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DoP Andrzej Król über seine Dreharbeiten im Atomkraftwerk

Spürbare Strahlung

Für den preisgekrönten Dokumentarfilm „Atomkraft Forever“ von Carsten Rau hat DoP Andrzej Król den Abriss des AKW Greifswald gedreht. Er hat uns im Heft 4.2021 die Probleme geschildert, mit denen die Dreharbeiten in kontaminierter Umgebung verbunden waren.

War es Ihnen aufgrund der Strahlenbelastung nicht zu riskant, in einem AKW zu drehen?
Ich hatte keine Angst. Wir wurden vorab aufgeklärt und das klang recht harmlos. Im AKW Greifswald gehen jeden Tag tausende Menschen ein und aus. Wir waren nur zwei Wochen mit Unterbrechungen dort und es wurde sehr darauf geachtet, dass wir nicht zu nah an stark strahlende Objekte herangehen.

Wie haben Sie die Dreharbeiten im AKW vorbereitet?
Wir haben eine eintägige Führung erhalten, bei der uns sämtliche Hallen und Abteilungen gezeigt wurden. Das hat uns eine Planung ermöglicht, was wir aufnehmen wollen. Das Gelände ist extrem weitläufig. Wir wollten gerne die Abrissarbeiten filmen, besaßen aber keine genauen Vorstellungen, wie das aussehen sollte. Einen konkreten Plan, welche Aufnahmen für uns interessant sind, konnten wir erst nach der Begehung erstellen. Wir durften alles filmen, was uns gezeigt wurde. Allerdings gab es Sicherheitsauflagen, bei bestimmten Aufnahmen einen Abstand einzuhalten.

Einen Eindruck von der Größe des Geländes bringen ja die Drohnenaufnahmen. Wie schwierig war es, hierfür eine Genehmigung zu bekommen?
Dafür war nur die Zustimmung des AKW-Betreibers erforderlich. Die Genehmigung des Grundstücksbesitzers gilt bis zu einer Flughöhe von 100 Metern. Da das AKW nicht mehr in Betrieb ist, bestand kein großes Risiko. Im Zweifelsfall hätte nur die Drohne beschädigt werden können. Aber ich habe mir schon vor Jahren eine Phantom 3 gekauft und gelernt, damit umzugehen. Das ist nicht nur interessant, sondern damit lässt sich auch Geld verdienen, denn die Produktionen, die mich buchen, verlangen oftmals auch Drohnen-Aufnahmen. Viele Produktionsfirmen sparen sich ein professionelles Drohnen-Team, wenn sie keine schwierigen Aufnahmen wie eine Verfolgungsjagd planen. Bei unseren Aufnahmen kam es darauf an, den richtigen Blickwinkel zu finden – und das kann ein Kameramann am besten. Die Drohne Phantom 4, mit der ich aktuell arbeite, verfügt über eine fest eingebaute Kamera, die sich nicht nach links und rechts, sondern nur nach oben und unten schwenken lässt. Deshalb ist es wichtig, dass die Drohne in die richtige Richtung fliegt, was mit etwas Übung auch möglich ist. Durch den regelmäßigen Einsatz bin ich damit recht geübt. Ich nehme die Bilder stets in 4K-Auflösung auf. Die Drohne verfügt über einen 1-Zoll-Chip, dessen Qualität für die große Leinwand ausreicht. Bei diesem Dreh haben wir gewartet, bis die Sonne etwas tiefer steht und sich etwas Zeichnung im Himmel befindet. Um die Bilder beurteilen zu können, kann ich die Drohne mit meinem Tablet verbinden. Ich habe mir die Aufnahmen wie mit einem Kamera-Kran nur auf dem Bildschirm angeschaut. Parallel dazu musste mein Assistent darauf achten, dass die Drohne nicht in ein Gebäude oder einen Baum fliegt.

DoP Andrzej Król bei Dreharbeiten in der Steuerzentrale eines Atomkraftwerks

Wie haben Sie die Kamerafahrten durch die langen Gänge auf dem gigantischen AKW-Gelände realisiert?
Der Einsatz einer Steadycam wäre zu sperrig und schwierig für einen Dokumentarfilm gewesen und hätte zusätzlich zu unserem Drei-Mann-Team aus Kamera, Assistenz und Regie einen Steadycam-Operator erfordert. Ich habe die Aufnah- men deshalb mit einer Panasonic GH5 auf einem Gimbal aufgenommen und bin möglichst weich gegangen, damit sich meine Bewegungen nicht zu stark auf den Gimbal übertragen. Dadurch sehen die Aufnahmen relativ ruckelfrei aus. Die GH5 besitzt außerdem einen stabilisierten Chip, der Bewegungen abfängt. Die Kombination von einem Gimbal mit einem stabilisierten Chip ist für ein kleines Team mit begrenztem Budget eine gute Lösung.

Wie lange konnten Sie in den Hochsicherheitszonen drehen?
Wir haben selten die zehn Stunden eines Tagessatzes überschritten. Die zeitliche Begrenzung unseres Drehs war durch die Schichten der Arbeiter vorgegeben, da wir uns dort nicht selbstständig bewegen durften. Wir sind dort morgens um 7 Uhr angekommen und mussten uns zunächst umziehen, was sehr lange gedauert hat. Nach Schichtende um 17 Uhr mussten wir das AKW verlassen. Wir haben uns einen Plan erstellt, was wir in zehn Stunden aufnehmen möchten und sind meistens in diesem Zeitplan geblieben. [14414]


Wenn Sie mehr erfahren möchten: Hier geht es zum Interview in voller Länge!


 

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