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Die Grading-Software Colourlab.ai im Test

Farbe mit Köpfchen

Farbkorrektur und -matching wie ein professioneller Colorist auf Basis von Künstlicher Intelligenz – das verspricht die Software Colourlab.ai. Wir haben für das Heft 1–2.2021 getestet, was das Programm kann und für wen es geeignet ist.

Künstliche Intelligenz und Deep Learning sind die Technologien unserer Zeit. Beim iPhone, einer Fotokamera, Bildbearbeitungs-Software oder bei einem Smart-Speaker denken nun die Geräte für den Anwender mit. So erhält KI seit einiger Zeit auch Einzug in den Medienbereich. Einige Bildbearbeitungsprogramme können bereits selbstständig erkennen, was bei hinzugefügten Fotos optimiert werden kann und sogar, wie . Hautunreinheiten werden eigenständig erkannt und wegretuschiert. Solche Features sind mittlerweile auch in Klassikern wie Photoshop integriert. Aber was bedeutet eigentlich Künstliche Intelligenz? Im Wesentlichen stecken dahinter Algorithmen, also komplexe mathematische Bedingungen und Formeln, die Muster erkennen und darauf abgestimmt handeln können. Damit lassen sich besonders gut wiederkehrende Aufgaben automatisieren – und hier wird es für professionelle Farbkorrekturen interessant. Eine grundlegende primäre Farbkorrektur und die Farbabstimmung zwischen unterschiedlichen Kameras bedeuten für Coloristen oft viel Arbeit. Das haben auch die Gründer von Colourlab.ai erkannt. Dado Valentic arbeitet seit ge- raumer Zeit als Colorist, setzt vor allem HDR-Produktionen technisch um und berät bei großen Produktionen. Bei der ersten Netflix HDR-Produktion „Marco Polo – Staffel 2“ war er für die Umsetzung des HDR-Formats zuständig. Als Lösung für die besagten Probleme stellt er eine Software vor, die automatisiert und non-destruktiv Videos analysiert und aneinander anpasst.

Workflow und Benutzeroberfläche

Nach wie vor ist DaVinci Resolve die unangefochtene Spitze in der professionellen Farbbearbeitung für Videos bei Produktionen bis hin größten Kinoproduktionen. Um nicht auf die Resolve verzichten zu müssen, können beim öffnen von Colourlab.ai automatisch die Clips aus einer geöffneten DaVinci-Resolve-Timeline heraus geladen werden. Danach folgt die Festlegung der Farbräume der verwendeten Kameras. Unterstützt werden dabei alle wichtigen Video- und RAW-Formate. Danach sollte der End-Farbraum ausgewählt werden. Standardmäßig steht hierbei die Auswahl auf Rec. 709. Aber auch verschiedene andere Farbräume einschließlich Netflix HDR stehen hier zur Verfügung. So besteht die Möglichkeit, das gleiche Projekt für HDR und SDR auszuspielen.

Die Primaries-Wheels sind für Benutzer von Farbkorrektur-Software kein Neuland.

Sind die Clips importiert, erscheinen sie ähnlich wie in DaVinci Resolves Color-Fenster nebeneinander. Danach kann ein Clip angepasst werden und Colourlab.ai matcht entweder einzelne andere Clips beziehungsweise ganze Szenen oder alles nach einem festgelegten Reference-Frame. Dabei können auch externe Frames oder der Look eines Lieblingsfilms benutzt werden. Ist das Matching beendet, gibt es noch zahlreiche Änderungsmöglichkeiten. Ist das Ergebnis nicht zufriedenstellend, lässt sich der verwendete Algorithmus der Anpassung ändern. Dabei stehen Insgesamt zwölf unterschiedliche Modi zur Verfügung. Damit soll es möglich sein, jeden Shot passend an die Vorlage anzupassen. Sollte das Ergebnis immer noch nicht wie gewünscht sein, erlauben vertraute Lift-, Gamma- und Gain-Controls einen feineren Eingriff. Sind die Bearbeitungen beendet, ermöglicht Colourlab.ai, die Shots als einzelne Dateien herauszurendern. Die Verbindung mit DaVinci Resolve funktioniert aber nicht nur in eine Richtung – die fertigen Videos lassen sich mit einem Klick wieder zurück zu DaVinci Resolve bringen. Für die Bearbeitungen legt Colourlab Nodetrees an und erstellt LUTs, die auf die Shots angepasst werden. Änderungen an den Primaries aus Colourlab.ai werden eins zu eins auf DaVinci Resolve übertragen.

Praxis

In unserem Test haben wir teils eigenes, teils fremdes Material als Footage benutzt und in DaVinci Resolve geschnitten. Mit einem Klick waren die Clips in Colourlab.ai sichtbar. Wenn man einen Frame aus einem anderen Projekt als farbliche Grundlage importiert, funktionierte auch das Matching größtenteils hervorragend. An vielen Stellen spürt mal deutlich, dass Colourlab.ai für professionelle Produktionen gedacht ist. Bei Shots, die auf Anhieb etwas seltsam aussahen, half ein Klick auf die Enter-Taste und die manuelle Auswahl des zugrunde gelegten Algorithmus. Auch der Export zurück zu DaVinci Resolve ging schnell vonstatten. Insgesamt ließen sich für den investierten Zeitaufwand sehr ansprechende Ergebnisse erzielen.

Gefällt das Endergebnis nicht, so kann zwischen zwölf unterschiedlichen Algorithmen gewählt werden.

Fazit

Colourlab.ai ist ein durch und durch professionelles Produkt, was man nicht zuletzt an der Preisgestaltung festmachen kann. So kommt eine Jahreslizenz für Colourlab.ai mit 999 US-Dollar daher. Die Entwickler vermarkten das Tool aber ganz klar als Mittel zur Zeitersparnis und als eine Art virtuellen Mitarbeiter. Für projektbezogene Benutzung gibt es eine monatliche Lizenz für 99 US-Dollar. Eine Testversion ist auch vorhanden. Sie verfügt über alle Funktionen der Vollversion – lediglich ein Export ist aus der Software nicht möglich.

Alles in allem macht Colourlab.ai einen starken Eindruck. Besonders das Zusammenspiel mit DaVinci Resolve sowie die Kombination aus Geschwindigkeit und Präzision machen das Tool zur richtigen Wahl für ein breites Spektrum an unterschiedlichen Anwendungen. Ob die Software allerdings den Sprung in die High-End-Bearbeitung von Kinofilmen schafft, bleibt erst einmal abzuwarten. Da sind doch leichte Zweifel angebracht, denn ob Regisseure, DoPs und Coloristen ihr kreatives Denken einem Rechner überlassen möchten, ist sehr die Frage. Wenn es allerdings um Projekte geht, bei denen mit überschaubarem Zeitaufwand überzeugende Ergebnisse entstehen sollen, ist die Software gerade mit den schon angekündigten zukünftigen Features eine spannende Neuentwicklung, die der moderne Filmemacher auf dem Schirm haben sollte.  [13956]

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