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Filmfest Hamburg

Sternstunden des Kinos

Mit einem cineastischen Parforceritt von 114 Filmen in zehn Tagen läutete das Filmfest Hamburg Ende September den Filmherbst ein. Großer Besucherandrang, bejubelte Starauftritte und zahlreiche Meetings der Branche bei den begleitenden Hamburg Industry Days zeugten von der ungebremsten Strahlkraft des Kinos.

„Geister“ (Foto: Bombero / Rialto / Warner)

Einer der Höhepunkte ist die jährliche Verleihung des Douglas Sirk-Preises, den dieses Jahr die britische Schauspielerin Helen Mirren erhielt, die an der Alster ihren jüngsten Film vorstellte, die  hinreißende Genre-Komödie und Hommage an die Kultautorin Patricia Highsmith „Ein Talent fürs Morden“, inszeniert von Anton Corbijn. Die diesjährige Programmauslese geizte nicht mit einer Reihe filmischer Sternstunden – wozu sicher die internationale Produktion „Minotaurus“ zu zählen ist, ein packender Gesellschaftskrimi über Korruption und Macht im heutigen Russland des im Exil lebenden russischen Regisseurs Andrey Zvyagintsev, der dafür im Mai in Cannes mit dem Großen Preis der Jury ausgezeichnet wurde. Beim Filmfest Hamburg erhielten die deutschen Koproduzenten von Razor Film in Berlin den Produzentenpreis als beste internationale Koproduktion. Und natürlich funkelnden weitere Sterne am Hamburger Filmfest-Himmel wie die dunkel ironische CIA-Agentenkomödie „Wild Horse Nine“ des irischen Regisseurs Martin Mc Donagh oder der mit der Goldenen Palme ausgezeichnete Film „Fjord“ des rumänischen Regisseurs Christian Mungiu, in dem eine Exilfamilie an einem scheinbar idyllischen Ort in Norwegen in einen Konflikt mit den staatlichen Behörden gerät. Mungius Nuanciertheit und Präzision wirft viele Fragen auf und gewährt keine einfachen Antworten.

Filmfest HH
Preisträgerin Helen Mirren mit Festivalleiterin Malika Rabahallah (Foto: Filmfest Hamburg / Martin Kunze)

Starke deutsche Filme

In großer Form zeigt sich in diesem Herbst auch der deutsche Film, insbesondere die aktuellen Filme arrivierter Regiegrößen – da stellte Doris Dörrie mit dem Drama „Frau Winkler verlässt das Haus“ ein regelrechtes Bravourstück vor, in dem die Ikone des Neuen Deutschen Films und heute über 80 jährige Theater-und Filmschauspielerin Angela Winkler ihre große darstellerische Klasse ausspielt. Dörrie und ihre Hauptdarstellerin überzeugen mit einem reifen Alterswerk, in dem es um würdevolles und vor allem selbst bestimmtes Altern bis zum Tod geht wie auch um das brisante Verhältnis zwischen Mensch und Maschine, wenn ein Roboter die Pflege der alten Dame übernimmt und sie in ihrem letzten Lebensabschnitt begleitet. Der Hamburger Regisseur Fatih Akin wiederum ist beinah in jedem Jahr beim Filmfest mit einem neuen Film vertreten, letztes Jahr mit „Amrum“ und nun mit der Deutschlandpremiere seines Films „Geister“. Akin fühlt sich offenbar in jedem Genre zu Hause und erfindet sich praktisch mit jedem Film wieder neu: So packt er diesmal das Publikum mit einem beherzten Melodram und wuchtigem Gefühlskino. Zusammen mit seinen bewährten Weggefährten DoP Frank Griebe und Filmeditor Andrew Bird beweist Akin einen ganz eigenen Blick auf die Stadt und erzählt Hamburg an noch nicht abgefilmten Standorten.

Begeistern konnten in diesem Jahr ebenso die Dokumentarfilme, die bewiesen welche Kraft sie entfalten können, wenn sie auf der großen Leinwand zu sehen sind. Allen voran Christian Hornungs Dokumentarfilm „Sternbrücke forever“ über eine alte Bahnbrücke mitten in der Stadt, die in diesem Jahr abgerissen und durch eine neue Brücke ersetzt wurde, die geradezu total überdimensioniert dem Ort ein völlig neues Gepräge gibt. Hornung und sein Kameramann Marvin Hesse schildern nicht nur den aussichtslosen Kampf der Anwohner um den Erhalt ihres Kiez, sondern finden melancholisch-poetische Bilder über die Seele eines Ortes, den es nun so nicht mehr gibt. Wim Wenders wiederum präsentierte seinen Dokumentarfilm „From inside out“ über die Bauten des Schweizer Architekten Peter Zumthor und lässt die Zuschauer dessen architektonischen Räume in 3D erleben. Ganz großes Kino ist Jens Meurers Dokumentarfilm „Biermann“ über den deutsch-deutschen Liedermacher, der sich stets eine eigene Sicht auf die Welt und vor allem eine Haltung bewahrt hat.

2026 ist ein richtig starkes Kinofilmjahr, wie die Branchenzahlen in den letzten Wochen belegt haben. Das große Publikumsfestival an der Alster führte vor Augen, dass dies in nächster Zukunft durchaus so weiter gehen kann.

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