Mein einziger Kritikpunkt in dem Zusammenhang: Inwieweit kann ich später noch mal anschauen oder überprüfen, was ich gedreht habe? Es kommt tatsächlich häufiger vor, dass man dem Regisseur schnell noch mal zeigen möchte, was zum Beispiel der Protagonist beim Dreh vorgestern gesagt hatte. Darauf kann ich mit der Film Data Box nicht direkt zugreifen. Aktuell wird das Material lediglich sortiert abgelegt. Eine echte intelligente Suchmöglichkeit im Material selbst, etwa nach Kameratyp, Drehtag, Datum, sehe ich noch nicht. Dieses fehlende Feature ist noch ein Manko für mich. Toll finde ich aber, wie die Box, etwa bei einem Stromausfall, der tatsächlich bei meinen Drehs öfter vorkommt, oder wenn eine Karte sich löst, diese Karte automatisch und sicher wieder zuordnet. So passieren nämlich die meisten Fehler beim Backup im Ausland. Ein Pluspunkt ist auch, dass das System mir immer zeigt, wo die Karte steckt. Kleine Feinheiten, die mir die Arbeit erleichtern.


Das Material lässt sich über die Box mittels Metadaten beispielsweise zu Projekt, Drehzeitraum, Regie, DoP oder A- und B-Kamera verschlagworten. Diese Dokumentation wird den Crewmitgliedern per E-Mail als PDF zugestellt. Die Arbeitsabläufe können über die in der Lösung angelegten Rollen gesteuert werden. Für die Produktionsabteilung gibt es die Rolle des Produktionsleiters, der den kompletten Workflow festlegen kann. Er definiert dannunter anderem die Zahl der Kopien, die Transcodes, was wohin überspielt werden muss und wer welche Doku- mentation bekommen soll. Weitere Rollen im System sind Datenmanager, Assistenten und Aufnahmeleiter. Die Lösung verspricht intuitive Bedienbarkeit und soll schon nach kurzer Einführung einsetzbar sein. [13961]

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