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DoP Michael Kotschi im „Hinter der Kamera“-Podcast

Nähe mit Augenmaß

Der „Hinter der Kamera“-Podcast begrüßte im Februar DoP Michael Kotschi vor dem Mikrofon. Der Bildgestalter verriet Timo Landsiedel, wie er an die Filmhochschule kam und die dortige Freiheit für eigene Projekte nutzen konnte. Im Podcast sprechen die beiden über „Fremde Tochter“, für den der DoP 2018 den Deutschen Kamerapreis verliehen bekam sowie über den TV-Film „Macht Euch keine Sorgen!“, das Dokumentarfilmprojekt „Wagenknecht“ und das Drama „One of these Days“.

Porträt von Michael Kotschi

Michael Kotschi hat vielen DoPs etwas Wichtiges voraus: Wenn er mit dem Dolly gegen die Türzarge brettert, kann er eine neue zimmern. Denn das hat er, bevor er das erste Mal eine Filmkamera in den Händen hatte, als Zimmermann gelernt. Geboren in der malerischen Provinz Baden-Württembergs und aufgewachsen in Berlin konnte sich Michael Kotschi direkt nach dem Abi nicht vorstellen, für ein Studium gleich wieder in eine schulische Situation zu gehen. Also fiel seine Wahl auf eine Lehre. Die Entscheidung für den Berufszweig kam nicht von ungefähr, denn seine Mutter ist Architektin. „Das führte mich zu einem Zimmermannsbetrieb in Berlin, der alte Gebäude restaurierte. Das war super“, sagt der DoP. „Nach einer zweieinhalbjährigen Lehre merkte ich, dass die Baustelle nicht so meins ist.“ Parallel arbeitete er schon als Architekturfotograf, der Sprung zum Bild war also schon vorgezeichnet. Beim Kauf einer Super-8-Kamera auf dem Flohmarkt lernte er einen Tonmeister kennen, der ihn zur damaligen TV-Firma Cine Plus brachte, bei der er mit einem Praktikum loslegte. Hier angelte er einige Zeit den Ton auf EB-Drehs, wovon der Schritt zur Kamera nur noch sehr kurz war.

Zwei Jahre Knast

Einer der Kunden des Unternehmens war eine RTL-Sendung, die Ende der 1990er Pionierarbeit leistete. „Hinter Gittern – Der Frauenknast“ war hierzulande eine der ersten Serien, die digital drehte. „Die Bestückung fand durch DigiBeta 25p Kameras statt, so hießen die damals. War so eine Errungenschaft, DigiBeta, die 25 Vollbilder drehen konnte.“ Das TV- Unternehmen stellte die Kameras zur Verfügung und schickte seinen Praktikanten Michael Kotschi mit. Er durchlief hier alle Tätigkeiten um die Kamera, durfte am Ende auch schwenken. Außerdem traf Kotschi hier auf einen extern hinzugeholten Experten für digitale Bilder, der die Aufgabe des DIT übernahm, bevor diese Rolle so hieß. Das war DoP Stefan Ciupek. Zwei Jahre sorgten Ciupek und Kotschi für digitale Bilder im Frauenknast. Die Serie ging vorüber, ihre Freundschaft hält bis heute.

Setfoto von "One of These Days"
Am Set von „One of these Days“: Regisseur Bastian Günther (links) spricht mit Schauspieler Jesse C. Boyd, DoP Michael Kotschi wartet auf dem Dolly. (Foto: FlareFilm / Beau Coulon)

Danach bewarb sich Kotschi an mehreren Filmhochschulen und ging in 2000 an die DFFB in Berlin. Für ihn war die Entscheidung für ein eher in Richtung Kunsthochschule ausgerichtetes Institut wichtig. „Mir hat das total geholfen“, sagt Michael Kotschi. „Man muss dazu aber auch sagen, ich hatte schon ein paar Praktika hinter mir, ich hatte eine Lehre hinter mir, ich war total heiß auf Film.“ Der Selbstfindungsprozess war abgeschlossener als vielleicht bei seinen jüngeren Mitstudierenden, laut Kotschi. Er konnte es anfangs gar nicht fassen, dass er im Techniklager zum Ausprobieren Equipment leihen und einfach losdrehen konnte. Diese Freiheit nutzte Kotschi auch aus.

So plante er einen Kurzfilm als One-Take. Er sollte etwa 11 Minuten dauern, so lang wie eine 16-mm-Rolle. Dafür baute das Team im Studio eine Wohnung nach – und zwar spiegelverkehrt zweimal! Die Crew sprach Trockenbau-Lehrlinge an und baute ihr aufwendiges Set in einer leeren Lagerhalle in Berlin Hohenschönhausen. Über eine Drehtür in der Mitte waren beide Wohnungen verbunden. „Wir konnten immer in der anderen Wohnung umleuchten, während wir in der einen Wohnung gedreht haben, zwei, drei Minuten, und so kamen wir von Tag über Dämmerung zur Nacht“, erinnert sich Kotschi. Für „Minutes to go“ war der DoP dann auch auf dem Camerimage Festival 2005 in der Kategorie Studentenfilm für den Golden Tadpole nominiert. „Da haben wir wochenlang vorgebaut“, sagt DoP Kotschi. „Ich glaube, heute in dem Studienplan gäbe es gar nicht mehr die Zeit oder den Raum für so einen Kurzfilm.“ [15066]


Sie möchten mehr zur Podcastfolge mit Michael Kotschi erfahren? Hier geht es zum kompletten Artikel und hier finden Sie den Podcast!


 

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