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die.Verbreiter: doppelte Distribution für O₂

Vertical TV: Zwei Streams, ein Operator

Vertical Video hat sich vom Social-Media-Format zu einem Distributionskanal entwickelt, der mittlerweile auch klassische Produktionsumgebungen erreicht. Wie sich horizontale und vertikale Ausspielwege parallel denken lassen, zeigt ein Setup, das Dirk Heinrich, Inhaber der Berliner Produktionsfirma die.Verbreiter, für einen konkreten Anwendungsfall entwickelt hat.

Vertikal TV
Foto: die.Verbreiter

Ausgangspunkt ist eine mehrkamerabasierte Talkproduktion im BASECAMP von O₂ Telefónica in Berlin. Dort werden vor Publikum politische Diskussionsformate produziert und live gestreamt. Neben dem klassischen 16:9-Signal entsteht dabei parallel eine vertikale Fassung in 9:16 für Social-Media-Plattformen wie etwa Instagram. Dahinter steht die Idee, dass Inhalte dort stattfinden sollen, wo sie genutzt werden. Im mobilen Kontext geschieht das zunehmend im Hochformat. „Wir wollten herausfinden, ob sich unsere bestehenden Produktionen nicht auch direkt für Plattformen wie Instagram oder TikTok nutzbar machen lassen“, erläutert Dirk Heinrich. Ziel sei es, neue Zielgruppen zu erreichen, ohne eine zweite, vollständig eigenständige Produktion aufsetzen zu müssen.

Technisch basiert das System auf einer NDI-Infra-struktur mit zwei parallel laufenden Regieumgebungen. Die Kamerasignale werden gleichzeitig in beide Systeme gespeist, die Grafiksteuerung erfolgt über vMix. Bauchbinden, Einspieler und weitere Overlays werden über Trigger automatisiert in beiden Formaten ausgespielt – horizontal und vertikal synchron, aber in jeweils an das Format angepasster Gestaltung. Der zusätzliche technische Aufwand bleibt dabei überschaubar. „Der Aufbau macht vielleicht eine halbe bis dreiviertel Stunde mehr Arbeit“, erläutert Dirk Heinrich. Ansonsten reichen ein zweites Schnittsystem, zusätzliche Outputs und eine angepasste Signalführung, um die vertikale Produktion parallel zu realisieren.

Während einzelne Kameras ausschließlich für das vertikale oder das horizontale Format eingerichtet werden, lassen sich andere Kameras für beide Ausspielwege nutzen. Der Bildausschnitt wird dann durch einen entsprechenden Crop eingerichtet. Damit das Personal dabei nicht blind fahren muss, hilft eine digitale Maskierung, die auf einen Monitor überlagert wird, den Operatoren dabei, beide Bildausschnitte gleichzeitig im Blick zu behalten. „So sehen wir ganz genau, welcher Ausschnitt später vertikal und welcher horizontal genutzt wird und können das Bild passend ausrichten.“

In dem Setup von die.Verbreiter wird der horizontale und der vertikale Stream von einer einzigen Person geschnitten, die mit zwei Bildmischern pa-rallel arbeitet. Die Kamerabelegung ist dabei identisch organisiert, sodass sich beide Bildwelten logisch entsprechen. „Die Eins ist der Moderator, die Zwei die Totale – nur dass es im vertikalen Mix eine andere Kamera ist“, beschreibt Dirk Heinrich das Prinzip. Dennoch bleibt die doppelte Entscheidungsebene anspruchsvoll. Horizontalformat und vertikaler Feed können sich in der Schnittkadenz durchaus unterscheiden. „Manchmal lasse ich im Vertikalen einfach länger drauf, während ich horizontal schon wieder umschneide.“

Wirtschaftlich funktioniert dieser Ansatz vor allem in standardisierten Produktionsumgebungen. Da Grafiken, Abläufe und Setups weitgehend wiederverwendet werden, hält sich der Mehraufwand in Grenzen. In variableren Produktionen dürfte die Parallelproduktion deutlich schwerer skalierbar sein.

Interessant ist der Ausblick, den Dirk Heinrich über den konkreten Anwendungsfall hinaus formuliert. Gemeinsam mit Partnern arbeitet sein Team aktuell an einem Konzept für einen vollständig vertikalen Lokalnachrichtenkanal, der als 24/7-Livestream, ausschließlich über digitale Plattformen ausgespielt werden soll. „Wir machen Lokalfernsehen – aber vertikal“, fasst er den Ansatz zusammen. Die Motivation dahinter ist ebenso pragmatisch wie strategisch: Während klassische Verbreitungswege über Kabel und Satellit für lokale Anbieter kaum noch wirtschaftlich darstellbar sind, eröffnen vertikale Streamingformate neue Zugänge zu Publikum und Reichweite.

Heinrich geht noch einen Schritt weiter und versteht die Idee als Teil eines grundlegenden Wandels: Klassisches lineares Fernsehen werde in den kommenden Jahren stark an Bedeutung verlieren: „In zehn, spätestens 15 Jahren wird es das so kaum noch geben. Der Großteil läuft dann online.“ Broadcast ohne TV ist damit bereits Praxis – und läuft auch nicht mehr zwingend im Format 16:9. [15628]

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