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„Hinter der Kamera“-Podcast: DoP Birgit Gudjonsdottir

Genau hinschauen

Die erste Episode des neuen Jahres im „Hinter der Kamera“-Podcast hatte DoP Birgit Gudjonsdottir zu Gast. Sie sprach in unserem Heft 3.2021 mit Timo Landsiedel über die wichtigen Stationen ihrer Karriere, ihre Anfänge in der Werbung und warum sie so gern unterrichtet. Außerdem geht es um „Our Grand Despair“ des türkischen Regisseurs Seyfi Teoman sowie die Filme „Schattenwelt“ und „Die Rüden“ von Regisseurin Connie Walther.

Birgit Gudjonsdottir macht es sich nicht leicht. Wenn es in den 30 Jahren ihrer Filmkarriere eine Weggabelung gab, hatte sie eigentlich immer mehr Interesse an dem steinigen, weniger betretenen Weg. Von ihr können junge Filmschaffende lernen, dass sie sich dabei stets Verbündete suchte und diesen auch treu blieb, wie in der seit fast 20 Jahren wiederkehrenden Zusammenarbeit mit Regisseurin Connie Walther.

Gudjonsdottir wurde im isländischen Reykjavik geboren und wuchs dort bis zum siebten Lebensjahr auf. Ihr Vater stammt aus Island, ihre Mutter aus Österreich, so kam sie über Stationen in Norwegen und Deutschland in das Alpenland und kehrte erst mit 14 Jahren wieder nach Island zurück. Hier kam sie in der Schule mit der Fotografie in Kontakt, lernte die Grundlagen, entwickelte auch selbst und zog mit der Kamera ihrer Mutter los. Eines Tages beobachtete sie im Hafen von Reykjavik zwei Jungen beim Fischen und merkte plötzlich, dass diese von einem Mann beobachtet wurden. Sie rückte den Mann ins Foto und stellte sich plötzlich Fragen zu dieser Konstellation. Warum beobachtete der Mann die Kinder? Was erzählt dieser Schnappschuss? „Da fing ich plötzlich an, über Bilder nachzudenken, weil mich dieses Bild so berührt hatte“, sagt Birgit Gudjonsdottir. „Und ich merkte, dass ich mit Fotografie Geschichten erzählen kann, die man so gar nicht sieht.“

Mit Licht erzählen

Nach der Schule und zurück in Wien begann sie an der dortigen Grafischen Lehr- und Versuchsanstalt Fotografie zu studieren. Die Berufswahl Fotografie hatte sie auch deshalb getroffen, weil sie gerne in die Welt hinauswollte, Menschen in anderen Kulturkreisen kennenlernen. Das Studium dauerte vier Jahre. Schon während
des letzten Jahres schuf Gudjonsdottir eine Dia-Show, zu der sie auch Musik komponieren ließ. „Das war eine visuelle Reise mit Bildern. Ich wollte ich eigentlich in der Fotografie weitermachen, aber die Dia-Show hat mein Interesse am Bewegtbild geweckt“, so Gudjonsdottir. Auf der Suche nach Inspiration fand sie ein kleines Kino um die Ecke, das gerade eine Ingmar-Bergman-Retrospektive veranstaltete. Hier schaute sie innerhalb kurzer Zeit alle Bergmann-Filme und parallel dazu Hitchcock. Eine schöne Mischung, um sich für Film zu begeistern. „Durch die

Bergman-Filme und die Arbeit von Kameramann Sven Nykvist wusste ich: Filme machen finde ich großartig“, so die Kamerafrau.
Als zu diesem Zeitpunkt alleinerziehende Mutter konnte sie sich jedoch ein Studium an der Filmakademie nicht leisten. Also arbeitete sie weiter als Fotografin und hatte kurz darauf das Glück, als Volontärin bei einer Spielfilmproduktion in der Kameraabteilung unterzukommen. Kameramann war hier Hanuš Pollack. „Die Arbeit von Hanuš hat mich so fasziniert“, erinnert sich Birgit Gudjonsdottir. „Ich habe ihm zugeschaut, wie er mit Licht zaubert und habe gedacht, das ist ein Beruf, das will ich auch machen. Ich will mit Licht Geschichten erzählen und ich will diese Visualität haben, die er hat und diese Freude – er hat das mit so einer Leidenschaft und Freude gemacht – da wusste ich, das ist mein Beruf, da will ich hin.“ [14207]


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