Die Lage der Medien- und Produktionsbranche ist nach wie vor angespannt. Investitionen werden sorgfältiger abgewogen, die Filmförderung in Deutschland bewegt sich im Schneckentempo, Budgets bleiben unter Druck. Trotzdem blieb nach vier Tagen IBC in Amsterdam der Eindruck zurück, dass die Stimmung nicht mehr ganz so düster war wie vor einem Jahr.
Foto: Uwe Agnes
Natürlich ist das zunächst einmal nichts weiter als eine subjektive Beobachtung aus Gesprächen an den Ständen und bei den Begegnungen während der Messe. Doch wo 2025 vielfach noch Unsicherheit und Zurückhaltung dominierten, schien diesmal wieder etwas mehr Zuversicht aufzuscheinen. Nach schwierigen Jahren scheint sich die Branche auf das veränderte Umfeld einzustellen.
Die Zahlen der Veranstalter zeichnen dabei ein gemischtes Bild. 41.225 Menschen aus 170 Ländern kamen in diesem Jahr zur IBC, im Vorjahr waren es noch 43.858 gewesen. Das ist ein Rückgang um rund sechs Prozent. Auf der Ausstellerseite hingegen präsentierten sich mehr als 1.300 Unternehmen in den Hallen der RAI, darunter 256 zum ersten Mal. Die Zahl der IBC-Debütanten lag damit 36 Prozent über dem Vorjahr.
Auch unser Eindruck vor Ort war nicht ganz einheitlich. Freitag und Samstag waren die Hallen gut gefüllt, am Sonntagmorgen ging es dagegen auffallend ruhig zu und erst gegen Mittag wurde es etwas lebhafter in den Gängen. Insofern überrascht der Rückgang der Gesamtbesucherzahl nicht völlig. Gleichzeitig wirkte die IBC 2026 keineswegs wie eine Messe im Rückzug. Vielleicht lässt sich die etwas zuversichtlichere Stimmung deshalb weniger an der schieren Zahl der Besucher festmachen als daran, wie sich die Branche in Amsterdam präsentierte.
Cinema trifft Live
Ein wichtiges Indiz dafür war aus unserer Sicht die Rückkehr von ARRI. 2025 hatte das Unternehmen auf einen eigenen IBC-Auftritt verzichtet, in diesem Jahr war es wieder mit einem Stand in Amsterdam vertreten. Bemerkenswert war dabei nicht nur die Rückkehr selbst, sondern auch, womit sich ARRI präsentierte, denn Live Production nahm einen prominenten Platz ein.
Das ist Teil einer Entwicklung, die auf der IBC an vielen Stellen sichtbar wurde. Die einst recht klaren Grenzen zwischen Cinema und Broadcast werden zunehmend durchlässig. Large-Sensor-Kameras, cineastische Objektive und die entsprechenden Looks sind längst bei Konzerten, Shows und anderen Live-Produktionen angekommen. Gleichzeitig werden Kamerasysteme aus der Filmproduktion zunehmend so erweitert, dass sie sich in klassische Live-Infrastrukturen integrieren lassen.
Nachbarn in Amsterdam: ARRI und Riedel (Foto: Uwe Agnes)
Gleichzeitig geht es aber auch in Richtung noch größerer Sensoren. Sony zeigte unter anderem den neuen Rialto-65-Block, der den 65-mm-Sensor der VENICE Extension System Mini in einem abgesetzten Kamerakopf nutzbar macht.
Auch Blackmagic Design erweitert den Anwendungsbereich von 65 mm: Am Stand war die URSA Cine 17K 65 mit einem Panavision-Mount und einem Sphero-65-Objektiv zu sehen. Wie wir im Gespräch erfuhren, soll in Zukunft die Kooperation mit Panavision deren 65-mm-Optiken für die Blackmagic-Kamera verfügbar machen. Damit erhält der Sensor der URSA Cine 17K 65 Zugriff auf einen Objektivpark, der für das klassische 65-mm-Format entwickelt wurde.
Solche Entwicklungen bleiben nach vier Tagen IBC mehr in der Erinnerung als die Suche nach der großen Neuigkeit. Die Kategorien, nach denen sich die Branche lange sortieren ließ, funktionieren immer weniger eindeutig. Cinema trifft Live, Broadcast trifft IT, Hardware trifft Software. An vielen Stellen entscheidet nicht mehr das einzelne Gerät, sondern der Workflow, in den es eingebunden ist.
Blackmagic zeigte die URSA Cine 17K 65 mit Panavision-Mount. (Foto: Uwe Agnes)
KI als Alltag
Das gilt inzwischen auch für das Thema künstliche Intelligenz. Natürlich war KI auf der IBC 2026 allgegenwärtig. Auffällig war aber, wie häufig sie nicht mehr als Sensation präsentiert wurde, sondern vielmehr als Bestandteil konkreter Werkzeuge und Abläufe. Automatisierte Kameraführung, Suche und Verschlagwortung, Untertitelung und Übersetzung, Qualitätskontrolle, Postproduktion oder die Aufbereitung und Anpassung von Content: An vielen Stellen ist KI dabei, von der spektakulären Demo in den Werkzeugkasten des täglichen Gebrauchs zu wandern. Damit wird die Frage spannend, wo die Technik Workflows beschleunigt – und wo sie menschliche Arbeit komplett ersetzt.