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DoP Christian Rein

Zeitlose Erzählung (2)

Die visuelle Welt von „Momo“ entstand aus dem Zusammenspiel von Kamera, Licht und Ausstattung. DoP Christian Rein beschreibt, wie seine technischen Entscheidungen die Ebenen der Geschichte sichtbar machten.

C. Rein Momo
(Foto: Constantin Film Distribution / Rat Pack Filmproduktion / Ivan Sardi)

DoP Christian Rein wählte recht rasch die ARRI ALEXA LF als Kamera für die Dreharbeiten, doch die Wahl der Objektive nahm Zeit in Anspruch. „Der Film ‚Momo‘ ist ja ein Märchen und deshalb verträgt er mehr als andere Filme“, so der DoP. „So war es auch bei der Linsenauswahl.“ DoP Rein drehte einen umfassenden Test mit vielen unterschiedlichen anamorphotischen Objektiven. „Eigentlich bin ich kein großer Fan von Anamorphoten“, bemerkt er dazu, „weil sie nicht der menschlichen Wahrnehmung entsprechen und immer so eine Überhöhung haben.“ Für „Momo“ jedoch passte diese Überhöhung sehr gut. Bei ARRI Rental fand der DoP schließlich einen alten, japanischen Satz der Cineovision-Objektive aus den 1970er Jahren.

Die Cineovision sind für 35-mm-Bildfenster und somit auch für äquivalente Sensoren designt. Sie machen ein weicheres Bild als zeitgenössische Anamorphoten und haben einen starken Falloff zu den Rändern hin. Es war jedoch herausfordernd, mit ihnen zu arbeiten. Das Team musste sich mit jeder einzelnen Brennweite auseinandersetzen. Zudem füllten die Linsen den Sensor nicht komplett aus. Auch das Handling im Einsatz war bei den Vintage-Objektiven nicht leicht. „Die sind nicht wie heutige Linsen, wo alles an einem Platz ist“, sagt DoP Rein. „Jeder Umbau hat echte zehn Minuten gedauert. Aber das war es uns wert.“ Für das Team war wichtig, wie viel Charakter die Objektive ins Bild bringen. Der Look einiger Szenen stammte tatsächlich nur von Objektiven und LUT, wo im Grading nachträglich nichts mehr angefasst werden musste.

Viele Einstellungen in „Momo“ sind VFX-Shots. Hier gab es die Sorge, dass dies die Postproduktion unnötig erschweren und damit verteuern könnte. Also wählte DoP Rein einen Satz matchende, sphärische Moviecam-Objektive. Diese verwenden das gleiche Olympus-Glas wie die Cineovisions und haben deshalb sehr ähnliche Eigenschaften. „Am Ende haben wir aber keine fünf Schüsse mit den Moviecams gedreht“, sagt Christian Rein. Das hing aber vor allem mit der hervorragenden Kommunikation zwischen Kameragewerk und VFX-Experten zusammen.„Wir hatten mit Michael Wortmann von RISE FX einen unfassbar guten VFX Supervisor“, lobt DoP Rein. „Die Zusammenarbeit mit ihm war wahnsinnig eng und vertrauensvoll.“

C. Rein Momo
Das Set der Gerichtsszene mit Antagonist Richter (Claes Bang)und dem aufwendig beleuchteten Hafenkran im Hintergrund (Foto: Constantin Film Distribution / Rat Pack Filmproduktion / Ivan Sardi)

„Die ganze Worldbuildingphase war schon sehr intensiv“, sagt DoP Christian Rein. Wie sollte die Welt von Momo aussehen? Wie die ihrer Freunde? Wie dringen dann die Grauen in diese Welten ein und wandeln diese? Es gab Farbcodes für bestimmte Orte, Emotionen und Ausstattung, aber auch spezielle Lichtfarben für die heile Welt und die zeitsparende Welt. „Es gibt in dem Film eine ganz klare, visuelle Trennung der beiden Ebenen“, erklärt der DoP. „Es ist jetzt nicht so, dass wir für diese Trennung einfach nur kühler gegraded hätten. Wir haben mit einer Show-LUT – quasi einer Emotion – gedreht und alles andere bildimmanent gemacht.“

Damit bezieht sich Rein auf Farben und Texturen. Das bedurfte einer engen Abstimmung zwischen Ausstattung, Kostümbild, Lichtabteilung und auch Maske. So kommt die Farbe Rot im ersten Teil des Filmes nicht vor. Sie wird später in der grauen Welt für den Cyan-Rot-Kontrast benötigt, um die Kälte zu betonen.

Bei den Testdrehs in Kroatien bestimmten Rein und Oberbeleuchter Timm Brückner auch die Parameter alter kroatischer Straßenlampen und matchten diese mit den später am Set verwendeten LED-Panels. „Um diese seltsamen Grün- und Blautöne hinzukriegen“, so DoP Rein. „Auf so ungesunde Farben kommt man eigentlich gar nicht!“

Die Quecksilber-Entladungslampen waren nicht die einzige Inspiration. Auch Natriumdampflampen fand das Team im Mittelmeerraum. „Da haben wir unser Wissen bestätigt bekommen, dass die extrem schmalbandig sind und dann bekommst du so ein wahnsinnig dünnes Bild, in dem alle Farben ausgewaschen sind und es keine wirklichen Hauttöne gibt.“ Deshalb ließ Christian Rein die Natriumdampflampen bei entsprechenden Außendrehs vorher durch Kunstlicht austauschen. Durch die klare Planung der Motive waren solche Vorbereitungen möglich. So ließen sich auch alle Leuchten individuell ansteuern und dem Farbschema des Films unterordnen. [15603]


Zeitlose Erzählung – DoP Christian Rein

Teil 1: Vom Roman zur Bildwelt
Teil 2: Kamera, Licht und visuelle Dramaturgie
Teil 3: Drehorte und Effekte


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