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DoP Dan Laustsen

Organisches Filmemachen (3)

Für Dan Laustsen entsteht die Wirkung eines Films nicht allein durch Kamera und Licht. Auch praktische Effekte, Miniaturen und die Arbeit in der Postproduktion tragen entscheidend dazu bei, dass sich die Bilder glaubwürdig und zugleich emotional anfühlen.

Frankenstein
Foto: Ken Woroner / Netflix

In der Geschichte finden Victor und die Kreatur als die beiden Hauptfiguren nicht aus ihren jeweiligen Teufelskreisen heraus. Victor überwindet den Tod seiner Mutter nicht, aus dem seine Besessenheit resultiert, die Unsterblichkeit zu ergründen. Die Kreatur wiederum findet sich gefangen im Hass ihrem Schöpfer gegenüber. Das Symbol des Kreises findet sich entsprechend in vielen Gestaltungselementen wieder. So entwickelte Szenenbildnerin Tamara Deverell beispielsweise das gesamte Labor aus wiederkehrenden Kreisformen, beginnend beim riesigen Fenster, das wiederum in mehrere Kreise aufgeteilt ist, über die Zahnräder der Dampfgeneratoren bis zum großen Schacht im Boden, der das Turmzimmer mit dem Keller verbindet.

Guillermo del Toro und Dan Laustsen bevorzugen es bekanntermaßen, so viel wie möglich in der Kamera zu lösen und mit praktischen Effekten zu arbeiten. Bei „Frankenstein“ konnten sie dabei auf die Erfahrung aus ihren vorherigen gemeinsamen Projekte zurückgreifen. Entsprechend kamen zahlreiche klassische Techniken der Filmgeschichte zum Einsatz.

So wurde der Turm Victor Frankensteins als Miniatur gebaut, unter verschiedenen Lichtstimmungen als Referenz gedreht und schließlich für seine Zerstörung real in die Luft gejagt. Auch das Labor des Protagonisten entstand nur für die finale Destruktion noch einmal als Modell. Die gesamte Erweckungssequenz der Kreatur setzt sich aus etlichen Komponenten zusammen: aus realen Sets, Miniaturen und Studiomotiven vor Greenscreen.

Dies geschah immer in Kollaboration mit der VFX-Abteilung, die entweder aus der Referenz ein überzeugendes CG-Abbild schuf oder die Miniaturszene mit CG-Elementen kombinierte, die im fertigen Film nicht mehr von den echten Elementen zu unterscheiden sind. Dadurch entsteht ein sehr organischer Eindruck.

Die VFX-Aufnahmen entstanden nicht auf der ALEXA 65 mit den THALIA-Objektiven, sondern auf einer RED V-Raptor XL mit ARRI Signature Primes. Ausschlaggebend dafür waren die hohen Bildraten der V-Raptor für die Highspeed-Aufnahmen der Explosionen sowie die Vergleich zu den 6K der ALEXA 65 höhere 8K-Auflösung, die sich für die VFX Effekte anbot.

Metaphern und Haptik

In die Maske von Jacob Elordi als Kreatur floss erheblicher Entwicklungsaufwand. Creature Designer Mike Hill orientierte sich zwar punktuell an Mary Shelleys Roman, stützte sich jedoch vor allem auf das umfangreiche Recherchematerial von Guillermo del Toro. Denn der Text selbst lässt die genaue Art der Schöpfung bewusst im Ungefähren. Ob Frankenstein mit Leichenteilen arbeitet oder eine vollständig neue Kreatur erschafft, bleibt offen.

Del Toro entschied sich für eine eigene Lesart. In seiner Version sammelt Frankenstein Kriegsopfer auf einem gefrorenen Schlachtfeld, entnimmt ihnen Gliedmaßen, setzt sie neu zusammen und erweckt sie schließlich zum Leben. Die Narben der von Mike Hill gestalteten Ganzkörpermaske folgen dementsprechend den chirurgischen Schnittführungen und den anatomischen Erkenntnissen der Epoche.

Detailreich: Gulliermo del Toro am Labor-Set (Foto: John Wilson / Netflix)

In den gelungensten Momenten verbanden Dan Laustsen und Guillermo del Toro echte Performance, praktische Effekte, Szenenbild und visuelle Effekte zu einer Einheit. Ein Beispiel dafür ist das Abtauchen der Kreatur unter das polare Eis, während sie versucht, an Bord der „Horisont“ zu gelangen. Der Shot wurde als realer Stunt auf einer beweglichen, künstlichen Eisscholle umgesetzt. Diese konnte um etwa 45 Grad kippen, den Stuntperformer aus dem Gleichgewicht bringen und ihn ins Wasser gleiten lassen, wobei er an einem Drahtrig gesichert war. Die physikalischen Abläufe waren also real, inklusive eines Wassertanks unter der Gimbalplattform.

Anschließend sinkt die Kreatur unter Wasser immer tiefer, begleitet von Luftblasen und abnehmendem Licht. Diese Passage drehte das Team als Dry-for-Wet-Sequenz. In einem schwarz abgehängten Studio wurde dichter Haze eingesetzt, während die Kreatur im Wire-Rig langsam nach unten gelassen wurde, während die Kamera in hoher Bildrate aus starker Aufsicht folgte. Mit dieser Technik hatte del Toros Team bereits bei „The Shape of Water“ reichlich Erfahrung sammeln können. Die VFX-Abteilung ergänzte später Luftblasen und Partikel, was durch die reale Referenz im Bild erheblich erleichtert wurde – und der Szene ihre überzeugende physische Glaubwürdigkeit verleiht.

Vision

Wenn Guillermo del Toro eine Szene dreht, weiß er schon sehr genau, wie er sie schneiden möchte. Editor Evan Schiff montierte nicht nur parallel zum Dreh, sondern oft parallel zum Drehtag, so dass del Toro frühmorgens mit Schiff im Editing-Trailer saß und mit der nahezu fertigen Szene vom Vortag ans Set kam. Andere Regisseure schauen Muster, Guillermo del Toro sieht sich den Rough Cut der Szene an.

Das geht nur mit einer klaren Vision. „Es ist niemals reines Coverage“, sagt DoP Laustsen. „Wir kommen immer aus einer Richtung und gehen erzählerisch in die nächste.“ Laustsen vergleicht das mit einem Ballett zwischen Kamera und Cast, weil del Toro vor allem den Fluss der Szene spürt. „Er ist ein Meister darin zu wissen, wann er in einen Shot hinein- und wieder hinausgeht“, so der DoP über seinen Regisseur. „Das ist großartig für mich als Bildgestalter.“

Das Schwenken überließ der DoP seinen Operatoren: A-Camera-Operator Gilles Corbeil, Steadicam-Operator James Frater und Crane-Operator John Stubbings. Gemeinsam mit Regisseur Guillermo del Toro sitzt Dan Laustsen dann am Monitor, der auf einem C-Stand dicht an der Kamera positioniert ist. Weit entfernte Video-Villages mögen beide nicht. „Ich bin immer dort, wo die Kamera ist“, sagt Laustsen. „Ich bin in Dänemark groß geworden und habe dort 40 oder 45 Langfilme selbst geschwenkt. Das war auch bei unserem ersten gemeinsamen Film „Mimic“ so.“

Am Ende spiegelt sich in jedem Bild nicht nur die gemeinsame Leidenschaft des Mexikaners Guillermo del Toro und des Dänen Dan Laustsen, sondern auch ihre Herkunft. Ganz konkret klebten auf jeder geschlagenen Klappe zwischen Anfang März und Ende September 2024 links oben die Flaggen Mexikos und Dänemarks. [15602]


Organisches Filmemachen: DoP Dan Laustsen dreht „Frankenstein“

Teil 1: Kreative Partnerschaft
Teil 2: Szenenbild, Farbdramaturgie und Licht
Teil 3: Effekte und Postproduktion


 

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