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Martin Szafranek über das Grading der zweiten Staffel von „Der Pass“

Mut zur Farbe

Die zweite Staffel der Sky-Serie „Der Pass“ ist am 21. Januar gestartet. Martin Szafranek war als Senior Colorist für beide Seasons verantwortlich und hat uns für unsere Ausgabe 3.2022 verraten, worin sich der Look der beiden Staffeln unterscheidet und was ihn beim Grading am meisten herausgefordert hat.

Colorist Martin Szafranek an seinem Arbeitsplatz
Foto: Daniel May

Wie bist du dazu gekommen, die beiden Staffeln von „Der Pass“ zu graden?
An das Grading von „Der Pass“ bin ich über den DoP Philip Peschlow gekommen. Wir hatten vorher schon bei dem Spielfilm „Eine gute Mutter“ zusammengearbeitet und uns dort kennengelernt. Außerdem hatte ich für Wiedemann & Berg kurz vorher die erste Staffel von „4Blocks“ beendet. Als dann klar war, dass Philip DoP für „Der Pass“ wird, war die Entscheidung schnell gefällt, dass wir das zusammen machen. Wir haben uns beim ersten Projekt schon super verstanden und die Zusammenarbeit zwischen uns lief einfach sehr gut. Und weil die erste Staffel so ein Erfolg wurde, lag es auf der Hand, dass ich auch die zweite betreue.

Wie hat eure Zusammenarbeit bei der Entwicklung des Looks dieser Serie funktioniert?
Grundsätzlich habe ich einen Workflow, der vielleicht nicht so verbreitet und deswegen noch ein wenig untypisch ist, denn ich versuche, schon in den Dailies den Look möglichst final zu definieren. Ich habe schon früher, als ich noch selber Dailies gemacht habe, diese so akkurat wie möglich gegradet. Das ist mir bei der ersten Staffel vom „Pass“ sehr zugute gekommen, weil sowohl Team als auch Produktion und Sender so von Anfang an Muster zu sehen bekamen, die im Prinzip schon den finalen Look gezeigt haben.

Filmstill aus "Der Pass"
Der Look der Season 2 lehnte sich stark an die entsättigte Farbgebung und den reduzierten Kontrast der ersten Staffel an. (Foto: Philip Peschlow / Sky Deutschland)

Am Anfang des Projekts haben die Regisseure Cyrill Boss und Philipp Stennert, DoP Philip Peschlow und ich gemeinsam eine Lookentwicklung durchgeführt. Dazu haben sie erst einmal im Wald Testfootage gedreht, denn die Serie sollte ja viel in der Natur spielen. Es ging eigentlich darum, dass wir möglichst viele Details herausarbeiten, ohne das Bild künstlich oder digital wirken zu lassen. Die Menge an Struktur, die es im Wald gibt, sollte für den Zuschauer einfach besser spürbar werden. DaVinci Resolve bietet dafür ein paar ganz tolle Tools. Zusätzlich gibt es den Temporal Denoise, den sie vor ein paar Jahren eingeführt haben, der es wirklich schafft, im Gegensatz zu klassischen Denoisern Noise-Artefakte aus dem Bild zu holen, ohne die Strukturen kaputtzumachen – und die waren uns ja extrem wichtig. Wir haben auch absichtlich mit weicheren Kontrasten im Bild gearbeitet, damit nicht so viel Information in den Schatten verschwindet. Es sollte eine düstere Stimmung im Bild sein, ohne dass es grundsätzlich zu dunkel ist und man trotzdem noch viel sieht!

Das haben wir erst einmal versucht mit dem Testmaterial umzusetzen. Am Tagesende hast du aber natürlich eine komplexe Serie mit vielen verschiedenen Locations und Tageszeiten, dass du den Look im Vorfeld sowieso auch nicht ganz genau festlegen kannst. Der Test hat uns aber eine Grundvorstellung geliefert, in welche Richtung wir mit dem Look gehen könnten. Im Endeffekt hab ich dann einfach in den Dailies ausprobiert, was mir gefällt und was zur Dramaturgie der Szene passen könnte. Dabei stand ich die ganze Zeit im Austausch mit Philip. Ich habe ihm Vorschläge gemacht, er hat sein Feedback gegeben und so haben wir sehr schnell einen gemeinsamen Nenner gefunden, dass er mir da relativ schnell viel Freiheiten gegeben hat und ich in den Dailies den finalen Look entwickeln konnte.

Filmstill aus "Der Pass" mit Torrener Wasserfall
Colorist Martin Szafranek wollte besonders in den Schattenpartien viel Struktur im Bild erhalten, ohne es künstlich wirken zu lassen. (Foto: Philip Peschlow / Sky Deutschland)

Du warst also als Colorist schon von Anfang an beim Projekt – und auch über die Dailies sozusagen am Set dabei.
Es gibt natürlich die Variante, dass der DIT am Set direkt vor Ort die Dailies mit dem Kameramann macht. In den meisten Fällen aber, würde ich sagen, landet das Material direkt am nächsten Tag in der Postproduktion, wo es für den Schnitt verarbeitet wird. Dieser Ablauf sieht aber in jeder Firma anders aus und hat auch überall eine unterschiedliche Priorität. Ich habe in meiner Firma, bei Cine Plus, eingeführt, der Lookentwicklung und dem Dailies Grading deutlich mehr Priorität zu geben, weil das nicht nur dem DoP, sondern auch der gesamten Produktion wesentlich mehr Sicherheit gibt, wenn sie sehen, dass schon die Muster sehr gut aussehen. Natürlich kann man in den Dailies aus verschiedenen Gründen kein absolut finales Grading machen. Viele Korrekturen wie Masken und Feinheiten wie das Matching von Helligkeitsschwankungen, die erst im Schnitt auffallen, kommen deshalb erst später. Aber der grundsätzliche Look steht schon mal und man hat einfach den Eindruck, dass man schon den richtigen Look sieht. Gerade Regie und Kamera fällt es so leichter, ein Gefühl dafür zu entwickeln, ob es in die richtige Richtung geht und wie das Ganze fertig aussehen wird. Das bringt auch in die ganze Produktion eine gewisse Ruhe, wenn schon im Musterprozess klar wird, dass die Bilder toll aussehen und man nicht anhand von Rec. 709 oder einem simplen Basis-Grade sich überlegen muss, wie es am Ende aussehen könnte. Es stärkt enorm das Vertrauen in das Projekt, wenn das Material, das du heute gedreht hast, morgen schon gut aussieht. [15056]


Möchten Sie mehr über das Grading der zweiten Staffel von “Der Pass” erfahren? Hier geht es zum Rest des Interviews!


 

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