Anzeige
Anzeige
Silbersalz Cinelab und MWA Nova entwickeln neuen Filmscanner

Der digitale Zwilling

Wer auf chemischem Film dreht, muss diesen nach der Entwicklung in eine digitale Form bringen. Silbersalz Cinelab hat zusammen mit der Filmscan-Legende MWA Nova einen neuen Filmscanner entwickelt. Der Lumiére bietet 16-bit 14K RAW und hat das Potential, revolutionär zu werden.

Filmscanner
Foto: Kevin Brari

Auf Film drehen! Wer das nicht schon einmal bei seinen Projekten zumindest gedanklich durchgespielt? In der Praxis aber stehen dem nach wie vor hohe Hürden entgegen: das Budget, aber auch eine Infrastruktur, die man längst nicht mehr an jeder Ecke findet. Dazu gehört auch die Übersetzung des analogen Materials in die digitale Postproduktion. Sie erfolgt nach der Entwicklung über den Filmscan, der maßgeblich über die spätere Bildqualität entscheidet.

Genau hier setzen Thomas Bergmann und seine Crew von Silbersalz Cinelab gemeinsam mit Oliver Mewes und seinem Team bei MWA Nova an: Sie stellten auf der Berlinale den gemeinsam entwickelten Lumiére-Filmscanner vor. Herzstück ist ein Sony-Mittelformat-CMOS-BSI-Sensor mit 151 Megapixeln und einer Auflösung von bis zu 14K. Der Dynamikumfang wird mit rund 15 Blenden angegeben, die Scan-Geschwindigkeit liegt  je nach gewählter Auflösung bei bis zu 50 fps. Gespeichert wird das Material linear in 16 Bit im ACES-Farbraum, die Farbinformationen werden über Metadaten bereitgestellt.

Zukunftssicherheit

Mit dem Apollon hatte Thomas Bergmann bereits einen eigenen Filmscanner im Einsatz, der im fotografischen Bereich überzeugte, für Bewegtbild jedoch mit rund einem Bild pro Sekunde zu langsam war. Für kleinere Projekte wurde er dennoch genutzt. „Uns war klar, dass es mit eigenen Mitteln ein enormer Aufwand wäre, noch schneller und flexibler zu werden“, so Bergmann. Ziel war daher eine Entwicklung, die präziser arbeitet als Echtzeitscanner wie der Cintel, zugleich aber deutlich schneller ist als klassische Präzisionsscanner wie der ARRISCAN XT.

Gleichzeitig beobachtete Bergmann, dass viele Kunden die als starr empfundenen Workflows bestehender Systeme zunehmend ablehnten und stattdessen auf digitale Produktionen auswichen. Gefragt war eine Alternative, die sich nahtlos in moderne Postproduktionspipelines integrieren lässt.

Mit dem Umzug nach Berlin entstand die Zusammenarbeit mit MWA Nova. Während Silbersalz die Anforderungen aus der Bewegtbildproduktion, Color-
science und Workflow-Integration einbrachte, steuerte MWA jahrzehntelange Erfahrung in Mechanik, Transporttechnik und Speicherung bei. „Von uns kommt die Vision und der Zugang zur Bewegtbildproduktion, von MWA die technische Basis“, so Bergmann.

Das gemeinsame Ziel: ein Scan, der das Filmmaterial als „digitalen Zwilling“ des Negativs möglichst vollständig erfasst. Dieser Ansatz soll nicht nur eine größtmögliche Qualität sichern, sondern auch zukünftige Anforderungen an Auflösung und Workflow abbilden können.

Filmscanner
Außer mit den Spulen und Rolen kommt das Filmmaterial mit keinen mechanischen Elementen in Berührung. (Foto: Kevin Brari)

Technischer Ablauf

Der aktuell einzige Lumiére-Prototyp besteht aus zwei Komponenten: der „gelber Kasten“ genannten Steuerungs- und Scaneinheit sowie einer angeschlossenen High-End-Workstation zur Kontrolle und Weiterverarbeitung. „14K ist deutlich mehr, als 35 mm hergeben kann“, sagt Bergmann. „Mit 16 Bit Float bleiben sämtliche Nuancen erhalten, sowohl in Bezug auf Dynamik als auch auf den Farbraum.“

Der grundsätzliche Aufbau folgt bekannten Filmscannern. Oben angeordnete Labor-Spulen führen das Material zu und nehmen es nach dem Scan wieder auf. Über Zwischenspulen und einen präzisen Spannarm wird der Film kontinuierlich und materialschonend transportiert. Ein Laser vor dem Gate erkennt die Perforation und bestimmt die exakte Position jedes Frames, während eine RGB-Lichtquelle hinter dem Gate das Bild für den Scan belichtet.

Im Unterschied zu klassischen Präzisionsscannern arbeitet der Lumiére kontinuierlich: Das Material läuft durchgehend durch das System, ohne die für Einzelbildscanner typischen Start- und Stoppbewegungen. „Das beschleunigt den Ablauf erheblich und reduziert gleichzeitig die mechanische Belastung des Materials“, erläutert Bergmann.

Die Kameraeinheit basiert auf einem rückseitig belichteten CMOS-Sensor von Sony mit einer Auflösung von bis zu 14K. Ein Makroobjektiv mit einer Auflösung von bis zu 100 Linienpaaren sorgt für die präzise Abbildung der einzelnen Filmframes. Die Bilddaten werden direkt in den Arbeitsspeicher der angeschlossenen GPU übertragen, wo Debayering und weitere Verarbeitungsschritte in Echtzeit erfolgen. Je nach Auflösung variiert die Scan-Geschwindigkeit: Während bei maximaler Qualität rund 12 fps erreicht werden, sind bei geringerer Auflösung bis zu 50 fps möglich.

Das Filmgate ist austauschbar und erlaubt die Verarbeitung einer breiten Palette an Formaten, darunter 35 mm (2perf, 3perf, 4perf), 16 mm, Super16, Single8 und Super8 sowie weitere Varianten wie das von Silbersalz entwickelte Half35, aber auch Exoten wie VistaVision. Die Formatwahl erfolgt über die Steuerungseinheit, der Laser passt sich entsprechend an die jeweilige Perforation an. Der Scanprozess selbst kommt ohne mechanische Fixierung im Gate aus, wodurch das Material ausschließlich über die Transportspulen geführt wird.

Datenformat und Workflow

„Du hast im Grunde zu deinem Negativ einen digitalen Zwilling“, sagt Silbersalz-Geschäftsführer Thomas Bergmann. Gemeint ist ein Scan, der das Filmmaterial möglichst vollständig und verlustfrei in die digitale Postproduktion überführt. Die Verarbeitung erfolgt direkt auf der angeschlossenen GPU, wo Cropping, Stabilisierung und Farbinterpretation in Echtzeit stattfinden. Ausgegeben werden die Daten als „Lumiére RAW Files“ in 16 Bit Float, ausgelegt für die Weiterverarbeitung im ACES-Workflow. [15626]


Du möchtest mehr über den Lumiére erfahren? Hier findest du den kompletten Artikel!


Anzeige

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.