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Der internationale Editing-Dachverband TEMPO vertritt 24 Berufsverbände

Die gleiche Sprache sprechen

Im Oktober 2019 wurde der Grundstein für die internationale Dachorganisation der Editorenverbände TEMPO gelegt. In der Zwischenzeit schlossen sich den sieben Gründungsmitgliedern weitere Verbände an, so dass TEMPO mittlerweile die Interessen von 24 Berufsverbänden vertritt. Wir sprachen in unserer Ausgabe 6.2021 mit Editor Alexander Berner, der maßgeblich an der Gründung des Verbandes beteiligt war.

Wann und wie entstand die Idee, eine Internationale Dachorganisation der nationalen Verbände für Editierende zu gründen?
Das Ganze begann im Oktober 2018 auf dem Filmplus-Festival, das jetzt Edimotion heißt. Während des Festivals wurde ein International Film Editors Forum abgehalten. An diesem Tag waren Kollegen aus dreizehn Ländern anwesend. All die Teilnehmer waren Mitglieder oder sogar Vorstände eines nationalen Editoren Verbandes. Das Forum wurde dazu genutzt, um sich darüber auszutauschen, was sich jeweils in ihrem Berufsbild geändert hat und wie die Arbeitssituation in ihren Ländern ausschaut. Nach diesem intensiven und sehr informativen Austausch bedauerten die Teilnehmer, dass es keine richtige Plattform gibt, über die sich Editierende aller Länder kommunizieren können. Denn beim vorherigen Meeting hat es sich herausgestellt, dass so gut wie alle Verbände individuell das Gleiche machen und jeweils immer bei null anfangen, zum Beispiel beim Erstellen von Umfragen oder beim Thema Urheberrecht. Hier könnte ein internationaler Verband dafür sorgen, dass die Verbände nicht nur Erfahrungen, sondern auch Daten untereinander austauschen können.

Nach dem Festival ging diese Idee wie so oft etwas unter. Doch damit sie nicht verschollen geht, habe ich sie im Winter 2018 noch einmal aufgegriffen und habe Kollegen aus Italien, Frankreich, Österreich und den Niederlanden zusammengetrommelt, um mit ihnen über die Gründung eines Dachverbands zu reden. Nachdem ich sie für diese Idee gewinnen konnte, haben wir uns gemeinsam hingesetzt, um Statuten für so einen Verband aufzusetzen. Natürlich wurde auch darüber gesprochen, wie dieser Verband strukturiert werden soll und wo die Zentrale ansässig sein soll. Zuerst war Paris im Gespräch. Da der französische Verband recht klein ist und kein eigenes Büro besitzt, haben wir uns, nach Rücksprache mit dem deutschen Verband BFS, für Berlin entschieden.

Nachdem ich alle Formalitäten erledigt hatte, die für die Gründung eines solchen Verein nötig sind, konnten wir den Verband offiziell eröffnen. Als Termin und Ort haben wir uns wieder für das Filmplus-Festival entschieden. Doch auf einmal tauchten immer mehr Kollegen aus anderen Ländern auf, die Interesse zeigten, bei diesem Verband mitzumachen, so dass der Verband gleich zum Start am 26.10.2019 die Interessen von zwölf Verbänden vertreten konnte.

TEMPO-Mitbegründer und Editor Alexander Berner

Welche Länder sind bei TEMPO zurzeit vertreten?
Gestartet wurde das Projekt von sieben Ländern. Bei der Unterzeichnung waren es zwölf und gegenwärtig vertreten wir vierundzwanzig. Zuletzt durften wir die Kollegen des britischen Verbandes British Film Editors BFE als Verbandsmitglied begrüßen. Ein weiterer größerer Verband steht kurz davor beizutreten. Einige Länder wie Griechenland müssen erst einen nationalen Verband aufbauen, um uns beitreten zu können.

Gab es schon Reaktionen von Sendern oder Streaminganbietern auf die Gründung von TEMPO?
Überraschenderweise gab es sogar schon vor der offiziellen Gründung von TEMPO Anrufe von dieser Seite. Sie wollten ausführlich wissen, was wir vorhaben und was unsere Ziele sind. Mit einem dieser Anbieter bereiten wir sogar schon ein Event für nächstes Jahr vor. Damit werden wir auf Tour gehen und vier Städte in Europa besuchen. In Planung sind München, Berlin, Amsterdam und Paris. Mit diesem Event wollen wir speziell Film- und Medienhochschulen ansprechen. Dieses Event soll aber auch für junge Menschen sein, die frisch aus der Schule kommen und Interesse an Berufen in der Medienbranche haben. Zu diesem Event ist geplant, einen Postproduktions-Manager einzuladen, der für ein großes Filmstudio arbeitet. Er wird die Sicht der Studios auf die Postproduktion erklären und worauf sie besonderen Wert legen. Dann planen wir ein Postproduktions-Team einzuladen, das für eine aktuelle große Serie oder an einem Kinofilm arbeitet. Sie werden von ihrer täglichen Arbeit berichten.

Für die Streaminganbieter ist es auch interessant. Es werden immer mehr Anbieter, die auf den Streamingmarkt drängen und produzieren wollen. Auch sie stehen vor einem Fachkräftemangel. Das ist ein Punkt, an dem wir mit den Plattformen zusammenarbeiten können. Dies kann eine Win-Win-Situation sein. Wir als Verband können so mehr Mitglieder gewinnen, was uns bei nationalen Verhandlungen mit TV-Sendern stärkt. Aber auch die Plattformen gewinnen, da wir uns so mehr um die Nachwuchsarbeit kümmern können, speziell wenn es um die Schnittassistenzen geht. Von denen gibt es viel zu wenige.

Warum sollten die nationalen Verbände zusammenarbeiten?
Diese Frage kann ich am besten mit einem aktuellen Beispiel beantworten. Wir haben festgestellt, dass die Kolleginnen und Kollegen aus Südafrika immer mehr von großen englischsprachigen Content-Herstellern ausgenutzt werden, um Formate wie „Love Island“ zu schneiden. Daraufhin hat der israelische Verband sich mit den Südafrikanern zusammengeschlossen, um eine gemeinsame Initiative im Namen von TEMPO zu starten, die dafür sorgen sollte, dass die Editierenden in Kapstadt genau so viel Gage bekommen wie in Jerusalem. Denn wir möchten, dass am Ende nach fachlicher Qualität bezahlt wird und nicht nach der Herkunft.

Welche langfristigen Ziele ergeben sich daraus?
Langfristig ist einer unserer Ziele, die Postproduktion weltweit zu standardisieren, gerade wenn man mit Firmen wie Amazon oder Netflix zusammenarbeitet, die weltweit produzieren. Sie haben auch Erwartungshaltungen gegenüber der Postproduktion. Wenn man sich hier besser abspricht und internationale Standards setzt, lassen sich Reibungsverluste reduzieren und die Produzenten müssen sich nicht jedes Mal neu einstellen, wenn sie ein Projekt in anderen Ländern starten. Denn sie können davon ausgehen, dass die Abläufe überall gleich oder zumindest sehr ähnlich sind. Die Standardisierung bezieht sich aber auch auf das Thema Bezahlung. Es erschließt sich mir nicht, warum ein Editor mit 10 Jahren Erfahrung die Hälfte an Gage bekommt, nur weil er in Südafrika lebt.

Was hat dich persönlich dazu bewegt, TEMPO ins Leben zu rufen?
Ich bin ein großer Freund des internationalen Austausches. Ich selbst arbeite viel im Ausland. TEMPO kann einem so besser und schneller Kontakte zum jeweiligen nationalen Verband des Landes herstellen, in dem man arbeiten möchte. Darüber bekommt man auch bessere Informationen, welche Gepflogenheiten es in einem Land gibt, die man als Ausländer nicht kennt. In Frankreich ist es zum Beispiel nicht möglich, auf Rechnung zu arbeiten. Eine Produktion ist dazu verpflichtet, die Editierenden für die Produktionszeit einzustellen. Ich selbst bin schon in diese Falle getappt und stehe nach drei Jahren immer noch vor Gericht, um mein Geld für die damalige Produktion zu bekommen. Doch jenseits von diesen nationalen Gepflogenheiten habe ich festgestellt, dass Editierende, egal woher sie kommen, eine ähnliche oder sogar gleiche Sprache sprechen und mit den gleichen Problemen konfrontiert sind. TEMPO bringt uns über die Landesgrenzen hinaus zusammen. Diese Vorzüge motivieren mich persönlich für mein Engagement bei TEMPO. [14600]

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