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Kamerafrau aus Berlin

Drei Fragen an … Katharina Diessner

Die Drei Fragen gingen in unserem Heft 6.2021 an die Kamerafrau Katharina Diessner. Sie hat uns verraten, warum sie als DoP und als Operator arbeitet und womit sie ihre Nachbarn plagt. 

1. Was ist dein Arbeitsschwerpunkt?
Für mich gibt es zwei Schwerpunkte in meiner Arbeit: als bildgestaltende Kamerafrau für fiktionale und dokumentarische Kino- und TV-Filme und als Operator für internationale und nationale Kino- und Streamingproduktionen. Ich liebe es, in vielen unterschiedlichen Genres und filmischen Ausdrucksformen erzählen zu können, von fiktional und dokumentarisch zu Expanded Cinema, Arthouse oder Blockbuster, TV oder Kino, jede Geschichte und jedes künstlerische Konzept gibt einem die Möglichkeit, in einen Dialog mit dem Zuschauer zu treten und für jede Figur und jedes Thema die passende Ausdrucksform und die Bilder zu finden.

Ein schönes Beispiel dafür ist der Kölner Tatort „Wie alle anderen auch“, bei dem ich das große Vergnügen hatte, mit der Regisseurin Nina Wolfrum zusammenzuarbeiten und wir die Herausforderung hatten, ein Thema zu erzählen, vor dem die meisten im Alltag eher ihre Augen verschließen. Wichtig war deshalb für uns, sowohl die Figuren als auch den Zuschauer ernst zu nehmen und mit allen filmischen Mitteln eine Welt erlebbar und fühlbar zu machen – und fiktionale Erzählung mit dokumentarischen Porträts zu verbinden. Diese Intensität von Gefühlen und Gedanken zum Ausdruck zu bringen, schafft für mich nur das filmische Erzählen.

Und ich liebe es, die Kamera in der Hand, im Arm oder auf der Schulter zu haben! Die Arbeit als Operator an großen Sets in der Verbindung aus Technik und Teamgeist finde ich großartig und ermöglicht mir, viel zu lernen und auch auszuprobieren. Ich finde die Aufgabe, für einen anderen DoP seine Bildvorstellungen richtig umzusetzen, seine Bildsprache zu adaptieren und dabei technisch so perfekt wie möglich zu sein, eine schöne Herausforderung, die mir nach all den Jahren immer noch sehr viel Spaß macht. Die Kombinationen aus Inhalt und Form, Gefühl und Technik, Planung und Intuition, Teamarbeit und Kommunikation und die Freude von allen Beteiligten, wenn ein Film gelungen ist, sind für mich die Gründe, weswegen wir alle immer noch so filmbegeistert sind.

2. Bist du in einem Verband aktiv?
Gerade weil die Arbeitsbedingungen für alle freien Produktionen und Filmschaffenden nicht leicht sind und das letzte Jahr die schwierigen Produktionsbedingungen noch verstärkt hat, schätze ich die Arbeit von Berufsverbänden als Interessenvertretung und als Netzwerkmöglichkeit sehr. Ich habe mich jetzt endlich für eine Mitgliedschaft beim BVK beworben und bin seit 2017 bei den Cinematographinnen ein aktives Mitglied. Die Cinematographinnen sind ein Zusammenschluss von Bildgestalterinnen aus dem deutschsprachigen Raum, die sich vernetzen und gegenseitig unterstützen. Was mit einer Webseite angefangen hat, ist inzwischen zu einem umfangreichen Netzwerk gewachsen. Wir treffen uns regelmäßig, organisieren Branchentreffs und Workshops zu verschiedenen technischen Themen und tauschen uns regelmäßig aus. Unser Ziel ist es, grundsätzlich die Sichtbarkeit von Kamerafrauen zu erhöhen und damit den Wandel in der Filmbranche aktiv mitzugestalten. Frauen an der Kamera sind selbstverständlich und so sollte es sich auch in der breiten Wahrnehmung und in der Verteilung der Aufträge widerspiegeln. Vor allem in normal bis höher budgetierten Produktionen bewegt sich der Anteil an weiblichen DoPs und Operator aber immer noch im einstelligen Prozentbereich, obwohl in der Ausbildung die Verteilung fast ausgeglichen ist. Das muss sich ändern. Denn Qualität ist unabhängig von dem Geschlecht und Diversität tut uns allen gut, besonders auch den Geschichten, die erzählt werden.

3. Wofür schlägt dein Herz außerhalb der Arbeit?
Das Schöne an unserem Filmleben ist ja, viele Interessen miteinander verbinden zu können, so dass es ein fließender Übergang und ständiges Wechselspiel von Beruflichem und Privatem ist. Langjährige Freundschaften sind aus der gemeinsamen Arbeit entstanden und dieser Austausch bereichert mein Leben. Natürlich gehe ich sehr gerne ins Kino und auf Filmfestivals und vermisse diese Orte der Reflexion und das gemeinsame Erleben von Filmen sehr. Ich wünsche mir, dass diese Sehnsucht nach Filmkultur und Austausch den positiven Effekt hat, dass wir uns alle bewusster dafür einsetzen und dass uns dieser Einsatz über die Zeit der Einschränkungen hinaus erhalten bleibt. Denn ohne die Auseinandersetzung mit sich selbst gibt es keine gesellschaftliche Weiterentwicklung. Zum Glück gibt es ja auch noch die Essenskultur und das Zelebrieren davon mit Freunden und Familie! Ich koche und backe gerne und ich liebe es, mich in Büchern und Aus- stellungen zu vertiefen und mit Freunden epische Tischtennis- und Badminton-Duelle zu liefern – mit viel Lachen und John-McEnroe- und Andre-Agassi-Hommagen.
Und zum Leidwesen meiner Nachbarn versuche ich, das Klavierspielen zu erlernen. [14589]

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