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In der Praxis: Genre-Kurzfilm mit Canon EOS R5 C

Cinema mit Foto-Body

Schon vor dem offiziellen Launch der EOS R5 C, Canons neuem DLSM-Videoflaggschiff, hatte DoP Marius Milinski die Gelegenheit, die Kamera in der Praxis zu testen. Gemeinsam mit Regisseur Joscha Seehausen entstand die Idee, den „Cinema“-Aspekt der Kamera auf die Probe zu stellen und einen Kurzfilm zu drehen.

Canon EOS R5C am Set
Foto: Arne Stadler

Das Script zum 2:30 Minuten langen Horrorfilm „Short Circuit“ stammte von Joscha Seehausen. Cast, Crew, Drehort und alles Weitere musste innerhalb von nur einer Woche organisiert werden. Da wir die Canon R5 C erst am Drehtag selbst zur Verfügung hatten, war es von höchster Priorität, dass die Kamera hielt, was ihre Spezifikationen versprachen. Um besonders das bekannte Thema der Überhitzung wirklich auszureizen, entschieden wir uns, den gesamten Film in 8K RAW zu drehen.

Body und Anschlüsse

Der bemerkbarste Unterschied zur Schwesterkamera R5 ist der nun eingebaute Lüfter, durch den der Body etwas tiefer ausfällt. Gleichzeitig ist dieser Lüfter auch eine der wichtigsten Neuerungen. Durch die aktive Kühlung sollen die schon bei der R5 versprochene Leistung wie 8K RAW und 4K mit 120 fps nun unlimitiert nutzbar sein.

Insgesamt hat Canon einiges getan, damit sich die DSLM- Kamera ihr „C“ auch verdient. So findet man zum Beispiel einen Timecode-In/Out-Port in Form eines DIN-1.0/2.3-Anschlusses, ein Tally sowie 13 programmierbare Knöpfe am neuen Body. Auf einen stabilisierten Sensor wurde an der R5 C verzichtet, was hinsichtlich des starken „Wobble“-Effekts der R5-Stabilisierung im Videomodus eine gute Entscheidung sein dürfte. Zudem hat man bei bestimmten Mounting-Optionen, zum Beispiel in einem Auto, mit einem festen Sensor weniger Probleme mit Microjitter-Effekten. Da wir „Short Circuit“ ausschließlich vom Stativ und Slider gedreht haben, kam uns der fixe Sensor ebenfalls entgegen. Ermöglicht werden die 8K-Datenraten durch die Aufnahme auf CFExpress-Type-B-Speicherkarten, außerdem findet sich ein SD-Kartensteckplatz an der Kamera. Die R5 C unterstützt dabei die gleichzeitige Aufnahme beispielsweise von RAW-Material und Proxies: ein Feature, das wir leider nicht in Anspruch genommen haben und in der Post-Produktion dafür bestraft wurden. Doch dazu später mehr.

Marius Milinski und Joscha Seehausen beim Dreh
Gut bemützt: Regisseur Joscha Seehausen mit DoP Marius Milinski (Foto: Arne Stadler)

Der Ein-/Aus-Schalter der Kamera lässt sich aus der „Off“- Position in zwei verschiedene Richtungen schieben: entweder Foto oder Film. Das mag im ersten Moment nicht sonderlich speziell erscheinen, allerdings war ich sehr erfreut, im Film-Modus die typischen Menüs der Kameras aus Canons EOS-C-Serie zu finden. Dadurch findet man sich als vorheriger Nutzer problemlos zurecht und hat außerdem die volle Bandbreite an Filmkamera-Einstellungen.

Hierzu zählen vor allem Belichtungshilfen wie False Color und Waveform-Monitor, aber auch Anzeigehilfen für das Seitenverhältnis – und die Abwesenheit eines Aufnahmelimits. Beschränkt wird die Dauer der Aufnahme also nur durch die Akkuleistung und den Speicherplatz. Besonders Nutzer, die in der R5 C eine potenzielle B- oder C-Kamera sehen, werden sich über die gleiche Cinema-EOS-Menüführung freuen.

Schaltet man hingegen auf den Fotomodus, findet man die gewohnten Menüs aus zum Beispiel der R5 vor. Damit kann man die R5 C tatsächlich als Hybridkamera nutzen, da sie nicht wie sonst üblich versucht, die Einstellungen für Foto und Film in einer gemeinsamen Benutzeroberfläche unterzubringen, mit Kompromissen auf beiden Seiten.

Sensor

Der Vollformatsensor der Kamera bietet aus meiner Sicht zwei entscheidende Vorteile. Da ich mir vorstellen kann, dass die Canon R5 C besonders im Kino- und Spielfilmbereich als Crashcam und Kamera für schwer erreichbare oder enge Orte eingesetzt wird, bietet Vollformat die Möglichkeit, einen großen Bildwinkel abzudecken, ohne dabei im Fischaugenbereich zu landen. Das kam uns auch beim Dreh zu „Short Circuit“ zugute. Unser Motiv, ein Tonstudio am Rande von Köln, besteht aus vielen kleinen Räumen, in denen wir uns trotz des mangelnden Platzes aus allen erdenklichen Winkeln filmen konnten.

Außerdem reiht sich die Canon R5 C durch den großen Sensor bei Vorbildern wie der ARRI ALEXA LF mit ein, was den Look durch Raumkompression angeht. Damit dürfte es zumindest keine unangenehmen Sprünge vom Bildeindruck geben, sollte man für bestimmte Szenen auf die handliche DSLM-Kamera umsteigen. Wie gut sich die unterschiedlichen Farb-Setups mischen lassen, steht natürlich auf einem anderen Blatt.

Der Sensor hat außerdem noch eine weitere Besonderheit, denn es handelt sich um ein Dual-Base-ISO-System. Entsprechend bietet die Kamera die Möglichkeit, die native ISO entweder auf 800 oder auf 3.200 (bei Aufnahme in C- Log3 in Rec.-709-Profilen stattdessen ISO 400 und 1.600) zu stellen. Eine höhere native ISO-Einstellung verspricht besonders bei Lowlight-Aufnahmen ein rauschfreieres Bild bei vollem Dynamikumfang.

Diese Methode unterscheidet sich zum sogenannten Dual-Gain-Output-Verfahren (DGO), das man in der Canon C300 Mk III sowie der Canon C70 findet. Beim DGO-Sensor werden in Echtzeit zwei separate Bilder mit unterschiedlichen Verstärkungen aufgezeichnet und zu einem Frame zusammengefasst. Das verspricht laut Canon einen hohen dynamischen Umfang von über 16 Blendenstufen und verringertem Bildrauschen. Die beiden Systeme haben also unterschiedliche Ergebnisse. Während DGO-Sensoren vor allem mit dem hohen dynamischen Umfang punkten, ver- spricht eine duale native ISO besonders rauschfreie und helle Lowlight-Aufnahmen.

Was mich im ersten Moment etwas enttäuscht hat, ist das Fehlen von C-Log2. Die Canon R5 C erlaubt als „bestes“ Log Profil nur C-Log3. Das deutet darauf hin, dass der dynamische Umfang limitierter sein sollte als bei den Geschwisterkameras aus der C-Serie, denn C-Log2 bietet mit 16 Blendenstufen den größten dynamischen Umfang aller Log-Formate bei Canon-Kameras, C-Log3 hingegen schafft 14 Blendenstufen. Meine Sorge war demnach, dass der Sensor schneller an seine Grenzen kommen könnte, als ich es gerne hätte – besonders mit Blick auf den Einsatz der R5 C als B- oder C-Kamera an der Seite der C70 und C300 Mk III. Auch die große Pixelanzahl könnte ein weiteres Argument für diese Befürchtung sein, denn kleine Pixel beziehungsweise Sensel erreichen schneller ihren Full-Well-Schwellenwert und können dadurch weniger Dynamik abbilden.

Das Drehteam mit R5C am Set von "Short Circuit"
Die kompakte DSLM-Bauform war am Set ein Vorteil der Canon EOS R5 C. (Foto: Arne Stadler)

Zu meiner Erleichterung konnten wir im Schnitt feststellen, dass auch die XF-AVC Dateien, die in 4:2:2 und 10 bit aufgezeichnet werden, keine großen Einbußen in der Dynamik zeigen. Die R5 C liefert sehr rauscharmes Material, das sich in der Postproduktion überraschend stark bearbeiten lässt, ohne dabei mit Banding-Artefakten oder Bildrauschen zu zerfallen.

8K RAW Workflow

Ein besonderes Hauptaugenmerk bei der Canon R5 C liegt sicherlich in der Möglichkeit, Aufnahmen in 8K 12 bit RAW bis zu 30 Bildern pro Sekunde und bei externer Stromzufuhr sogar bis zu 60 Bildern pro Sekunde zu schaffen. Aufzeichnet wird hierbei in Cinema RAW Light LT oder ST, beziehungsweise HQ im Crop-Modus. Hier entsteht ein 6K-Bild, das leider alles andere als postproduktionsfreundlich ist. Wir haben uns vor Ort dennoch für die Möglichkeit entschieden, in 8K Cinema RAW Light LT aufzuzeichnen. Auf eine 512-GB-CFexpress Karte passen dann etwas über 60 Minuten Material. In RAW Light ST sind es dann schon nur noch knapp 40 Minuten. Allem voran wollten wir natürlich versuchen, die Kamera am Set an ihre Grenzen zu bringen, aber natürlich auch den Postproduktions-Workflow kennenlernen.

Zu unserer Zufriedenheit zeigte die Canon R5C zu keinem Zeitpunkt irgendwelche Anzeichen von Überhitzung oder sonstigen Schwächeanfällen, obwohl wir die Kamera den gesamten Drehtag über nur zum Wechseln der Akkus ausgeschaltet haben. Der Lüfter sorgt also für problemfreies Arbeiten im Dauerbetrieb und ist dabei leise genug, um den Ton nicht zu stören.

Was mich beim Drehen in 8K dennoch überrascht hat, ist der Durchsatz an Akkus. Im regulären Betrieb mussten wir alle 30 bis 40 Minuten den Akku wechseln, obwohl wir die aktuelle Generation von Canon LP-E6NH Akkus verwendet haben. Man sollte sich also bewusst darauf einstellen, nicht nur genug Akkus, sondern auch genug Ladegeräte bereit zu halten, um einen dauerhaften Betrieb besonders über mehrere Drehtage hinweg gewährleisten zu können. [15092]


Sie möchten mehr über die Canon EOS R5C erfahren? Hier finden sie den kompletten Praxistest!


 

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