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DoP Eva Maschke im Podcast „Hinter der Kamera“

Mitten in der Welt

Im Podcast „Hinter der Kamera“ ist diesmal DoP Eva Maschke unser Gast. Die Kamerafrau und Regisseurin ist so vielseitig in ihrem Werk, dass eine Zusammenfassung schwerfällt. Im Podcast sprechen wir über ihre dokumentarischen Werke als Autorin und Regisseurin sowie ihre Projekte als Kamerafrau – und ihre Anfänge beim Reisen um die Welt.

Eva Maschke wollte eigentlich nach der Schule mit einer Ausbildung in den Medien beginnen. Mitte der 1990er Jahre war gerade der Ausbildungsweg Mediengestalter Bild / Ton geschaffen worden. Doch die Plätze waren rar. Daher schwenkte sie kurzerhand auf eine Ausbildung zur Physiotherapeutin um und arbeitet dann zwei Jahre in diesem Beruf. Doch das Thema Film ließ sie nicht los. Sie kündigte in der Therapeutenpraxis und machte ein Praktikum bei einer Filmproduktion. „Da habe ich einfach mal geschaut“, er- innert sich Maschke. „Ich kannte mich auch noch nicht gut aus, außer so ein bisschen Videos machen in der Abiturzeit.“ Die Arbeit und die Themen gefielen ihr auf Anhieb. Bei einem Besuch im Kölner Filmhaus entdeckte sie einen Aushang. Das Team der SWR-Dokuserie „Schätze der Welt“ suchte kurzfristig eine Praktikantin für die anstehende Produktion in Süditalien, weil jemand abgesprungen war. Maschke bewarb sich und entfachte endgültig ihre Leidenschaft für dokumentarische Produktionen. Sie bewarb sich im Anschluss gleich um ein einjähriges Praktikum beim SWR, zog von Köln nach Baden-Baden und durchlief hier die üblichen Stationen vom Kopierwerk, Materialassistenz oder Kameraassistenz und im Schnittraum.

„Schätze der Welt“

Nach dem Praktikum wurde sie als Kameraassistentin übernommen. „Ich habe relativ schnell gemerkt, dass ich auch an die Kamera will“, so Eva Maschke. Innerhalb des Senders gab es einen Film-Wettbewerb, der nur Assistenten offenstand. Man bewarb sich mit einem Stoff und bekam die Technik gestellt sowie drei Rollen Filmmaterial samt Entwicklung. Maschke wählte Super 16 und hatte großen Spaß mit dem Dreh. Dennoch war ihr der Aufstieg innerhalb des Senders als Quereinsteigerin verwehrt. „Ich fühlte mich dort sehr wohl, weil der SWR als Sender hat einfach viele tolle Sachen gemacht, die Fernsehspiele, die Tatorte, „Schätze der Welt“, „Länder, Menschen, Abenteuer“, das war so das Spannendste, was die Abteilung Baden-Baden produziert hat.“

Mittlerweile hatte sie einiges an Erfahrung gesammelt, daher war die Mediengestalter-Ausbildung nicht mehr zielführend. „Dann probiere ich es jetzt an der Filmhochschule“, sagt Eva Maschke. „Ich habe mich dann mit einem Assistentenfilm auch ganz bewusst nur in Ludwigsburg beworben, weil ich gar nicht sicher war, ob ich beim SWR weg muss.“ Im Oktober 2002 wurde sie angenommen und studierte fortan Kamera an der Filmakademie. Nebenher konnte sie durch die örtliche Nähe weiterhin auf Reisen mit dem SWR gehen, auch um neben dem Studium etwas Geld zu verdienen. In der Folge drehte sie so über zehn Jahre hinweg rund 50 Folgen von „Schätze der Welt“.

Eines ihrer wichtigsten Projekte an der Hochschule war „Roaming Around“. Der dokumentarische 52-Minüter über die Straßenkinder in Ghanas Hauptstadt Accra entstand unter der Regie von Brigitte Maria Bertele. Bei den hochschulinternen Pitchveranstaltungen erfuhr Maschke von Berteles Vorhaben und meldete sich bei ihr. „Ich fand den Ansatz, diese Buchadaption zu machen und zu schauen, wie organisieren sich diese Straßenkinder, was entwickeln sie für Strategien, um zu überleben, das fand ich einfach ganz spannend“, so die Kamerafrau. „Ich habe mir auch zugetraut, mich in Ghana zu bewegen. Da kamen mir auch die vielen Reisen zuvor wieder zugute, die Erfahrungen, die ich gemacht hatte in sämtlichen Ländern dieser Welt.“ Für Dreharbeiten war es außerordentlich wichtig, dass sich Bertele und Maschke auch menschlich gut verstehen, denn sie waren später die komplette Crew. „Brigitte hat Regie und Ton gemacht – und ich die Kamera, weil klar war, wir durften nicht auffallen wie bunte Hunde in dem Slum. Wir müssen so dezent wie möglich arbeiten.“

Für „Roaming Around“ folgte Maschke mit der Kamera Straßenkindern durch Accra.

Immer in Bewegung

Bertele fuhr für die Recherche schon rund drei Wochen vorab nach Ghana, dann kam Maschke nach. „Diese Straßenkinder sind immer in Bewegung, die schlafen mal kurz auf irgendeiner Pappe, sind aber sonst ständig in Bewegung von A nach B“, so Maschke. „Für uns war klar, der Film muss genauso in Bewegung sein, auf Höhe dieser Kids.“ Sie wollten Teil der Kindergruppe werden, mitlaufen und miterleben, was denen widerfuhr. Klar war zudem, dass sie viel Abends und Nachts drehen würden – eine Herausforderung für das geringe Budget. Maschke hatte eine Mini-DV-Kamera zur Verfügung, deren Lichtstärke zu wünschen übrig ließ. Hier machten die Filmemacherinnen die Not zur Tugend und hatten eine Konstruktion aus 60-Watt-Birne im Chinaball mit Speisung aus dem Reportageakku dabei, die sie an die Tonangel hängten. „Das hat ein unheimlich schönes Licht gemacht“, schwärmt Eva Maschke. „Weil vor allen Dingen überall diese Ölfässer standen, die brannten, Petroleumlampen. Das war eine tolle Verlängerung des Lichts, ohne dass wir da – Platsch! – von vorne drauf gehen mussten.“

Die Filmemacherinnen verbrachten viel Zeit mit den Kindern und behandelten diese auf Augenhöhe, was man auch dem Film deutlich anmerkt. Irgendwann erreichte eine Nachricht der Deutschen Botschaft die Filmemacherinnen. Sie sollten aufpassen, der Regierung gefalle wohl nicht, dass sie hier die Straßenkinder dokumentierten. Die offizielle Haltung ist nämlich, dass es in Ghana keine Straßenkinder gebe. Daher sei ihr Material nicht sicher. „Bevor wir geflogen sind, ha- ben wir das deshalb einer ganz mutigen Person mitgegeben, die hat alle unsere Bänder mitgenommen“, berichtete Eva Maschke. „Sonst hätten sie die am Flughafen eingesackt.“ Die Filmemacherinnen selbst wurden beim Abflug peinlich genau durchsucht. Die Arbeit lohnte sich. 2008 erhielt Eva Maschke für „Roaming Around“ den Deutschen Kamerapreis in der Kategorie Dokumentarfilm. „Das war eine Überraschung“, sagt Maschke. Die Jurybegründung betont: „Eva Maschke meistert die Gratwanderung, weder zu schönen noch zu glätten und doch stets stilsicher und ästhetisch konsequent ein einheitliches optisches Gestaltungskonzept durchzuhalten – puristisch, minimalistisch und ohne Manierismus. Sie beherrscht die Kunst des Weglassens.“ Eine Einschätzung, die auf viele ihrer folgenden Projekte zutrifft. [14602]


Lesen Sie hier, welche Dokumentarfilme DoP Eva Maschke nach “Roaming Around” drehte und warum sie das Arbeiten an der Studiopumpe mag!


 

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