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DoP Markus Nestroy

Wilder Mix, klare Vision (1)

Für den Kinofilm „Sie glauben an Engel, Herr Drowak?“ holte Regisseur Nicolas Steiner erneut DoP Markus Nestroy an seine Seite. Der Kameramann erklärt, wie er die Sony BURANO mit einem bunten Mix aus P+S-Evolution-Optiken, Atlas Orion und -Mercury sowie Spezialobjektiven einsetzte.

„Sie glauben an Engel, Herr Drowak?“
Foto: Ivan Maly

Während der Vorbereitung von „Sie glauben an Engel, Herr Drowak?“ gab es einen Moment, der den Film grundlegend veränderte: Regisseur Nicolas Steiner und DoP Markus Nestroy entwickelten die Vision, den Großteil des Films in Schwarz-Weiß zu erzählen. „Als ob die Geschichte das einfordern würde, sozusagen als visuelle Umsetzung des Drehbuchs, unterstützt die Schwarz-Weiß-Ästhetik die Andersartigkeit der erzählten Welt“, erläutert Nestroy. Es gleicht einem kleinen Wunder, dass alle Beteiligten – Produzenten, Redaktion, Verleih und Ko-Produktion – der Idee offen gegenüberstanden.

Es gab jedoch eine sachliche Diskussion über die möglichen kommerziellen Auswirkungen von Schwarz-Weiß, ein Aspekt, dessen Berechtigung DoP Nestroy ausdrücklich anerkennt. „Der künstlerische Enthusiasmus ist durchaus nachvollziehbar“, so Nestroy. „Unsere Zielgruppe soll jedoch nicht auf Filmemacher, Cineasten und Schwarz-Weiß-Ästheten beschränkt bleiben.“ Nach einem aussagekräftigen Test stand die Entscheidung fest: Die Gegenwart wird in Schwarz-Weiß erzählt, die Rückblenden in Farbe.
Regisseur Nicolas Steiner hatte zuvor vor allem dokumentarische Werke in seinem Portfolio. „Sie glauben an Engel, Herr Drowak?“ ist sein Langfilmdebüt. Steiner und Nestroy lernten sich 2007 an der Filmakademie Baden-Württemberg kennen. 2016 erhielt Nestroy den Deutschen Filmpreis für die Beste Bildgestaltung für Steiners „Above and below“ und 2021 zusammen mit Julian Krubasik den Deutschen Kamerapreis für die Netflix-Doku-Fiction-Miniserie „Dig Deeper“.

Für „Sie glauben an Engel, Herr Drowak?“ erhielt Markus Nestroy auf dem 27. Shanghai International Film Festival 2025 den Preis für die beste Bildgestaltung. Gemeinsam mit Regisseur Nicolas Steiner widmet er sich hier erstmals einem szenischen Stoff. Das Drehbuch stammt von Bettina Gundermann. Im Zentrum steht die Studentin Lena (Luna Wedler), die den von Karl Markovics gespielten Misanthropen Hugo Drowak über das kreative Schreiben wieder in die Gesellschaft integrieren soll. Dieser Versuch droht jedoch zu scheitern, als Drowak alte Traumata aus seiner Vergangenheit aufbrechen lässt. Bereits die Vorlage deutet einen ausgeprägten Willen zu erzählerischen Eigenheiten an.

Technisch-gestalterische Freiheit

Das Kreativteam erkannte früh das Potential des Buchs. „Wir haben viele Ideen direkt von dort übernommen“, so Nestroy, „und haben gemerkt, was für ein reichhaltiges Angebot schon darin steht.“ Darauf aufbauend orientierte sich das Worldbuilding in der Vorbereitungsphase an den Fragen: Welche Welt wollen wir erzählen? Und welcher Logik folgt diese Welt? „Es gab lange Diskussionen: Wie sieht diese Welt aus? Was ist ihre Geschichte? Gibt es Autos, gibt es Smartphones?“, berichtet der DoP. Bewusst verzichtete das Kreativteam auf konkrete Zeitmarker in Form von Währungen oder charakteristischen Autodesigns. Nestroy betont, wie aufwendig es sei, eine Welt nicht nur dadurch zu definieren, was sie enthält, sondern ebenso dadurch, was in ihr fehlt.

„Sie glauben an Engel, Herr Drowak?“
Gestalterische Freiheiten: DoP Markus Nestroy und Regisseur Nicolas Steiner (Foto: Ivan Maly)

Ein prägnantes Beispiel für diesen gestalterischen Ansatz ist der Einsatz von Infrarotaufnahmen. „Wir haben Schwarz-Weiß-Infrarot genutzt, um die Welt, wie wir sie alle kennen, zu abstrahieren“, erläutert Markus Nestroy. Auch die grundsätzliche Entscheidung für Schwarz-Weiß diente diesem Prozess der Verfremdung. Markus Nestroy drehte auf der Sony BURANO, nicht zuletzt wegen ihrer flexiblen Adaptierungsmöglichkeiten über den E-Mount. Zum Einsatz kam ein breites Spektrum an Objektiven, darunter P+S Evolution Anamorphoten in KOWA-Tradition, eine Laowa-Schnorchel-Optik, ein Canon EF Fisheye auf E-Mount sowie Atlas Orion und Atlas Mercury. Die Infrarotaufnahmen entstanden auf einer RED Ranger Helium Super35 mit ausgebautem IR-Sperrfilter.

„Wir hatten nur eine LUT für den ganzen Film und die war sehr steil“, sagt Markus Nestroy. Damit meint der Kameramann den hohen Kontrast und die klaren Bekenntnis zum Schwarz-Weiß in allen relevanten Werten. Markus Nestroy arbeitet erneut mit seinem langjährigen Oberbeleuchter Roman Gutt zusammen. Ihre wichtigste Erkenntnis war, in Schwarz-Weiß deutlich härter leuchten zu können. „Wir haben uns viel mehr Kontrast erlaubt, viel Struktur, Schatten und hartes Licht“, erklärt Nestroy. „Ins Extreme gehen, was man sich in Farbe nie erlauben könnte.“ Man neige laute dem DoP dann dazu, sich auf die LUT zu verlassen und das Licht nicht mehr mit der nötigen Härte zu setzen. Für die nachfolgenden Projekte hieß das für den DoP, weichere LUTs zu verwenden, um stärker am Set zu gestalten und damit die kreative Entscheidung des Moments ins Material zu backen. [15618]


Wilder Mix, klare Vision – DoP Markus Nestroy

Teil 1: Schwarz-Weiß als Weltenbau
Teil 2: Farbe, Infrarot und Objektive
Teil 3: Präzision im Detail


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