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Videocast EXPOSURE mit DoP Matthias Bolliger

Visual Storytelling im Fokus

Bildgestalterinnen und Bildgestalter kommen in der Würdigung ihres kreativen Inputs bei Filmprojekten regelmäßig zu kurz, findet DoP Matthias Bolliger. Um dem abzuhelfen, hat er in Zusammenarbeit mit der Deutschen Filmakademie den Videocast EXPOSURE entwickelt. Hier stellt er sein Projekt vor.

„Deutschlandfunk Kultur, es ist wieder Donnerstag und Zeit für die Filme der Woche.“ Film-Journalist Jörg Taschmann bespricht „Last Night in Soho“, ein bildgewaltiges Horror-Drama von Regisseur Edgar Wright. Der Filmkritiker ist sichtlich beeindruckt, welche Bilder der englische Regisseur für sein jüngstes Werk gefunden hat, wie die visuelle Genre-Umsetzung der Geschichte dient und als Gesamtwerk gestalterisch gelungen ist. Doch bei so viel Lob fürs Bild und die visuelle Machart frage ich mich unwillkürlich, wer verantwortet denn in diesem neuen Streifen diese visuelle Gesamtkonzeption, die atmosphärische Licht- und Schattengestaltung und den Gesamt-Look des Filmes?

Porträt von DoP Matthias Bolliger
DoP Matthias Bolliger

Doch findet die Berufsgattung, welche genau dafür engagiert wird, im Radio-Beitrag keine Erwähnung, weder als begabtes oder spannendes Regie- und Kamera-Duo, noch als Einzelperson mit Namen (DoP Chung Chung-hoon). Dies ist leider kein Einzelfall, nicht einmal beim Feuilleton findet Bildgestaltung als Berufsbild statt. Daher ist es, so finde ich, an der Zeit, einen weiteren Beitrag zu leisten, um das Berufsbild des Director of Photography weiter sichtbarer zu machen – mit dem neuen Videocast EXPOSURE, entstanden in Zusammenarbeit mit der Deutschen Filmakademie.

Cinematographie sichtbar machen

Auch wenn schnell geschwärmt wird über die Bildkunst, die eindrücklichen Bildwelten und Stimmungen, welche der Regisseur oder die Filmemacherin erschafft, steht der Cinematographer meist im Abseits. Sehr selten wird sein Beitrag zum Gesamtwerk konkret erkannt oder gewürdigt, denn für viele Zuschauer und wohl auch Journalisten scheint es einfach auch nicht klar, was denn so ein Chef-Kameramann oder DoP überhaupt macht? Damit ist das „Auge des Sets“ unsichtbar. Obwohl Bildergestalter und Bildgestalterinnen die eigentlichen Bilder machen, scheint ihre Berufsgattung hinter der Kamera, hinter ihren eigenen Bildern, Stimmungen und Atmosphären zu verschwinden. Film ist aber ein visuelles Medium und dieser Kunst der bewegten Bilder und dem gestalteten visuellen Geschichtenerzählen will ich mich nun in einem Videocast nähern. In diesem neuen Format setze ich ein Highlight auf jeweils eine bildgestaltende Persönlichkeit, ihre visuelle Kunst und filmische Umsetzung und will dabei genauer auf Bilder, Stimmungen und Atmosphären schauen, auf deren dramaturgische Ansätze und technische Realisierung, all dies unter dem Motto „Visual Storytelling“.


EXPOSURE – Folge 1

Screenshot aus "Fabian"

Zu Gast: Cinematographer Hanno Lentz

„Das Auge macht das Bild, nicht die Kamera“ so trifft es Hanno Lentz auf den Kopf, der Gast der ersten Folge von EXPOSURE. Er studierte Germanistik und Theaterwissenschaften in Berlin und war dann ab 1991 an der dffb-Berlin in der Regieklasse, obwohl er immer Kamera machen wollte. Er sieht sich daher seit dem Studium als Kollaborateur des Regisseurs, um seine Vision gemeinsam entstehen zu lassen. Er arbeitete unter anderem mit Regisseurinnen und Regisseuren wie Sherry Hormann, Doris Dörrie, Uli Edel, Friedemann Fromm und David Wnendt zusammen. Die erste Folge des Videocasts widmet sich seiner aktuellen Zusammenarbeit mit Dominik Graf, dem Kinospielfilm „Fabian oder der Gang vor die Hunde“, für den Lentz mit dem Deutschen Filmpreis ausgezeichnet wurde.

Im Original-Roman blickt Erich Kästner inhaltlich in dunkle Nebengassen des Berlins der 1920er Jahre. Daher sollte der inhaltliche Ansatz diese Epoche für den Film ebenso wenig glamourös dargestellt werden. Mit einer Art Schmuddel-Ästhetik, wie Regisseur Graf es im Making-of nennt, wollten die beiden Filmemacher dem Kästner-Berlin näherkommen als dem Charleston-Berlin in Goldglanz- Ästhetik. Ein mutiger Anstatz: Kontrollierter Kontrollverlust wird so ein zentrales Thema der visuellen Umsetzung. 

Das Unfertige wird so das Ziel: „Du arbeitest schneller, als du denken kannst“, bringt es Kameramann Hanno Lentz auf den Punkt, denn „raue Zeiten, brauchen eine raue Kamera“, ebenfalls ein grundlegender Ansatz des Bildgestalters. Diese Zeit des Umbruchs macht auch etwas mit der Kamera, bedingen eine harsche Umsetzung, ein schneller, technikreduzierter Dreh mit Neugier und Mut zum Risiko. Die Kamera wird wie ein Skizzenstift, eine camera stylo.


In Zusammenarbeit mit der Deutschen Filmakademie widme ich mich in diesem einstündigen Format den Fragen, wie Worte auf die große Leinwand kommen und wie Geschichten, Darstellerinnen und Schauspieler zum Leuchten gebracht werden. Es geht um den Bildautor, die Bildautorin, den „auteur camera stylo“ und die Frage nach der Macht und Kraft von Bildern.

Wie genau kann Kino-Magie entstehen? Was bedeutet es, mit Bildern Gefühle, Eindrücke und Emotionen auszudrücken? Wie erzählen wir Geschichten in Bildern? Was bildet den visuellen Ansatz der jeweiligen Umsetzung? Wie definiert und zeigt sich der eigene künstlerische Blick und was bedeutet seine Umsetzung im Gleichklang von Inhalt und Form? Mehr als genug Fragen und Grundlagen für spannende Gespräche!

Braucht es nun aber ein weiteres Format zu Kamera und Bildgestaltung? An sich nein. Doch viele Angebote sind reine Audio-Podcast, was sich gut und vor allem auch unterwegs konsumieren lässt. Doch sobald konkrete Bilder und visuelle Ansätze des Geschichtenerzählens im Mittelpunkt stehen, will ich zumindest die dezidierte Handschrift des Bildgestalters oder DoPs auch konkret erleben. Reine Bildbeschreibungen sind und bleiben Zwischenlösungen, denn allzu oft sind die entsprechenden Bilder zentral für das Verstehen des gestalterischen Ansatzes.

Hier kommt nun die Zusammenarbeit mit der Deutschen Filmakademie ins Spiel. Durch das engmaschige Netzwerk der Akademie ist es gelungen, Filmverleiher, Filmproduktionsfirmen und Produzenten mit den jeweiligen DoPs zusammenzubringen, so dass nun auch konkret Filmausschnitte gezeigt und besprochen werden können. Mit der ersten Folge von EXPOSURE geht nun für mich ein kleiner Traum in Erfüllung. [14997]


Hier geht es zur ersten Folge von
“EXPOSURE – Der Videocast zu Visual Storytelling”!


 

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