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Jörn Peper animiert Sequenzen für dokumentarische Stoffe

Distanz und Emotion

Manche Bilder können in dokumentarischen Formaten nicht gezeigt werden. Immer wieder greifen Kino- und TV-Macher dann auf animierte Illustrationen zurück. Jörn Peper aus Hamburg ist Illustrator und produziert solche Szenen. Er hat uns im Heft 3.2022 gesagt, was dabei wichtig ist, wie er arbeitet und welche Einsatzgebiete am häufigsten sind.

Illustrator Jörn Peper
Foto: Timo Landsiedel

Die groben Striche des digitalen Pinsels skizzieren eine Gestalt. Es ist die Silhouette eines Mannes, sein Schatten. Mit erhobenem Arm und zur Faust geballten Hand steht er über einer zierlicheren Gestalt. Seine linke Hand hat sie am Kopf gepackt, hält die Haare fest im Griff. Auch die Frau ist nur eine Silhouette, kauert, das Handgelenk des Angreifers haltend, die andere Hand schützend über den Kopf gehalten. Vor dem Schatten beider Gestalten ist eine geballte Faust sichtbar. Auch sie ist mit groben Strichen gezeichnet, das Hemd ist hochgekrempelt, der Arm bewegt sich, zum Schlag ausholend.

Wie zeige ich was? Filmschaffende sehen sich immer wieder damit konfrontiert, wichtige Bilder nicht zeigen zu können. Die Gründe sind unterschiedlich: Die Rechte am Archivmaterial sind zu teuer oder nicht erwerbbar, es gab keine Möglichkeit, überhaupt Material zu akquirieren, zum Beispiel, weil die geschilderten Begebenheiten in der Vergangenheit liegen. Oder es geht ganz einfach um den Schutz der Betroffenen.

Nicht Darstellbares darstellen

Wenn einer dieser Gründe bei einer Produktion auftaucht, klingelt häufig bei Jörn Peper im Hamburger Schanzenviertel das Telefon. „Illustration sind ein gutes Mittel, man kann alles darstellen“, sagt Peper. „Man kann vom Tempo her den Zuschauer etwas einladen, sich selber einzubringen, die eigenen Vorstellungen, man nimmt nicht zu viel vorweg. Und man kann auch bei einigen Themen eine Distanz wahren und einen gewissen Respekt.“ Die Alternative der szenischen Nachinszenierung kann bei sensiblen Themen wie Kindesmissbrauch in der katholischen Kirche sehr aufwendig werden. Illustrationen können hier andeuten und eine Balance finden zwischen Zeigen und Nicht-Zeigen.

Jörn Peper hatte schon als Jugendlicher Spaß am Zeichnen, sah aber zunächst darin gar keine großen Berufschancen. In der Abiturzeit arbeitete er sich mit einem Freund durch die Werke verschiedener Regisseure und entdeckte parallel über einen ehemaligen Mitschüler das Studium des Kommunikationsdesigns. „Ich sah diesen Stundenplan und dachte Wahnsinn, das will ich auch alles haben“, erinnert sich Peper. Also ging er nach Wiesbaden und studierte hier Kommunikationsdesign. Die Affinität für das bewegte Bild behielt er bei und ging für sein Praxissemester im Grundstudium zu einer Werbe- und Musikfilmproduktion nach Ludwigsburg. Im Hauptstudium konnte er einen Schwerpunkt wählen und legte diesen auf Illustration und Zeichentrick. „Das war ein Wunsch von mir zu Schulzeiten schon in der Oberstufe“, so Peper. „Da habe ich die Coyote-Roadrunner-Cartoons wiederentdeckt.“ Er belegte auch ergänzende Kurse, zu Storyboarding und After-Effects, die bis heute seine Arbeit prägen. „Ich habe dann aber gemerkt, ich komme in das Storytelling des Zeichentricks nicht rein. Wie ich arbeite, das ist dann doch zu düster.“ Peper ging dann zunächst in die Richtung Motion Design. 2008 ging er zur Schönheitsfarm GmbH nach Hamburg. Hier machte er seine ersten Storyboarding-Jobs und blieb etwa sechs Jahre.

RohzeichnungPhotoshopbild

fertige Szene
Der Arbeitsprozess bei der NDR-Doku „Protokoll einer Zwangsehe“ von Rohzeichnung über Photoshopbild bis zur fertigen Szene. (Fotos: Timo Landsiedel)

Im Herbst 2013 trat die Lebensgefährtin eines Kollegen an ihn heran. Sie arbeitete beim NDR und wollte in eine Dokumentation gezeichnete Sequenzen einbauen. Er nahm das als willkommenen Anlass für berufliche Veränderung. Doch er musste auch umdenken. „In der Werbung kommen die Anfragen immer sehr kurz“, sagt Peper. „Am Freitag wird angerufen: Hast Du Montag Zeit? Und beim Journalismus hieß es im Oktober, wir wollen im nächsten April loslegen mit dieser Geschichte. Da hatte ich genügend Zeit, mich in der Zwischenzeit selbstständig zu machen.“

Stil und Struktur

Dieses erste Projekt war die halbstündige Panorama-Dokumentation „Zeugnis einer Zwangsheirat“. Die Arbeitswei- sen sind unterschiedlich, je nachdem, wie weit das Projekt schon ist oder welchen Umfang der Einsatz von Peper am Ende haben wird. Manchmal bekommt er nur den Schnitt mit eingefügtem Schwarzbild und einer Beschreibung dessen, was geschehen soll. Manchmal gibt es auch schon einen eingesprochenen Text vom Sprecher oder als Layout von den Filmemachern. „Ich starte als Erstes in die Bildrecherche“, sagt Jörn Peper. Er braucht eine Grundlage für das, was er zeichnen soll, muss die Welt, in der die Szene spielen soll, kennen – vor allem visuell. „Manchmal ist das auch schon erledigt, dann kriege ich Material“, so der Illustrator. Was er dann sieht, ist nicht immer leicht zu verarbeiten. „Ich habe auch schon in Kopien aus einer Polizeiakte reingeguckt.“ [15057]


Möchten Sie mehr über die Arbeit des Illustrators Jörn Peper erfahren? Hier geht es zum kompletten Artikel!


 

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