IBC 2026: Grass Valley bündelt Live-Produktion in AVORA
von Uwe Agnes,
Grass Valley stellt auf der IBC 2026 mit AVORA ein neues All-in-one-System für Live-Produktionen vor. Switching, Grafik, Audio, Remote-Gäste, Replay, Recording und Ausspielung werden dabei in einer eigenständigen softwaredefinierten Produktionsumgebung zusammengeführt.
Foto: Uwe Agnes
AVORA basiert auf Technologie und Grundprinzipien der GV-AMPP-Plattform, wird von Grass Valley aber als eigenständiges System angeboten. Statt für eine Produktion mehrere spezialisierte Anwendungen zusammenzustellen, sollen Anwender innerhalb einer gemeinsamen Umgebung einen kompletten Live-Workflow aufbauen können.
Dazu gehören neben Video-Switching und Audio auch Grafik, Content-Zuspielung und Prompting. AVORA übernimmt zudem Replay, Recording, Monitoring, Playout und die Ausspielung des fertigen Programms. Remote-Gäste lassen sich über private Einladungslinks in eine Produktion einbinden; Low-Latency-Verbindungen, Mix-minus und Talkback sind in den Workflow integriert.
Die Produktion wird zum gespeicherten Show-Setup
Ein Schwerpunkt liegt auf wiederkehrenden Produktionen. Ressourcen und Einstellungen lassen sich als komplette Show vorbereiten, speichern, duplizieren und wieder aufrufen. Damit kann beispielsweise zwischen regelmäßig produzierten Sportveranstaltungen, Unternehmensformaten oder anderen Sendungen gewechselt werden, ohne die Produktionsumgebung jeweils neu aufbauen zu müssen.
Bei der Bedienung unterstützt AVORA sowohl eine visuelle, Shot-basierte Arbeitsweise als auch den klassischen Program-/Preset-Betrieb. Die Benutzeroberfläche läuft webbasiert. Mehrere Mitarbeiter können deshalb mit jeweils eigenen Browser-Oberflächen auf dasselbe AVORA-System zugreifen und unterschiedliche Aufgaben innerhalb der Produktion übernehmen.
Grass Valley nennt Sport, Live-Events und Veranstaltungsorte ebenso als Einsatzfelder wie Bildung, Corporate Media und regionale Produktionen.
Software-defined Production bekommt wieder Grenzen
Interessant ist dabei vor allem die Positionierung innerhalb des Grass-Valley-Portfolios. Das Unternehmen sieht K-Frame weiterhin für dedizierte hardwarebasierte Produktionsumgebungen vor, während Maverik X und AMPP größere softwaredefinierte Infrastrukturen adressieren. AVORA soll dazwischen eine eigenständige, integrierte Produktionsumgebung bilden.
Damit zeigt sich eine interessante Entwicklung bei softwarebasierter Live-Produktion. Nachdem die Entkopplung einzelner Funktionen von spezialisierter Hardware zunächst möglichst frei kombinierbare Produktionsplattformen hervorgebracht hat, rückt nun die operative Einfachheit stärker in den Vordergrund. AVORA nutzt Software zwar weiterhin als Grundlage, gibt der Produktion aber wieder einen klar definierten Rahmen: Ein System wird um eine Show herum konfiguriert, gespeichert und für die nächste Produktion wieder aufgerufen. Gerade für kleinere Teams oder regelmäßig wiederkehrende Formate kann das interessanter sein als eine Infrastruktur, deren einzelne Produktionsfunktionen zunächst zusammengestellt und orchestriert werden müssen.