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Infrastruktur im Wandel

Generationswechsel bei Sommer Cable

Als Sohn des Mitgründers Rainer Blanck gehört Maximilian Blanck zur zweiten Generation an der Spitze von Sommer Cable. Gemeinsam mit seiner Schwester führt er das Familienunternehmen in eine Zeit, in der klassische Kabeltechnik, IP-Netzwerke und hybride Produktionsumgebungen zunehmend zusammenwachsen. Er sprach mit uns über diesen Wandel und die Rolle moderner Infrastruktur.

Sommer Cable
Die nächste Generation bei Sommer Cable: Maximilian Blanck und Marie-Kathrin Huber mit Firmengründer Rainer Blanck (Foto: Sommer Cable, incrediblephoto/Shutterstock)

Sommer Cable steht seit über 25 Jahren für klassische professionelle Infrastruktur. Wie verändert sich dieses Geschäft aktuell?
Die grundlegende Aufgabe ist unverändert geblieben: die Anforderungen unserer Kunden und dem Markt zu verstehen und passende Anschlusslösungen insbesondre Kabel und Steckverbinder für den jeweiligen Anwendungsfall zu bieten.  Früher waren Audio, Video und Steuerung oft getrennte Welten. Heute verschmelzen sie zunehmend in vernetzten, IP-basierten Infrastrukturen. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Bandbreite, Flexibilität und Skalierbarkeit. Für uns bedeutet das, dass wir nicht mehr nur einzelne Kabel entwickeln, sondern komplette Signalwege und Systemlösungen betrachten und entwickeln. Infrastruktur wird zunehmend zum strategischen Bestandteil moderner Produktionsumgebungen – vom Studio über den Ü-Wagen bis hin zum Internet Live-Stream.

Mit dem Wechsel in der Geschäftsführung im Oktober 2024 hat bei Sommer Cable sichtbar ein Generationswechsel stattgefunden. Was möchten Sie bewusst weiterführen und was möchten Sie verändern?
Mein Vater Rainer Blanck hatte das Unternehmen 1999 zusammen mit Friedhelm Sommer gegründet und nach und nach aufgebaut. Seit 2024 sind meine Schwester Marie-Kathrin Huber und ich und damit als nächste Generation mit in der Geschäftsführung. Wir setzen hier neben den vielfältigen Aufgaben als Geschäftsführer verschiedene Schwerpunkte, meine Schwester fokussiert sich vermehrt auf die Themen Digitales und Marketing, während ich das Produktmanagement und den Vertrieb im Blick habe. Strategisch ist unser Ziel, den Mix aus Tradition und Weiterentwicklung fortzuführen. 

Traditionell sind wir bei Sommer Cable nah an unseren Kunden und versuchen immer eine einfache und qualitativ hochwertige Lösung zu finden. Daran wird sich weiterhin nichts ändern. Natürlich gibt es auch Punkte, in denen wir uns weiterentwickeln werden.Themen wie Digitalisierung treiben wir konsequent voran. Unsere neue Website www.sommercable.com ist ein sichtbares Beispiel. Für mich ist entscheidend, dass wir uns nicht nur als Hersteller verstehen, sondern Lösungspartner inklusive Beratung, Entwicklung und Support für unsere Kunden sind.

Inwiefern hat sich die Kundschaft verändert, weg vom reinen Broadcast- oder Live-Entertainment-Markt hin zu hybriden Produktions- und eventuell sogar Creator-Workflows?
In erster Linie bleiben die Kunden im professionellen Bereich die gleichen, ihre technischen Möglichkeiten ändern sich allerdings. Der stetige Wandel von analogen hin zu digitalen Übertragungsmöglichkeiten ist seit Jahrzehnten ein stetiges Thema bei uns und zwingt uns natürlich auch, neue Produkte zu entwickeln. Allerdings ist es mittlerweile auch für Laien deutlich einfacher, Inhalt zu generieren und zu verteilen. So wurde das Thema Live-Streaming, auch vorangetrieben durch die Covid-Pandemie, schlagartig der breiteren Masse zugänglich. Besonders UHD-SDI-Kabel und HDMI-Kabel waren damals stark nachgefragt. Der Anspruch an Kabel ist aber sowohl beim Laien als auch beim professionellen Anwender, dass es für den vorgesehenen Anwendungsfall funktionieren muss. 

Viele Produktionen werden kompakter, mobiler und schneller. Welche Auswirkungen hat das
auf Infrastruktur und Verkabelung, Stichwort IP-Produktion?
Hier sind vor allem drei unserer Produktgruppen relevant: CAT-, Glasfaser- und Hybridkabel. Früher wurden teilweise mehrere Kupferleitungen gleichzeitig oder Multicores zwischen den Geräten verlegt. Heutzutage benötigt man lediglich eine CAT-Leitung, aus Redundanzgründen eventuell auch zwei, um die gleiche Produktion realisieren zu können. Bei längeren Verbindungen ist Glasfaser auf Grund des leichteren Gewichts und den höheren Übertragungsraten das Mittel der Wahl und ein
 entscheidender Faktor für moderne Broadcast- und Stadioninfrastrukturen. Ein konkretes Beispiel hierzu ist die „eXTreme eXTender“ (XT2)-Serie in Kombination mit dem Hicon Hi-Fiber4-System. Damit lassen sich Video- und Datensignale wie HDMI, USB, SDI oder Ethernet unkomprimiert über Glasfaser übertragen.

Gleichzeitig wächst der Bedarf an hybriden Lösungen, die Stromversorgung und Signalübertragung in einem Kabel vereinen. Anwender wollen weniger Leitungen verlegen und nur ein Kabel stecken. Genau darauf zielen viele unserer aktuellen Entwicklungen wie etwa unser neues SC-Monocat 303 ab. Der Anspruch lautet: maximale Leistung bei minimalem Installationsaufwand.

Wir hören viel über Kameras, AI oder Cloud-Workflows, aber selten über Signalwege. Wird Infrastruktur unterschätzt?
Kabel und Infrastruktur werden erst dann wahrgenommen, wenn etwas nicht funktioniert. Dabei ist die Infrastruktur sowohl im Stadion, im Studio als auch auf Tour die Grundlage jeder funktionierenden Produktion. Wenn ein Kabel nicht exakt zum Einsatzzweck passt oder qualitativ minderwertig ist, entstehen Störungen, Signalverluste oder im schlimmsten Fall Ausfälle. Es ist sehr ärgerlich, wenn dadurch in der Veranstaltungstechnik eine Show ausfällt oder bei Gebäudeinstallationen ein Kabel nach Fertigstellung aufgrund eines Defekts getauscht werden muss. Für uns sind Kabel deshalb nicht nur einfaches Zubehör, sondern wichtiger Bestandteil der Signalkette. Das beginnt bei der Materialauswahl und geht über die Konstruktion bis hin zu Tests unter realen Bedingungen. 

Wie schwierig ist es heute noch, in Europa beziehungsweise Deutschland qualitativ hochwertige Technikproduktion aufrechtzuerhalten?
Internationale Wettbewerbsstrukturen und schnelle Transportmöglichkeiten erhöhen schon seit einiger Zeit preistechnisch den Druck auf europäische oder deutsche Hersteller. Allerdings sehen wir bei Sommer Cable einen stetigen, sogar wachsenden Bedarf an verlässlicher Qualität, technischer Dokumentation und langfristiger Produktsicherheit. Gerade in professionellen Anwendungen zählen nicht nur Anschaffungskosten, sondern Service, Flexibilität, Produktverfügbarkeit und schnelle Lieferzeiten. Genau auf diese Punkte fokussieren wir uns, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Angesichts der aktuellen Krisen und der dadurch steigenden Transportkosten und volatilen Lieferketten sehe ich für uns in Deutschland eher als Chance wieder vermehrt lokal zu kaufen und zu produzieren. Der einzige Hemmschuh ist hier die selbstgemachte Bürokratie. Um weiterhin unsere Fertigung aufrecht zu erhalten, müssen, neben den passenden Marktbedingungen, natürlich auch Nachwuchskräfte gefördert und gefunden werden. Aber auch hier sehe ich uns als Ausbildungsbetrieb gut aufgestellt. Kurzgefasst: Es ist nicht einfach, aber auch nicht unmöglich. 

Sommer Cable wirkt trotz internationaler Präsenz immer noch mittelständisch und familiär geprägt. Ist das aktuell eher eine Stärke oder eine Herausforderung?
Für uns ist das klar eine Stärke. Wie schon erwähnt sind kurze Entscheidungswege, die ein familiäres Unternehmen mit sich bringt, und die Nähe zu Kunden ein großer Vorteil. Wir können schnell auf Anforderungen reagieren, individuelle Lösungen entwickeln und Feedback direkt in neue Produkte einfließen lassen. 

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