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DoP Klemens Becker zu Gast im „Hinter der Kamera“-Podcast

Kraftakt im Kopf

Gastgeber Timo Landsiedel begrüßte in unserer Ausgabe 7–8.2021 DoP Klemens Becker im „Hinter der Kamera“-Podcast. Beckers beeindruckende Karriere umspannt drei Jahrzehnte als Kamera- und Steadicam-Operator an internationalen Sets wie etwa „The Bourne Supremacy“ und „United 93“. Seit rund drei Jahren ist er ausschließlich als DoP tätig.

Klemens Becker weiß heute sehr genau, wann er die Kamera bewegen will und wann nicht. Über 30 Jahre mit der Kamera auf Ausleger oder Schulter haben ihn viel über die Dynamik des Bildes gelehrt. Darunter auch die Tatsache, dass es weniger um Kommandos des DoPs geht, sondern eher um die Intuition desjenigen, der die Kamera tatsächlich führt. Denn der ist mitten im Geschehen, in der Dynamik der Schauspieler und der Handlung.

Beckers Weg ans Set verlief zunächst ungewöhnlich. Nach dem Abitur ging er an die Pädagogische Hochschule und wollte Lehrer werden. „Weil man an der Stelle, wo man Kinder miterzieht, am besten mithelfen kann, die Gesellschaft zu etwas Besserem zu verändern“, so Becker. Doch er verließ die Hochschule nach dem Ersten Staatsexamen und arbeitete erst einmal als Automechaniker. Hier legte er die Grundlage für sein technisches Verständnis, das für Filmkameras und auch das komplexe Werkzeug namens Steadicam noch sehr wichtig sein sollte.

Filmstudium

In dieser Zeit traf Klemens Becker Studierende, die gerade ihr Studium an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin (dffb) begonnen hatten. „Was die so erzählten hörte sich so an, als gäbe es irgendwo in der Herstellung von Filmen wahrscheinlich etwas, was mir Spaß macht“, sagt Klemens Becker. „Was ich bis heute ganz gut finde an dem Konzept der dffb ist, dass es so umfassend ist. Wir werden alle ,Filmemacher‘ und jeder muss von allem so ein bisschen Ahnung haben.“ Die dffb bot schon damals zunächst ein Studium Generale, hier lernte jeder alles. Danach konnten die Studierenden Schwerpunkte setzen. Das erste Jahr als gemeinsame Erfahrung ist bis heute so beibehalten worden. Laut Becker gab es 600 Bewerber, von denen 40 nach Berlin eingeladen wurden. Von diesen 40 wurden dann 20 angenommen. „Ich war einer von den 20 und ich weiß bis heute nicht, warum“, sagt Klemens Becker. Je mehr Becker sich mit Film, visuellem Erzählen und der Technik dahinter befasste, desto begeisterter war er. Er arbeitete wie üblich in den ersten Projekten auf vielen Positionen.

„Die Bourne Verschwörung“ startete den Trend der stark bewegten Handkamera.

Bis heute schätzt er sehr, die Perspektive der anderen Departments zu kennen und beispielsweise zu wissen, wie der Tonassistent sich mit der Angel fühlt, wenn der Tonmeister ihn näher an den Schauspieler schickt, der DoP ihn aber anraunzt, er möge sein Mikro aus dem Bild halten. „Wenn du das schon mal gemacht hast, weißt du es zu schätzen, wenn du auf einem Riesenset einen Tonangler hast, den du nie siehst. Und der nach der zweiten Probe zu dir kommt und fragt: ,Kann ich hier oben auch in dieser Ecke sein?‘ – dann weißt du, dass der ganz genau weiß, was für Bilder du da machst.“

Sehr schnell war für Klemens Becker klar, dass ihn die Kamera am meisten interessierte. Genau in dieser Zeit bekam er ein Angebot, das ihn mit reichlich Praxis versorgte. René Perraudin, einer seiner Dozenten, leitete einen Farb-Kurs für die Kamerastudenten und bot ihm an, als Kameraassistent den nächsten Film mit ihm zu drehen. Dieser hieß „Rückwärts“ und hatte immerhin den großen Otto Sander in der Hauptrolle. Das Ganze war als Einstiegsprojekt gleich schon eine Herausforderung.

Die Geschichte handelt von einem Mann, der plötzlich bemerkt, dass die ganze Welt um ihn herum rückwärtsläuft. Daher war ein Großteil des Films rückwärts gedreht, Becker musste also sämtliche Rollen des Filmmaterials für die Vorbereitung in den Magazinen rückwärts einlegen. Auch übte er hier erstmals, die Schärfe zu ziehen. „Hier merkte ich: Filme drehen, das ist ja das Beste auf der Welt!“ In der Folge arbeitete er während des Studiums immer wieder als Kameraassistent, darunter bei vielen Kinderformate wie „Löwenzahn“, „Rappelkiste“ oder „Sesamstraße“.

Steadicam

Die viele Arbeit führt dazu, dass Becker bei der Rückkehr zwischendrin an die Schule stets neue Kommilitonen begrüßen durfte, da seine alten bereits weiter waren oder gar die Schule schon abgeschlossen hatten. Im Jahrgang nach Klemens Becker begann Wolfgang Becker seine berufliche Laufbahn. Beide sollten sich über 20 Jahre später am Set des Films „Good Bye, Lenin!“ wiedertreffen, bei dem Klemens Becker für seinen Namensvetter die Steadicam-Arbeit übernahm. [14666]


Sie möchten mehr erfahren? Hier gibt’s den Rest des Artikels aus unserem Heft 7–8.2021!


 

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