Seit dem 1. Juli gehört BFE zur Broadcast Solutions. Martin Olff, Head of Global Sales & Marketing, und CTO Hartmut Opfermann erklären, welche neuen Möglichkeiten der Zusammenschluss eröffnet und wie sich BFE technologisch weiterentwickeln will.
Foto: BFE
BFE hat innerhalb von knapp drei Jahren zweimal den Eigentümer gewechselt: 2023 übernahmen Martin Dempf und Sven Hesselbach das Unternehmen im Rahmen eines Management-Buy-outs, seit dem 1. Juli gehört BFE zur Broadcast Solutions Group. Kehrt jetzt etwas Ruhe ein – und was bringt die Zukunft?
Martin Olff: Ruhe würde ich schade finden. Ich möchte, dass es weitergeht, dass wir mehr zu tun haben und dass der Zusammenschluss dazu führt, dass wir uns in die richtige Richtung weiterentwickeln. Der erste Schritt mit dem Management-Buy-out war notwendig geworden, nachdem der damalige Eigentümer verstorben war. Damals war es die beste und richtige Entscheidung, dass Martin Dempf und Sven Hesselbach das Unternehmen übernommen haben. Auch in dem Zusammenschluss mit Broadcast Solutions sehe ich für beide Unternehmen einen wirklichen Vorteil, weil wir uns komplementär ergänzen. Hartmut Opfermann: Ruhe können wir tatsächlich nicht gebrauchen, denn wir müssen uns in allen Bereichen ständig weiterentwickeln. Deshalb sehen wir die Übernahme durch Broadcast Solutions als einen guten Schritt in die richtige Richtung.
Wo liegen die komplementären Bereiche beider Unternehmen? Hartmut Opfermann: In den Bereichen, in denen wir ähnliche Dinge tun, etwa im Fahrzeugbau, pflegen wir schon jetzt einen engen Austausch – teilweise war das bereits vor dem Zusammenschluss der Fall. Nun ist es natürlich viel einfacher geworden, Personal in beide Richtungen auszutauschen, uns gegenseitig zu unterstützen und bei Kapazitätsengpässen auszuhelfen. In anderen Bereichen haben wir festgestellt, dass die Überschneidungen gar nicht so groß sind. Bei Festinstallationen war Broadcast Solutions zuletzt vor allem außerhalb des deutschsprachigen Marktes aktiv, während wir uns stärker innerhalb des deutschsprachigen Raums bewegt haben. Schon aufgrund dieser geografischen Aufteilung passen die Portfolios sehr gut zusammen.
Martin Olaf, Head of Global Sales and Marketing (Foto: BFE)
Wie soll sich BFE innerhalb dieser neuen Konstellation weiterentwickeln? Martin Olff: Technisch sind wir auf der Höhe der Zeit. Mit Hartmut haben wir jemanden, der in den aktuellen Broadcastthemen sehr gut zu Hause ist – ob SMPTE ST 2110 oder Dynamic Media Facility. In der Medientechnik und bei Leitwarten sind die Anforderungen häufig andere. Dort geht es darum, Systeme zu bauen, die jederzeit sicher und möglichst einfach bedient werden können und zugleich ausfallsicher sind. Gleichzeitig müssen wir uns als Unternehmen weiterentwickeln. Der Markt und die Anforderungen verändern sich. Darauf müssen wir reagieren, indem wir unsere Prozesse mit modernen Mitteln schneller und transparenter gestalten und dabei eine gleichbleibend hohe Qualität liefern. Die ersten Schritte haben wir bereits getan. Künftig wollen wir uns eng mit Broadcast Solutions austauschen, voneinander lernen und das, was beide Unternehmen gut machen, in die jeweils andere Organisation hineintragen. Hartmut Opfermann: Neben den prozessualen Anforderungen beschäftigt uns natürlich ständig die technologische Weiterentwicklung. Gemeinsam mit Broadcast Solutions haben wir dafür nun einen viel größeren Pool. Wenn wir beispielsweise ein gemeinsames Testlabor nutzen können, hilft uns das erheblich. Neue Themen wie die Dynamic Media Facility müssen aus den Fachgremien in das Unternehmen getragen werden. Wir müssen dafür intern Know-how aufbauen und auch unseren Broadcast-Controller KSC darauf ausrichten. Mit Horizon haben wir eine neue, bereits cloud-native Plattform geschaffen. In den nächsten Jahren wird es darum gehen, die Broadcastfunktionen, die wir künftig noch benötigen, aus der On-Premises-Welt auf diese Plattform zu übertragen. Dabei muss man gelegentlich auch alte Zöpfe abschneiden.
CTO Hartmut Opfermann (Foto: BFE)
Welche Rolle kann KSC künftig in Projekten von Broadcast Solutions spielen? Martin Olff: KSC bleibt Bestandteil von BFE; Marke und Unternehmen sollen in ihrer heutigen Form weiterbestehen. Durch den Zusammenschluss wird es aber einfacher, KSC dort einzusetzen, wo das System sinnvoll ist. Die Kolleginnen und Kollegen in Bingen erhalten jetzt einen tieferen Einblick in das, was wir entwickeln und bauen. Dadurch können wir unsere Stärken in gemeinsamen Projekten besser zur Geltung bringen. Hartmut Opfermann: Umgekehrt bietet uns die große internationale Erfahrung von Broadcast Solutions neue Möglichkeiten, KSC mit Blick auf das internationale Geschäft weiterzuentwickeln.
Cloud-native Plattformen und die Trennung von Anwendung und Hardware haben Sie bereits angesprochen. Ist Remote-Produktion das Modell der Zukunft?
Hartmut Opfermann: Wir sind dort mehr oder weniger schon angekommen. Es gibt bereits sehr viele Remote-Produktionen. Natürlich werden weiterhin große Ü-Wagen bestellt, doch zunehmend werden sie so gestaltet, dass sie sich für Remote-Produktionen eignen. Dann befinden sich im Fahrzeug kaum noch Bedienelemente; es ist im Grunde ein rollendes Rechenzentrum, das vor Ort bereitgestellt wird. Die Kunden sind dabei unterschiedlich weit, und das Verhältnis wird sich noch etwas austarieren. Aber wir bewegen uns nicht erst auf das Zeitalter der Remote-Produktion zu – wir sind bereits darin angekommen. Martin Olff: Ein ganz entscheidender Punkt ist außerdem die Virtualisierung. Früher war eine Funktion fest mit einem physischen Server gekoppelt. Das ist eine enorme Ressourcenverschwendung. Heute werden kleinere Funktionspakete gebildet und virtualisiert. Dadurch lässt sich die vorhandene Hardware besser auslasten. Ob sie im Ü-Wagen als rollende Serverfarm oder in einem Rechenzentrum steht und die Daten dorthin übertragen werden, ist dann zweitrangig. Entscheidend ist, dass ich mehr Funktionen auf derselben Hardware ausführen kann, weil ich sie nicht alle gleichzeitig benötige. Hartmut Opfermann: Und man wird wesentlich flexibler. Es ist heute viel schwieriger, so weit in die Zukunft zu planen wie früher. Damals konnte man sagen: Wir bauen ein Studio und werden es die nächsten zehn Jahre in dieser Form nutzen. Heute sagen uns viele Kunden, dass sie noch gar nicht wissen, was sie in fünf Jahren brauchen. Benötigen sie dann ein großes oder drei kleine Studios? Deshalb müssen wir Infrastrukturen so planen, dass sich schnell zwischen unterschiedlichen Szenarien wechseln lässt. Genau das ermöglichen cloud-native Infrastrukturen – unabhängig davon, ob sie tatsächlich in einer öffentlichen Cloud oder On-Premises betrieben werden.
Wo sehen Sie BFE und Broadcast Solutions gemeinsam im Markt? Martin Olff: Ich sehe uns als sehr schlagkräftiges Team. In Bingen und Mainz kommt eine beachtliche Menge an Wissen, Erfahrung und Möglichkeiten zusammen: die Ü-Wagen-Fertigung in Bingen, die Produktion in Mainz und das Know-how aus sehr unterschiedlichen Projekten. Viele von uns kennen sich seit Jahren und haben in wechselnden Konstellationen bereits gemeinsam gearbeitet. Deshalb wird daraus sehr schnell ein symbiotischer Zusammenschluss entstehen. Mit dieser geballten Leistung sind wir stabil und gut aufgestellt, um praktisch jede Form von Projekt anzunehmen und umzusetzen – wenn man uns lässt. [15645]