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Live-Übertragung mit IP-Technologie

Unsichtbare Produktion

Ein denkmalgeschützter Holzpalast, ein Chopin-Konzert und kein Spielraum, in Raum und Ablauf einzugreifen: Producer Marcin Andrzejewski musste eine Live-Aufführung unter Bedingungen aufzeichnen, die klassische Produktionsmethoden praktisch ausschlossen.

Blackmagic Design IP-Live Chopin
Foto: Marta Weronika Pawłowska

Das Chopin-Festival zählt zu den wichtigsten Kulturveranstaltungen Polens. Organisiert von Polskie Radio in Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Kultur und Kunst in Kalisz, findet es im historischen Jagdschloss der Fürsten Radziwiłł in Antonin statt – einem vollständig aus Holz errichteten Bau von 1822. Sechs Tage lang treten hier etablierte Pianisten und Nachwuchstalente auf, jeder Auftritt im selben Salon, in dem bereits Frédéric Chopin selbst spielte. Mit der geplanten Fernsehaufzeichnung stiegen jedoch die Anforderungen an die Produktion deutlich. Denn die technische Umsetzung durfte weder in die Substanz des Gebäudes eingreifen noch die akustisch sensible Umgebung beeinträchtigen.

Mit der Umsetzung wurde relacje.video beauftragt. Marcin Andrzejewski, Gründer und Produktionsleiter des Unternehmens, entwickelte dafür einen Live-Workflow, der den besonderen Bedingungen des Ortes Rechnung trägt und technische Eingriffe auf ein Minimum reduziert.

Kulturerbe bewahren

Der 1822 errichtete Holzbau gilt als seltenes Beispiel klassischer Architektur und ist bis heute als nationales Kulturerbe erhalten. Seine besondere Akustik macht ihn zu einem idealen Ort für Klavierkonzerte in kleinem Rahmen. Doch die Gegebenheiten des historischen Gebäudes stellen Produktionen vor erhebliche Herausforderungen. „Man kann hier nicht einfach mit Equipment arbeiten“, sagt Andrzejewski. „Wir durften weder bohren noch Kabel fixieren oder in die Substanz eingreifen. Alles musste so schonend wie möglich umgesetzt werden.“

Die zentralen Anforderungen ließen sich auf drei Punkte verdichten: Lärm, Zugang und Bildqualität. Während der Aufführungen durfte sich das Team praktisch nicht bemerkbar machen. Gleichzeitig waren aber 4K-Bilder in Sendequalität für die lineare Ausstrahlung und Social Media gefordert. Klassische Setups mit freier Verkabelung und direktem Zugriff auf die Kameras waren unter diesen Bedingungen kaum realisierbar.

Blackmagic Design IP-Live Chopin
Kontrolle aus der Distanz: Marcin Andrzejewski steuerte Bildmischung und Kameras von einer Position hinter dem Publikum. (Foto: Marta Weronika Pawłowska) (Bild: Marta Weronika Pawłowska)

Kompakte IP-Konfiguration

Um die Eingriffe in den Raum so gering wie möglich zu halten, setzte die Produktion auf eine kompakte IP-basierte Struktur. Zum Einsatz kamen vier Blackmagic Studio Camera 6K Pro, die unauffällig an den Rändern des Aufführungsraums positioniert wurden und in 4K aufzeichneten. Jede Kamera war über ein einzelnes 10G-Ethernet-Kabel mit einem Blackmagic 2110 IP Converter 4x12G PWR verbunden, der Stromversorgung, Signalübertragung und Fernsteuerung bündelte. „Durch die Verwendung von IP konnten wir das Setup übersichtlich und leise halten“, sagt Andrzejewski. „Es gab keine sperrigen Kabel, keine verteilten Konverter, nur ein Kabel pro Kamera und vollständige Steuerung von der Galerie aus.“

An dieser Kontrollposition hinter dem Publikum arbeitete Andrzejewski mit einem ATEM Television Studio HD8 ISO, um das Live-Bild zu mischen und parallel alle Kamera-ISOs als H.264-Proxys aufzuzeichnen. Gleichzeitig ließ sich der gesamte Kamera-zugriff aus der Distanz steuern. Belichtung, Fokus und Bildausschnitt konnten in Echtzeit angepasst werden, ohne im Raum selbst anwesend sein zu müssen. „Das war entscheidend“, so Andrzejewski. „Selbst das Geräusch eines Fußschritts wäre auffällig gewesen.“ Die Möglichkeit, alle Kameras zentral zu kontrollieren, reduzierte nicht nur die physische Präsenz im Raum, sondern ermöglichte auch eine Arbeitsweise, die sich vollständig in den Hintergrund verlagern ließ.

Der Zugriff auf die ISO-Aufnahmen jeder Kamera sowie eine DaVinci-Resolve-Projektdatei mit den Live-Schnitten beschleunigten zudem die Postproduktion. Erste Schnittfassungen konnten häufig bereits am Morgen nach dem Konzert bereitgestellt werden, obwohl die Aufführungen erst spät am Abend endeten.

Blackmagic Design IP-Live Chopin
Ein einziges 10G-Ethernet-Kabel pro Kamera übernahm Stromversorgung, Signalübertragung und Fernsteuerung. (Foto: Marta Weronika Pawłowska) (Bild: Marta Weronika Pawłowska)

Bild für den Ton

Der Ton wurde von Tontechnikern des Polskie Radio betreut, die aus einem Übertragungswagen heraus arbeiteten und live im nationalen Radio sendeten. Parallel dazu lief Bildproduktion in 4K und Sendequalität für die Ausstrahlung im polnischen Fernsehen sowie die Online-Verwertung. „Polskie Radio ist in erster Linie ein Audiomedium, aber ein Klavierkonzert ist auch etwas, das man sieht“, sagt Andrzejewski. „Die Art und Weise, wie sich ein Pianist bewegt, sein Anschlag auf den Tasten, all das prägt, wie Musik wahrgenommen wird. Und dann ist da noch der Antonin-Palast selbst, der mehr als nur eine Kulisse ist!“

Das Bild rückte somit nicht nur den Pianisten in den Fokus, sondern auch den historischen Raum und das kulturelle Umfeld der Aufführung. Das Material wurde im Anschluss auf YouTube und über die sozialen Medien veröffentlicht und diente den beteiligten Künstlern als Präsentationsgrundlage. „In der heutigen Medienlandschaft braucht auch klassische Musik eine visuelle Ebene, um ein jüngeres Publikum zu erreichen“, so Andrzejewski. Der eingesetzte IP-Workflow erwies sich dabei als stabil und effizient und soll künftig weiter ausgebaut werden. [15622]

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