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Ausbildung und Weiterbildung

Kameramann, Operator & Co: Berufe rund um die Kamera

Die professionelle Arbeit mit einer Kamera erfordert jahrelange Übung, weitreichende Kenntnisse und viele Fähigkeiten. Doch welche Aufgabenbereiche gibt es überhaupt und wie ist es möglich in einem der speziellen Felder zu arbeiten, obwohl es dazu vielleicht keine direkten Ausbildungsmöglichkeiten gibt?

Drehsituation
Schärfenassistent Daniel Wannberg (r.) mit DP Ari Willey bei Miss Kicki (Håkon Liu, SE/TW 2009). (Bild: Migma Film/Wu CChi-wei/nh)

Die folgende Übersicht geht genauer auf die wichtigsten Jobs rund um die Kamera ein:

Kameramann/Kamerafrau,
Director of Photography (DP)

Die Berufsbezeichnung »Kameramann« oder »Kamerafrau« umfasst je nach Einsatzgebiet verschiedene Tätigkeitsbereiche. Bei der Spielfilmproduktion obliegt der verantwortlichen Kamerafrau oder dem verantwortlichen Kameramann – im folgenden der Kürze halber »DP« wie »Director of Photography« genannt – in der Vorproduktionsphase die Einschätzung der benötigten Ausrüstung und der geeigneten Trägermaterialien für die Aufnahme.

Häufig stellt er oder sie auch das Kamerateam selbst zusammen. Ferner befasst sich der DP zusammen mit Regie, Szenenbild, Maskenbild und Kostümbild vorher eingehend mit den Motiven, Drehorten, Farben und gewünschten Stimmungen des Films. Ferner wird mit dem DP beim Spielfilm in der Regel vorher auch eine genaue Szenenauflösung erarbeitet, oft auch noch ein Storyboard. Beim Dreh ist der DP für die Ausleuchtung des Sets, die Bildkomposition und die Kameraführung verantwortlich, wobei letztere bei großen Produktionen auch einem »Schwenker« oder »Operator« anvertraut werden kann.

EB-Kamera und VJ

Für Fernsehberichterstattung und kürzere dokumentarische Formate arbeiten Kameraleute oft in sogenannten EB-Teams (»elektronische Berichterstattung«). Seit einigen Jahren kommt aus Kosten- und Flexibilitätsgründen immer häufiger auch ein Videojournalist oder VJ zum Einsatz. Der VJ ist aber in der Branche etwas umstritten, da er in vielerlei Hinsicht kein dreiköpfiges EB-Team (bestehend aus Redakteur/in, Kamera und Kameraassistenz/Ton) ersetzen kann, dieses am Markt aber bisweilen verdrängt.

Bezeichnungen und Ausbildung

Die Begrifflichkeit ist im deutschen Sprachgebrauch ein gewisses Problem, denn anders als im angloamerikanischen oder romanischen Sprachgebrauch ist hier »Kameramann« mal derjenige, der auf Anweisungen arbeitet (»Schwenker«, »EB- Kameramann«), mal aber aber auch derjenige, der eigenverantwortlich für die Bildgestaltung zuständig ist. Im Englischen gibt es für letzteres den Begriff des »director of photography« (DP oder DoP) oder »cinematographer«, im Französischen »directeur de la photographie«.Der Beruf Kameramann/Kamerafrau ist in Deutschland kein anerkannter Ausbildungsberuf.

Laut dem deutschen Bundesverband Kamera (BVK) haben sich folgende Zugangswege bewährt: Lehre als Fotograf/Lichtbildner; Lehre oder Praktikum im Kopierwerk, um alle Arbeitsabläufe kennenzulernen; Lehre oder Praktikum in einem Geräteverleih, um alle Kamerasysteme kennenzulernen; Lehre als Mediengestalter Bild/Ton. Seit einigen Jahren bieten verschiedene Hochschulen ein Studium zum Diplom-Kameramann an, außerdem gibt es verschiedene Studiengänge, die das Fach Kamera als Ausbildungsteil mitanbieten. Sonderqualifizierungen sind unter anderem Trickkamera, Unterwasserkamera, Luftaufnahmen und Steadicam.

Kameraassistenz

Kameraassistenz ist ein eigenständiger Beruf, oft auch eine Vorstufe zum DP. Der Tätigkeitsbereich umfasst die handwerkliche, technische und in begrenztem Maße auch organisatorische Mitarbeit bei der Erstellung von Film-, Fernseh- und sonstigen Bewegtbild-Produktionen. Aufgegliedert nach Produktionsphasen hat der Kameraassistent verschiedene Aufgaben zu erledigen. Dazu gehören unter anderem das Lesen des Drehbuchs hinsichtlich spezieller Aufnahmetechniken und des dazu erforderlichen Equipments. Während des Drehs ist er für den ordnungsgemäßen Zustand der Kameras verantwortlich, aber auch für das Zuspielen von Videosequenzen oder anderen Einspielfilmen.

Beim szenischen Film und bei allen aufwendiger gestalteten Filmformen ist zudem eine der wichtigsten Aufgaben des Ersten Kameraassistenten die manuelle Einstellung der Schärfe am Aufnahmeobjektiv nach vorheriger Messung und Markierung und mittels Beobachtung während der Aufnahme, was außerordentlich viel Übung und Erfahrung braucht. Und was gute »focus puller« zu gefragten und sehr gut bezahlten Filmschaffenden macht!

Ein Zweiter oder Materialassistent (englisch: »loader«, weil er den Rohfilm in die Filmkassetten einlegt und das belichtete Material wieder aus ihnen auslegt) unterstützt die Arbeit des ersten Kameraassistenten. Zu seinem Tätigkeitsbereich gehören zum Beispiel die Beschaffung der Verbrauchsmaterialien und die Verwaltung des belichteten Materials bis zur vollständigen Übergabe an die Produktionsfirma oder Postproduktion.

Neu hinzugekommen ist bei digitalen Drehs ein Data Wrangler, entweder als Bezeichnung für den Materialassistenten oder als eine eigene, diesen ergänzende Position. Der Data Wrangler kümmert sich um das korrekte Abspeichern, Sichern und Weitergeben der Aufnahmedaten aus der Kamera und/oder dem Rekorder. Beim klassischen Dreh auf Film gibt es meist auch einen Video-Operator, der die von der Filmkamera kommende Videoausspiegelung der Aufnahmen betreut und für das Team verfügbar hält.

Diese Position ist oft mit Praktikanten besetzt.Kameraassistenz ist kein anerkannter Ausbildungsberuf. Die Beuth Hochschule für Technik in Berlin bietet ihn aber als Studiengang »Kamera« an (sie führt den Ausbildungsgang »Kameraassistenz« der ehemaligen SFOF, der Staatlichen Fachhochschule für Optik und Fototechnik, fort, die später ein Teil der Technischen Fachhochschule Berlin wurde). Wichtiger als eine theoretische Ausbildung ist aber eine praktische, etwa im Kopierwerk oder als Fotograf. Zudem führt nach wie vor der Weg über die Praxis – erst als Praktikant und dann als Materialassistent – sehr viele Kameraassistenten in den Beruf.

Operator, Schwenker 

Der Beruf Operator oder Schwenker war lange Zeit auch im deutschsprachigen Raum eine eigene Position im Mitarbeiterstab einer Filmproduktion und ist es zum Beispiel in Frankreich, England und den USA nach wie vor regelmäßig – mit eigenen, sehr selbstbewussten Berufsverbänden. Bei uns ist die Position selten besetzt. Zum Aufgabenbereich des Schwenkers gehört unter anderem die Kameraführung – die handwerklich beherrscht werden muss und sehr viel Übung erfordert –, die Umsetzung der Szenenauflösung in Kameraeinstellungen und deren technische Realisierung sowie das Wissen darum, was später im Filmschnitt zusammenpasst. Eine anerkannte Ausbildung zum Operator gibt es in Deutschland nicht, man sollte vorher aber Berufserfahrungen im Bereich szenischer Film gemacht haben.

Steadicam-Operator 

Steadicam-Operator ist mittlerweile als eigener Berufszweig innerhalb der Kamerasparte anerkannt. Steadicam erfordert spezielle Übung und kann in der Regel nicht vom DP oder vom regulären, nicht dafür trainierten Operator durchgeführt werden, diese Erkenntnis hat sich durchgesetzt. Die Voraussetzungen für die Ausübung dieses Berufes sind in puncto filmisches Verständnis mit denen für Operator geltenden weitgehend identisch.

Doch um Steadicam richtig zu beherrschen, ist regelmäßiges Training und der Besuch von Weiterbildungsmaßnahmen unbedingt erforderlich. Steadicam-Einsätze finden häufig nur tageweise als Team-Ergänzung statt. Dies setzt eine hohe Flexibilität und Erfahrung des Operators voraus. Der Steadicam-Operator sollte als Spezialist in der Lage sein, eigene Vorschläge für Kamerabewegungen zu machen und dem DP auch in der Lichtgestaltung der Steadicam-Shots bei Bedarf Hilfestellung geben zu können.

Digital Imaging Technician (DIT) 

Der Digital Imaging Technician (DIT) – auch bisweilen als Bildingenieur bezeichnet, ein Beruf, den des beim Fernsehen immer schon gab – unterstützt die Kamera-Crew in ihrer technisch-kreativen Arbeit. Das relativ neue Berufsbild des DIT ist entstanden im Zuge der fortschreitenden Digitalisierung. Es gibt keine eigenständige Ausbildung zum DIT, die Voraussetzungen sind dennoch recht hoch.

Ein DIT sollte unter anderem über umfangreiches Wissen zu den gängigen elektronischen Kamerasystemen, Speichermedien und Nachbearbeitungsverfahren verfügen. Desweiteren sind Kenntnisse der Produktionsabläufe, der Optik, Fototechnik, Sensitometrie, Signal und IT-Technik von Bedeutung.Derzeit gibt es keine einheitliche und anerkannte Ausbildung zum DIT im deutschsprachigen Raum. Praktische Erfahrungen sind aber sehr von Nutzen.

Trickkamera 

Trickkamera ist eine Sonderqualifizierung für Kameraleute. Trickkameraleute sind für die Gestaltung von Trickaufnahmen (Zeichen-, Modell oder Realtrick) zuständig. Bei Fernsehsendern und Produktionsfirmen drehen Trickkameraleute meist nach den Vorstellungen von Redakteuren oder Regisseuren Trickaufnahmen für einzelne Fernsehsendungen, Industrie- oder Unterrichtsfilme. Spezialisierte Firmen bieten außerdem die komplette Produktion von Animationsfilmen an.

Licht und Grip 

Zur Tätigkeit in den Abteilungen Licht und Kamerabühne (englisch: »grip«) führt oft die Praxis, ähnlich wie bei Kameraassistenz. Hilfreich ist es aber, wenn eine Berufsausbildung mit Gesellen- oder Meisterabschluss als Elektriker (für Licht) oder Veranstaltungstechniker vorangegangen ist, insbesondere, wenn man als Oberbeleuchter (englisch: »gaffer«) oder als Hauptverantwortlicher für Kamerabühne (englisch: »key grip«) Verantwortung für eine ganze Abteilung zu übernehmen hat oder sich mit einer eigenen Firma als Filmdienstleister, meist gekoppelt mit Gerätevermietung, selbständig machen will.

 

Weiterführend: Verbände Kamera, Licht und Bühne
Austrian Association of Cinematographers – AAC (Sitz in Wien)
Bundesverband Kamera – BVK (Sitz in München)
Bundesverband der Fernsehkameraleute e.V. – BVFK (Sitz in Berlin)
Bundesverband Beleuchtung und Bühne (Kamerabühne) e.V. – BVB (Sitz in Hamburg)
Swiss Cinematographers Society – SCS (Sitz in Schlieren bei Zürich)
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