In unserer Rubrik „Drei Fragen“ stellen wir in jedem Heft eine Filmschaffende oder einen Filmschaffenden mit drei Fragen zu Arbeitsschwerpunkt, beruflichem Engagement und Freizeit vor. In unserer Ausgabe 02.2026 hat Sophie-Mayong Lenschow, Kamerafrau aus Hamburg verraten, was sie gern mit einem 1.000-Teile-Puzzle anstellen möchte und warum sie an keinem Blumentopf vorbeigehen kann.
Foto: Seemran Sharma
1. Was ist dein Arbeitsschwerpunkt? Ich bin Kamerafrau beim NDR in Hamburg und seit dem 01.01.1997 festangestellt. Mein Arbeitsalltag besteht aus täglich disponierten Einsätzen in der elek-tronischen Berichterstattung. Aus familiären Gründen arbeite ich seit über 20 Jahren in Teilzeit. Praktisch heißt das: keine „halben Drehtage“, sondern eine halbe Stelle über das Kalenderjahr gerechnet.
Diese Flexibilität ermöglicht mir sowohl regionale und tagesaktuelle Drehs als auch die vertiefende Arbeit an Feature-Produktionen. Beides hat seinen Reiz für mich. Wichtig ist mir, in kleinen und größeren Produktionen, die Zusammenarbeit mit den Menschen, die mich umgeben. Sowohl meine Kolleginnen und Kollegen, aber besonders die Verbindlichkeit mit und die Fürsorge für unsere Protagonistinnen und Protagonisten.
In den Nachrichten oder auch bei der Sportberichterstattung arbeiten wir aus guten Gründen oft mit der Sony Z750, aber der Look der Vollformat-Kameras macht mir beim Drehen viel mehr Spaß und die Abmessungen der Sony FX3 zum Beispiel ermöglichen mir aus der Hand Perspektiven, die mit den großen und schwereren Kameras nicht einfach abzubilden wären. Gerne drehe ich mit Festbrennweiten, wenn die Anforderungen des Drehs es hergeben und unsere Kameraausrüstung noch welche vorrätig hat.
Wenn ich heute alleine arbeite, im „1-er Team“, und ich Licht und Ton selbst mache und gegebenenfalls auch Material überspiele oder mit der LiveU eine Schalte durchführe, drehe ich vielleicht morgen im Mehrkamerabetrieb mit Lichtbus, Ton und Kameraassistenz eine Kochsendung. Die Vielfalt an Drehbedingungen ist groß – Hauptsache, das Team stimmt! An den kleinen Teams mag ich meine Eigenverantwortung. Es liegt an mir, auch aus den kleinen und unscheinbaren, manchmal widrigen Umständen noch möglichst ansprechende oder ansehnliche Bilder zu entwickeln.
Als Kamerafrau beim NDR habe ich die Möglichkeit, auch in verschiedenen ARD-Auslandsstudios zu arbeiten. Eine mehrjährige Entsendung kam für mich nicht in Frage, aber eine Urlaubsvertretung ist eine großartige Möglichkeit, zu reisen und ein neues Berichtsgebiet kennenzulernen. Sehr gerne habe ich mehrfach Vertretungen in Tokio übernommen.
In diesem Frühjahr war ich zum ersten Mal Mitglied der Jury für den Deutschen Kamerapreis. Ich finde es wertvoll, dass es diese Auszeichnung gibt. Für mich war es eine tolle Erfahrung, die eingereichten Beiträge gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen aus Schnitt und Kamera in einem professionellen Kontext anzuschauen, zu analysieren und schließlich auszuzeichnen.
2. Bist du in einem Verband aktiv?
Nein, ich bin nicht in Verbänden oder Gewerkschaften engagiert.
3. Wofür schlägt dein Herz außerhalb der Arbeit? Wann beginnt Freizeit? Mich entspannen manchmal kurze Momente in der Sonne mehr als ein ganzer freier Tag. Wenn dann vielleicht auch noch ein Vogel zwitschert… Ich wünsche mir die Ruhe für ein 1000-Teile-Puzzle, aber dafür ist in meinem Alltag zu viel los. Ich liebe grundsätzlich vieles, das draußen stattfindet. Das kann reiten, rudern oder joggen sein – am ehesten gehe ich aber eine Runde spazieren, gerne auch abends, vor dem Schlafengehen. Gartenarbeit ist für mich das Schönste. Ich kann selbst im Baumarkt an keinem Blumentopf vorbeigehen und probiere in meinem kleinen Garten unverdrossen alle Kombinationen und Standorte aus – nicht alles gelingt! [15614]