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Im Praxistest: Fujifilm GFX ETERNA 55

Large Format mit Profil (2)

Neben der Bildqualität entscheidet im Produktionsalltag vor allem der Workflow: So schlug sich die Fujifilm GFX ETERNA 55 bei Audio, Stromversorgung und Aufzeichnung.

Fujifilm GFX ETERNA 55
Foto: CineD

Das Gehäuse der GFX ETERNA 55 besteht aus einer Magnesiumlegierung und bietet eine ausgewogene Balance zwischen Stabilität und Gewicht, fällt jedoch größer aus als typische spiegellose Hybridkameras. Positiv hervorzuheben sind die zahlreichen 3/8“-16- und 1/4“-20-Gewinde am Kameragehäuse und am mitgelieferten Handle. Zubehör lässt sich dadurch flexibel montieren, ohne zwingend auf ein zusätzliches Cage-System angewiesen zu sein.

Ein gelungenes Detail sind die beiden seitlichen 3-Zoll-Displays, die identische Informationen anzeigen, darunter Aufnahmeparameter, Audiopegel und Formatangaben. Diese doppelte Anzeige erleichtert die Zusammenarbeit im Team, da mehrere Personen gleichzeitig Zugriff auf die relevanten Informationen haben. Ergänzt wird das durch sechs frei belegbare Shortcut-Tasten, die schnellen Zugriff auf wichtige Funktionen ermöglichen und die Bedienung im Drehalltag deutlich beschleunigen.

Der mitgelieferte 5-Zoll-Touchscreen-Monitor bietet eine Helligkeit von bis zu 2.000 Nits bei einer Auflösung von 1920 × 1080 Pixeln. Dank der flexiblen Halterung lässt sich das Display auch unter schwierigen Lichtbedingungen gut positionieren. Fujifilm hat zudem bestätigt, dass ein dedizierter elektronischer Sucher in Entwicklung ist.

Die Audiosektion fällt dagegen vergleichsweise schlicht aus. Es stehen lediglich 3,5-mm-Klinkenanschlüsse für Mikrofon und Kopfhörer zur Verfügung. Für größere Produktionen ist das unproblematisch, da Ton dort ohnehin separat aufgezeichnet wird. In dokumentarischen oder One-Man-Band-Setups stellt dies jedoch eine Einschränkung dar.

Fujifilm bietet hierfür mit dem TASCAM CA-XLR2d-F eine Adapterlösung für professionelle Audioeingänge. Auch Drittanbieter bieten entsprechende Montagemöglichkeiten an, etwa zur Integration am Top-Handle. Im praktischen Einsatz zeigt sich jedoch ein Detailproblem, denn der Zubehörschuh ist am vorderen Teil des Handles positioniert. Werden dort Funkempfänger montiert, sind die üblichen Verbindungskabel oft zu kurz, um die rückseitigen 3,5-mm-Eingänge zu erreichen. Das erfordert entweder längere Kabel oder alternative Montagekonzepte.

Aufzeichnung und Stromversorgung

Eine wesentliche Einschränkung im Workflow ist das Fehlen von internem RAW. Wie bereits bei der GFX100 II gibt es auch bei der GFX ETERNA 55 keine interne RAW-Videoaufzeichnung. Für größere Produktionen ist das weniger problematisch, da dort ohnehin mit externen Recordern gearbeitet wird. Für unabhängige Produktionen bedeutet es jedoch zusätzlichen Aufwand, da internes RAW häufig als Sicherheitsreserve für nachträgliche Anpassungen dient. Die GFX ETERNA 55 bietet stattdessen eine RAW-Ausgabe über SDI oder HDMI an externe Recorder. Mit aktuellen Firmware-Versionen ist RAW-Aufzeichnung über Atomos-Recorder möglich, bis zu 48 fps in 4:3 Open Gate über HDMI und bis zu 29,97 fps über SDI. Das ist funktional, erfordert jedoch zusätzliche Hardware, mehr Verkabelung und erhöht den Energiebedarf.

Fujifilm GFX ETERNA 55
Gut zugängliche Multifunktionsräder ermöglichen die schnelle Steuerung zentraler Parameter. (Foto: CineD)

Damit rückt auch die Stromversorgung stärker in den Fokus. Die GFX ETERNA 55 verfügt über ein durchdachtes Konzept mit einer rückseitigen V-Mount-Aufnahme, die sich auch für Gold-Mount-Systeme adaptieren lässt. Ein praktisches Detail ist der integrierte NP-W235-Akku, der als Backup dient. Beim Wechsel einer V-Mount-Batterie versetzt sich die Kamera in einen Energiesparmodus und bleibt betriebsbereit, ohne vollständig herunterzufahren – ein Vorteil insbesondere im dokumentarischen Einsatz.

Allein über den NP-W235 lässt sich die Kamera etwa 22 Minuten betreiben; zugleich fungiert er als unterbrechungsfreie Stromversorgung beim Akkuwechsel. Die Energieeffizienz fällt insgesamt hoch aus: Ein längerer Drehtag lässt sich mit zwei 99-Wh-Akkus realisieren.

Fazit

Die GFX ETERNA 55 bewegt sich mit einem Preis von 16.500 US-Dollar in einem anspruchsvollen Wettbewerbsumfeld. Dabei trifft ein klar auf Bildcharakter und Large-Format-Ästhetik ausgelegtes Konzept auf Erwartungen an technische Flexibilität des Systems.

Funktionen wie internes RAW oder hohe Bildraten stehen bei der Kamera weniger im Fokus, was die Kamera von vielen Konkurrenzmodellen in dieser Preisklasse unterscheidet. Die GFX ETERNA 55 richtet sich damit an eine klar definierte Zielgruppe: Kameraleute, die gezielt auf Fujifilms Farbwiedergabe setzen und den räumlichen Eindruck eines Large-Format-Sensors schätzen.

Für szenische Produktionen und den Werbe- oder Commercial-Bereich lässt sich ihre spezifische Bildästhetik unter kontrollierten Bedingungen gezielt einsetzen. Damit positioniert sich die Kamera als spezialisiertes Werkzeug für Anwendungen, bei denen Bildcharakter und Large-Format-Ästhetik im Vordergrund stehen.

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Large Format mit Profil – Fujifilm GFX ETERNA 55

Teil 1: Large Format und Open Gate
Teil 2: Ergonomie, Workflow und Fazit


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