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Dedo Weigert

Am 30. November 2025 ist der ­Kameramann, Erfinder, ­Lehrer und Firmenchef ­ Dedo Weigert verstorben. Im Spätsommer hat er  für ein Interview mit uns  auf sein langjähriges
Filmschaffen zurückgeblickt.

Dedo Weigert
Fotos: Archiv Dedo Weigert

Wie hat Ihre Karriere in der Filmbranche begonnen?
Ich hatte das Glück, in jungen Jahre als Director of Photography große Projekte für das amerikanische Fernsehen drehen zu dürfen. Ich habe als Kamera-assistent bei den einstündigen Specials für NBC begonnen und viel von dem britischen Kameramann „Johnny“ Baxter Peters gelernt. Als er zu CBS gewechselt ist, hat er mich dem Produzenten als Kameramann empfohlen. Daraufhin habe ich fünf Monate in Moskau verbracht, um einen Film über die Geschichte des Kreml aufzunehmen. Es war ein wundervolles, großes Projekt mit acht Kameras: zwei geblimpten Mitchells und sechs ARRI-Kameras. Wir haben den Kreml bei Nacht mit 50 ASA ohne High-Speed-Objektive gedreht.

Lief bei solchen Drehs immer alles reibungslos?
In dieser Zeit habe ich viele Erfahrungen gesammelt. Ein Dreh hatte richtig desaströse Konsequenzen. In unserem Special über die Geschichte von Sankt Petersburg durfte der Panzerkreuzer Aurora nicht fehlen, der damals als Ausbildungsschiff für die Marine diente. Um zu zeigen, dass dieses Kriegsschiff durchaus einsatzfähig ist, hat die Besatzung auf meine Bitte einen Kanonenschuss abgefeuert, durch den in den Gebäuden am Ufer reihenweise die Fensterscheiben zu Bruch gegangen sind.

Was waren Ihre Highlights?
Zu meinen Arbeiten für das amerikanische Fernsehen gehörte der erste westliche Film über die russischen Kosmonauten Juri Alexejewitsch Gagarin, Andrijan Grigorjewitsch Nikolajew, Pawel Romanowitsch Popowitsch und Walentina Tereschkowa, die 1963 als erste Frau in den Weltraum geflogen ist. Das Training erfolgte auf dem Moskauer Zentralflughafen, der geschlossen wurde, ohne die Passagiere zu informieren, die dann im Winter im Schnee festsaßen. Ich bin bei den Trainingsflügen von Gagarin in der zweisitzigen MiG mitgeflogen und durfte Walentina Tereschkowa in einer Antonov begleiten. 

Wie sahen damals die Crews aus?
Bei diesen einstündigen Specials gab es noch große Teams. Bei dem Film über die Französische Revolution hatte ich sechzig Beleuchter und zwanzig Bühnenarbeiter, was nicht einmal ausgereicht hat, da wir viel Licht gebraucht haben. Bei den Dokumentationen, die ich als Kameramann, Regisseur und Produzent in vierzig Ländern gedreht habe, waren die Crews wesentlich kleiner und es gab weniger Licht. In der Regel hatte ich zwei Scheinwerfer von Ross Lowell im Gepäck. Er war nicht nur ein herausragender Kameramann, sondern auch ein einfallsreicher Erfinder, den heute keiner mehr kennt.


Das Unternehmen Dedo Weigert Film stand seit September 2025 unter vorläufiger ­Insolvenzverwaltung und meldete Mitte November 2025 formell Insolvenz an. Dedo Weigert verstarb wenige Tage später am 30. November 2025. Die im Januar 2026 erfolgte Insolvenzauktion musste der Firmengründer nicht mehr miterleben.


Wie sind Sie dazu gekommen, eigene Scheinwerfer zu bauen?
Bei meinen Drehs fehlte mir oft ein Scheinwerfer, der eine große Reichweite besaß. Die klassischen Studio- scheinwerfer sind Fresnel-Leuchten mit sphärischen Linsen, die für Diffusionen oder Scrims verwendet werden, weil sie sich nicht für eine gleichmäßige Lichtverteilung eignen. Statt der sphärischen Linsen habe ich als erster nicht-sphärische Linsen hintereinander in einer Leuchte eingesetzt. Die beiden asphärischen Linsen arbeiten zusammen. Bei diesem System werden drei separate Bewegungen durch einen einzigen Fokussierknopf gesteuert. Dabei wird das Licht von der Lampe und dem Reflektor vorab gesammelt, was eine kleinere Frontlinse und einen kompakten Lichtkopf mit beispielloser Leistungssteuerung ermöglicht. Dadurch habe ich einen Fokusbereich von 1:25 erhalten, was niemand auf der Welt jemals wieder erreicht hat. Das hat mir 1991 meine erste Anerkennung vom Oscar-Komitee eingebracht.

Bei welchen Produktionen sind diese Dedolights zu Einsatz gekommen?
Das System ist für Spezialeffekte konzipiert, die eine präzise Lichtplatzierung erfordern. Es gibt einen wunderschönen Film von dem Oberbeleuchter Ross Dunkerley, in dem er von seinem ersten Tag beim Film erzählt. Bei der Produktion von „American Beauty“ hat ihm der Kameramann Conrad L. Hall beigebracht, eine Blume auszuleuchten. Da Rosen eine symbolische Rolle in dem Film spielen, hat er ihn angewiesen, jede Rose einzeln mit einem Dedolight zu beleuchten, um so einen einzigartigen visuellen Look zu erzielen. Inzwischen arbeitet Ross Dunkerley als Oberbeleuchter für die Produktionen von Marvel. [15610]


Hier geht es zum vollständigen Interview mit Dedo Weigert!


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