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Rocket Beans TV etabliert mit Panasonic Filmmaking-Format

Gemeinsam gegeneinander

Die Hamburger Medienschmiede Rocket Beans TV geht gern ungewöhnliche Wege. Seit Anfang des Jahres schicken die Hamburger zwei ihrer Filmbegeisterten mit einem Filmmaking-Format online. In „Cameralympics“ treten die beiden Brüder Ian und Daniel Budiman gegeneinander in Challenges an. Mit dabei ist Panasonic als Sponsor, kürzlich stieß noch Adobe dazu – und DoP Matthias Bolliger als Mentor. Wir waren für unser Heft 12.2021 bei der aktuellen Episode zum Thema „Licht“ dabei.

DoP Matthias Bolliger mit den Busiman-Brüdern
Foto: BudiBros.

Ungläubig schaut Ian Budiman auf das Display unter der kleinen weißen Halbkugel. Ist der Wert nicht zu hoch? Die Kalotte seines Belichtungsmessers dürfte gar nicht so viel Licht abkriegen. Es ist stockdunkel im Raum. Nur direkt über seinem Motiv, strahlt fahles Licht aus der KinoFlo. Oder hat er wieder die Werte vertauscht? Diesmal darf er sich keinen Schnitzer erlauben. Im Hintergrund hört er seinen Bruder Daniel kichern. „Ey, das ist nicht so leicht, wie es aussieht, Bro“, sagt Ian. „Ich weiß“, antwortet sein Bruder. „Wir werden beide so scheitern.“ Beide fangen laut an zu lachen. Diese Szene aus den Dreharbeiten zur aktuellen Folge Nummer 5 der Reihe Cameralympics auf dem Streaming- sender Rocket Beans TV (RBTV) steht exemplarisch für die Herangehensweise der beiden filmbegeisterten Brüder. Sie konfrontieren sich mit neuen Herausforderungen, probieren aus, verstehen und meistern es irgendwann – nehmen sich dabei aber selbst nicht so ernst. Rocket Beans TV gründete sich 2015 aus der Einstellung des MTV-Gaming-Formats „Game One“ heraus. Innerhalb von drei Monaten baute das Produktionsteam die TV-Produktion zum Streamingsender um und legten mit innovativen Onlineformaten auf YouTube und der Streamingplattform Twitch los. Vor kurzem bauten die Hamburger ihre gesamte Veröffentlichungsstruktur um, konzentrieren sich auf ihre Stärken und bezeichnen sich nicht länger als Sender. Daniel Budiman gehört zu den fünf Gründern.

Idee statt Perfektion

Trotz der familiären Bande könnten die Werdegänge der beiden Brüder unterschiedlicher nicht sein. Ian Budiman machte 1995 Abitur und ging danach erst mal in eine Banklehre. „Das hat mich nicht glücklich gemacht“, sagt der gebürtige Freiburger. Deshalb begann er gleich nach der Lehre im Jahr 2000, bei Kölner TV-Produktionsfirmen Praktika zu machen. Hier machte er auch schon erste Erfahrungen und war als Realisator mit EB-Team und Protagonisten unterwegs. Danach folgten weitere TV-Jobs. „Ich merkte schon, dass Kamera und Schnitt meine Leidenschaft sind“, sagt Ian Budiman.

Daniel Budiman mit einer Panasonic Kamera
Daniel Budiman beim Dreh mit der Panasonic Lumix S1H und 75 mm Xenon FF Prime von Schneider Kreuznach (Foto: Timo Landsiedel)

Daniel Budiman ist sieben Jahre jünger als sein Bruder und machte nach Schule und Zivildienst ein Praktikum beim Sender NBC GIGA, während dem er schon vor der Kamera zum Einsatz kam. Aus dem Praktikum wurde ein Volontariat und Daniel Budiman wurde zu einem der Gesichter des Formats GIGA Games. Hier lernte er seine späteren RBTV-Mitgründer Bomhoff, Krätschmer und Gardé kennen. Nach zwei Jahren kam eine Anfrage von Viacom, ob sie sich ein Gaming-Format für MTV vorstellen können.

Für diesen Pitch des MTV-Formats „Game One“ drehte Ian Budiman einen Kurzfilm – und damit die buchstäblich ersten Minuten des langlebigen Kultformats. Danach holte Daniel Budiman seinen Bruder nach Hamburg, um die Realisation der Einspieler zu verwirklichen. Schon hier experimentierten die Brüder und ihr Team, die späteren Rocket-Beans-Gründer, mit innovativen Wegen zum visuellen Ziel zu kommen. Dabei legten sie weniger Wert auf Perfektion, sondern auf die überraschende Idee dahinter. „Aber da war halt immer sehr einfache TV-Technik“, so Ian Budiman. „Wir hatten nie die Zeit, uns länger mit der Kamera, geschweige denn noch mehr Technik auseinanderzusetzen. Da musste dann der Clip schon fertig sein.“

Nach der Gründung von RBTV mischte Ian Budiman auch dort mit, wechselte dann zu einem anderen YouTube-Kanal und und prägte mit Fynn Kliemann als erster Bewohner des „Kliemannslands“ dessen frühen Videos von der Idee bis zum Upload. Weitere Produktionen für Museen, Festivals und klassische Auftraggeber folgten.

Matthias Bolliger mit Daniel und Ian Budiman
Gemeinsam und gegeneinander: Die Brüder Daniel und Ian Budiman mit ihrem Mentor DoP Matthias Bolliger (Foto: BudiBros.)

Cameralympics

Das Thema Filmmaking beschäftigt beide Brüder schon lange. Wann immer sie Kameratechnik in die Finger bekommen, können sie nicht widerstehen, damit herumzuspielen. Die Grundidee zu Cameralympics besteht seit einem ge- meinsamen Amsterdam-Besuch: Dabei traten die beiden mit ihrer Fotokamera in einen Wettstreit um das beste Foto. Die Regeln waren simpel: Wechselnde Motive, jeweils nur ein Versuch, wenig Zeit. „Von außen muss es wirklich sehr dumm ausgesehen haben. Zwei kichernde Typen, die zwischen Blumenbeeten und Laternen hin- und hergerannt sind und nicht wirklich wussten, was sie da eigentlich taten. Aber genau das hat so viel Spaß gemacht und davon wollten wir einfach mehr“, erinnert sich Ian Budiman.

Diese Idee bauten sie zu dem Videoformat „Cameralympics“ aus, mit dem Ziel, gemeinsam mit anderen Kamera- begeisterten das Handwerk besser beherrschen zu lernen. Außerdem fehlt es ihrer Wahrnehmung nach an Wertschätzung für die Gewerke hinter der Kamera. Also filmten die Brüder sich einfach selbst beim Filmen. Und beim Scheitern. Und beim Weitermachen.

Ende 2019 kam es zum Gespräch mit Panasonic, bei dem die beiden Brüder das Konzept vorstellten. Wo bisherige Kooperationspartner nicht selten Optimierungsbedarf bei den Formaten sahen, war das Hamburger Panasonic-Team um Michael Langbehn vom Konzept der beiden Brüder sofort überzeugt – und ließ die beiden machen. Sie bekamen eine Panasonic Lumix GH5 und eine Panasonic S1H zur Verfügung gestellt und konnten loslegen. Vereinbart waren zu Anfang drei zehnminütige Episoden, um beidseitig einfach mal zu schauen, was passiert. Ziemlich schnell einigten sie sich auf vier weitere Episoden.

Die Cameralympics funktionieren so: Beide Filmemacher treten pro Episode jeweils zu einem Thema oder Motiv gegeneinander an. Der gesamte Prozess, von der Planung der Storyboards, über das Ringen mit Idee und Umsetzung bei der Produktion, bis zum fertigen Produkt wird dabei auf Video dokumentiert. Im Anschluss werden die Ergebnisse in einem etwa einstündigen Livestream ihrer RBTV-Community präsentiert. Diese entscheidet dann in einem Live-Voting, welcher der beiden Brüder besser abgeschnitten hat. Die finale Episode ist dann ein Zusammenschnitt aus Ergebnissen, Live-Stream und Making-of. Bisher nahm Umfang und Produktionsaufwand mit jeder Episode signifikant zu. In den bisherigen vier Episoden gaben sich die beiden die Aufgaben, ein episches Intro zu produzieren, machten Hyperlapse-Aufnahmen, wurden mit LUTs, Visual Storytelling und echten Schauspielerinnen konfrontiert und schossen mit sogenannten „Schlabberfotos“ schräge Highspeedfotos. Schon in Folge 3 arbeiteten die beiden Filmemacher mit einem Mentor aus dem Profibereich zusammen. Ihr Lernprozess ist manchmal ganz schön hart – aber eben auch sehr unterhaltsam. [14956]


Sie möchten mehr über die Cameralympics erfahren? Hier geht es zum vollständigen Artikel!


 

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