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Stunt-Koordinatorin Dori Horvath sorgt für Sicherheit

„Ich bin verantwortlich“

Knallharte Draufgängertypen, die durchs Feuer gehen: So ist das landläufige Klischee von Stuntleuten. Aber das entspricht nicht der Realität, denn ohne Sicherheits- und Verantwortungsgefühl macht man den Job nicht lange, vor allem als Stunt-Koordinatorin wie die Hamburgerin Dori Horvath. Sie hat uns für das Heft 10.2021 erzählt, wie sie sich diese Position erarbeitet hat und warum das für sie vor allem damit zu tun hat, Verantwortung zu übernehmen.

Die Stuntfrau und Stuntkoordinatorin Dori Horvath am Set
(Foto: privat)

Ein schöner Tag in der Innenstadt Hamburgs. Die 14-jährige Lara wirft gerade die hintere, rechte Tür des silbernen Mercedes ihres Vaters zu. Doch ihr blau-weiß gemusterter Schal hat sich in der Tür verfangen! Ihr Vater merkt nichts und fährt los. Die 14-Jährige wird von den Füßen gerissen und mehrere Meter mitgeschleift. Doch zum Glück passiert das nur im Vorabend-Fernsehen und jeder weiß: Wenn so etwas zur Primetime im ZDF passiert, sind Profis am Werk. Deren Job ist die Sicherheit aller Beteiligten. Doch sie lassen das Ganze so echt aussehen, dass alle genau das vergessen. In dieser Folge der „Rettungsflieger“ war das der Job von Stuntfrau Dori Horvath.

Horvath kam über Umwege zum Stuntberuf. In ihrem Geburtsort Budapest in Ungarn studierte sie Anfang der 1990er Jahre Sportwissenschaften. Über ihren damaligen Lebensgefährten half sie nebenberuflich ein paar Mal bei US-Produktionen aus. Sie machte immer mehr, ihr Partner brachte ihr Basics bei und beide bauten zusammen Stuntequipment. „So fing es an, dass ich mehr Interesse entwickelt habe“, so Dori Horvath. „In Ungarn war das Anfang der 1990er Jahre noch die alte Schule an Stuntleuten. Die waren ganz hart!“ Horvath trainierte zusammen mit ihnen. Manchmal gab es keine großen Erklärungen. „Ich wurde ins kalte Wasser geworfen.“ So verlief das Reittraining so, dass sie auf ein Pferd gesetzt wurde und ihr die verschiedenen Gangarten des Pferds vorgemacht wurden. Wenn sie vom Pferd fiel – und das geschah – musste sie ein Bier ausgeben. „Das war aber klasse“, betont Horvath heute. „Ich hatte keine große Zeit nachzudenken, sondern musste mich schnell entscheiden: Angst überwinden oder aufhören.“ Dahinter steckte tatsächlich auch einer didaktische Idee. Denn durch diesen Crashkurs prüften die erfahrenen Stuntleute, ob sie das gesamte Training und den späteren Job auch durchhalten würde. Dori Horvath hielt durch und wurde von den ungarischen Kollegen akzeptiert.

Ihr Lebensgefährte hatte Mitte der 1990er Engagements in Deutschland, sowohl bei den Karl-May-Festspielen in Bad Segeberg als auch bei den Störtebeker Festspielen auf Rügen. Dort besuchte Horvath ihn 1995 und durfte schon mitreiten. Die Herangehensweise der deutschen Kollegen empfand Horvath als sehr unterschiedlich. „Das war eine ganz andere Schule, das war ganz interessant“, erinnert sich die Stuntfrau. „Das war vorsichtiger, mit viel Übung und Erklärung. Ganz spannend. Ich merkte: Ach, so geht das ja auch!“ Hier lernte Horvath einige bekannte deutsche Stuntleute kennen, unter anderem auch Ronnie Paul.

Eine Stuntfrau stürzt durch einen Glastisch.
„Stürzen Sie bitte in diesen Glastisch!“ Stuntfrauen müssen Allrounderinnen sein. (Foto: privat)

Frauen sind Allrounder

Dori Horvath arbeitete anfangs sehr viel für Ronnie Paul und Double Action. Mit der Zeit bekam sie jedoch auch viele direkte Double-Anfragen, da sie aufgrund ihrer athletischen Statur und ihrer Größe von 1,63 Metern sehr vielseitig einsetzbar ist. „Wenn du in Deutschland eine gute Stuntfrau sein willst, hast du nicht den Luxus, dich zu spezialisieren“, so Dori Horvath. „Hier musst du alles können. Oder zumindest alles, was oft nachgefragt wird.“ Das sind in der aktuellen TV-Film- und Serienlandschaft vor allem Prügeleien, Verkehrsunfälle oder Stürze.

Immer wieder sind auch technische Stunts dabei, die aufwendiger vorbereitet werden müssen. Dabei müssen die Stuntleute meist ihr Leben in die Hände eines hochpräzisen Geräts legen, wie beim Decender, der Stuntleute in nahezu Fallgeschwindigkeit am Stahlseil gesichert abseilt, aber auch ab einer programmierten Höhe wieder abbremst und stoppt. „Wenn ich den Techniker nicht kenne, stelle ich ganz viele Fragen“, sagt Dori Horvath, „um sicherzustellen, dass wir das gleiche Verständnis über den Einsatz des Technik haben.“ Wiederum ganz andere Gegebenheiten findet Dori Horvath bei großen Kinoproduktionen vor. Eine der größten bisher war 2018 der Dreh zu „Terminator: Dark Fate“. Hier ist allein das Stuntteam größer als ein TV-Filmteam in Deutschland. „Das ist Hollywood, das funktioniert einfach anders“, sagt Horvath. Die Stuntfrau doubelte hier niemand Geringeres als Linda Hamilton, die als Sarah Connor einer der Grundpfeiler dieses Filmfranchises ist. Für die Dreharbeiten ging es für sie zurück in die alte Heimat, nach Budapest. Es geht um eine Unterwasserszene, in der sich die Protagonistinnen mit einem Fallschirm aus einem sinkenden Fahrzeug herauskatapultieren. Für diese Szene, die gerade mal eine Minute im Film ausmacht, wurde fast zwei Wochen lang geprobt. Jeder Stuntperformer hatte einen eigenen Sicherheitstaucher, jede Bewegung wurde einstudiert. Dann kamen die Schauspieler sowie Regie und Kamera dazu und es wurde eine weitere Woche lang gedreht. [14822]


Hier geht es weiter mit dem Artikel über die Stuntkoordinatorin Dori Horvath!


 

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