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Broadcast-Technik bei Aida Cruises

Quizshow mit Meerblick (1)

AIDA Cruises baute in ihre zwei größten Schiffe voll ausgestattete TV-Studios ein. Dort entstehen an 365 Tagen im Jahr Inhalte für die Kreuzfahrtgäste. Wir haben für unser Heft 01.2026 das Studio auf der AIDAcosma besucht und erfahren, wie es geplant wurde und welche Technik verbaut ist.

Broadcast auf AidaCosma
Foto: Timo Landsiedel

Las Palmas, Gran Canaria, 18:14 Uhr. In Deutschland herrscht Schneechaos. Hier sind es angenehme 19 Grad: nicht schlecht für Anfang Januar. Steffen Bachmanns Schritte hallen auf der Gangway zum Crew-Eingang der AIDAcosma auf Deck 3. Bachmann ist Herr über die Medientechnik auf elf Schiffen und im gesamten Unternehmen AIDA Cruises. Die freund- lichen Crewmitglieder durchleuchten seinen Koffer und wünschen einen schönen Aufenthalt an Bord.

Bachmanns erstes Ziel an Bord ist das Studio X. Hinter einer unscheinbaren Tür geht es in den Crew-Bereich, der den 1.400 Menschen vorbehalten ist, die dieses Schiff am Laufen halten. Drei Treppenfluchten später steht er wieder auf einem offiziellen Gang und tritt durch eine weit geöffnete Flügeltür. Angekommen.

Gäste im Mittelpunkt

Die Kreuzfahrtindustrie boomt. Wenn ein Schiff fertig gebaut ist, dann ist es auch schon ausgebucht. Wichtig ist dabei immer, den Passagieren etwas zu bieten. Immerhin verbringen sie viel Zeit an Bord. Wenn es zu langweilig wird, kommen die Gäste nie wieder. Seit 30 Jahren hat die Rostocker Reederei AIDA Cruises jedoch Erfahrung darin, genau das zu vermeiden.

„Wer hier auf dem Schiff tätig werden möchte, muss eines verstehen: Die Gäste stehen im Mittelpunkt“, sagt Steffen Bachmann. „Was auch entschieden wird, es muss den Gästen zugutekommen.“ Der Broadcast & Media Technics Manager ist seit 22 Jahren für AIDA Cruises tätig. Schon während der Schulzeit arbeitete Bachmann auf Ü-Wagen, später absolvierte er eine Ausbildung als Mediengestalter. 2003 kam er erstmals als Kamera-Operator an Bord von AIDAaura – und blieb der Welt der Kreuzfahrt treu. Dann ging er 2008 an Land, um in Hamburg die immer komplexer werdende Broadcast-Technik an Bord der AIDA-Schiffe zu verwalten. „Seit 2007 haben wir fast jedes Jahr einen Neubau dazubekommen“, erklärt Bachmann. „Da muss man Prozesse schaffen, damit man mit wenig Aufwand einen großen Outcome hat.“

Heute ist die gesamte broadcasttechnische Ausstattung sein Metier. Dazu gehört Auswahl und Standardsetzung der gesamten Broadcast- und Medientechnik, auch landseitig bei Übertragungen von Schiffstaufen oder Rekordversuchen auf der ganzen Welt. „In einer Kreuzfahrtsreederei ist es sehr untypisch, jemanden zu haben, der sich um so etwas kümmert.“, sagt Steffen Bachmann. „Es ist ein Alleinstellungsmerkmal bei AIDA, dass wir da so stark sind und das auch mit Ideen vorantreiben, um unsere Gäste mit etwas anderem als einer Theater-Show zu unterhalten.“ Auch das Studio X entstand unter seiner Ägide.

Broadcast auf AidaCosma
Manager Broadcast & Media Technics Steffen Bachmann und Broadcast Supervisor Mark Schlüter wachen über die Broadcasttechnik. (Foto: Timo Landsiedel)

Konsequentes Konzept

Steffen Bachmann tritt durch die Flügeltür und biegt nach rechts ab. Hier ist das Herzstück des Broadcast Centers: die zwei Regieräume des Schiffes. Die Plätze vor der Monitorwand des kleineren Regieraums sind leer, denn er wird nur bei gleichzeitigen Veranstaltungen in Studio X und dem sogenannten Theatrium genutzt. Das Theatrium ist der zentrale Unterhaltungsort der AIDA-Schiffe. Es liegt mittig im Schiff, ist nach allen Seiten hin offen gestaltet und über mehrere Decks verteilt. Den ganzen Tag über wird es bespielt, von Reiseinfos bis zu abendlichen Shows. Auf den Schiffen AIDAnova und AIDAcosma sind Studio X und Theatrium in ihrer Medientechnik eng verzahnt.

Bachmann tritt durch die gegenüberliegende Tür in den Hauptregieraum und begrüßt Mark Schlüter. Der gebürtige Spanier wuchs auf Mallorca auf und ist auf AIDAcosma aktuell Broadcast Supervisor und als Technischer Leiter für die Abläufe in den beiden Regien verantwortlich. Er kümmert sich um die Sende- abwicklung, Leitungswege oder auch Server Maintenance. Neben der Pünktlichkeit der Sendung sorgt er dafür, dass die Kameras gematcht sind, dass die so genannte Show-Control, also das Fahren der Grafiken mit Quizfragen oder Animationen funktioniert,  sowie dass LED-Ansteuerung des Bühnen-Set-Ups reibungslos klappt.

Schlüter gehörte 2018 zum ersten Team des Studio X auf der AIDAnova. Gerade jetzt bereitet er die „AIDA Prime Time mit Olli“ vor. Täglich spricht Oliver Griese, Head of Entertainment auf der AIDAcosma, am frühen Abend im Theatrium im Plauderton über anstehende Events oder wichtige Informationen aus dem Schiffsalltag.

Das Broadcast Center, in dem die gesamte Technik zusammenläuft, liegt hinter den Tribünen des Studios. Es umfasst neben den beiden Regieräumen noch zwei Schnittsuiten mit Adobe Premiere Pro, ein Techniklager sowie einen Masken- und Garderobenraum im Gang um die Ecke und den zentralen Server-raum ein Deck darüber.

Planung

AIDAnova wurde 2018 ausgeliefert, AIDAcosma drei Jahre später. Die Planung für Schiffe und damit auch für die Medientechnik begannen schon Jahre zuvor. Das Studio X war eine logische Erweiterung des
Unterhaltungskonzepts an Bord. Neben dem etablierten Theatrium-Konzept, wo innerhalb der Flotte bereits seit 2007 Broadcasttechnik verbaut war, sollte mit dem Studio X eine weitere Location für Unterhaltung an Bord sein.

Die beiden Schiffe wurden in der Meyer Werft in Papenburg gebaut. Auch die Ausstattung des Studio X mit der geplanten Medientechnik fand hier statt. Dafür arbeitete Steffen Bachmann mit dem Unternehmen Broadcast Solutions zusammen. Die Systemintegratoren aus Bingen am Rhein statten für gewöhnlich Ü-Wagen aus. Hier stimmte seiner Aussage nach nicht nur das Menschliche, vielmehr verstanden die Rheinland-Pfälzer auch sofort die Besonderheiten des Lebens an Bord.

Für das AIDA-Planungsteam definierten diese Begebenheiten auf dem Schiff den gesamten Prozess des Designs. Das Studio X kann nicht von 20 bis 30 Leuten gefahren werden, wie es in einem regulären Studio üblich ist. Die Crewgröße im Regieraum entspricht einer üblichen Ü-Wagen-Besatzung von rund vier Leuten. Die technische Ausstattung von Regie und Studio richtet sich nach den Präferenzen des Broadcast-Teams sowie der Crewgröße.

Bereits auf den Vorgängerschiffen kam Technologie von Blackmagic Design zum Einsatz. Der Hersteller habe immer ein offenes Ohr für Bachmanns Ideen und sei zuverlässig. Vor allem aber sei die Technik intuitiv bedienbar, so dass Personal, das von anderen Schiffen der Flotte auf die AIDAcosma kommt, nicht auf neue Technik geschult werden müssen.

Broadcast auf AidaCosma
Sechs teils auf Tracks laufende Blackmagic Design URSA G2 sind im Studio verbaut. (Foto: Timo Landsiedel)

Ausstattung

Der Haupt-Regieraum wird vor allem für das Studio X genutzt, fährt aber jetzt gerade auch die „AIDA Prime Time mit Olli“. Die Bildmischung findet über Blackmagic Design ATEM statt, die Kameras werden mit Telemetrics RCCP-2A gesteuert. Das geschieht teils von Hand, teils über gespeicherte Presets. In der Hauptregie gibt es zehn Camera Remote Panels von Cyanview, auf die gerade die Bilder der fünf auf
Telemetrics-Remote-Heads festinstallierten Kameras aus dem Theatrium aufgeschaltet sind. Zusätzlich läuft das Signal einer eine mobilen Kamera an einem Easyrig hier auf.

Insgesamt kommen auf AIDAcosma 18 baugleiche Blackmagic Design URSA G2 zum Einsatz, übrigens die ersten, die jemals ausgeliefert wurden. Das zeugt vom direkten Draht zum Hersteller, vor allem dessen R&D-Abteilung. Neben den fünf URSAs im Theatrium sind weitere sechs fest im Studio X installiert. Zusätzlich sitzt hier eine siebte Kamera auf einer Vinten Osprey Elite Pumpe mit CueScript Teleprompter für Moderationen. Die fest installierten Kameras sind mit Fujinon HD 7.6-175mm f/1.8 Broadcast-Zooms ausgestattet. „Ich bin seit 22 Jahren im Unternehmen, aber wir hatten noch nie eine Fujinon in einer Werkstatt“, sagt Steffen Bachmann. Ihm geht es bei aller Technik immer um leichte Bedienbarkeit und Zuverlässigkeit. Denn das Schiff und somit auch das Studio X sind 365 Tage im Jahr im Einsatz. Nur alle paar Jahre geht es für ein paar Wochen in die Werft.

Bildqualität und Handling des Equipments sind auf Broadcastniveau. Das sei auch der Standard, mit dem Gäste das Bild vergleichen. Sieht das aus wie bei RTL oder der ARD? Im Gegenzug komme aber auch nichts zum Einsatz, was die Gäste nicht als Qualitätssteigerung wahrnehmen. Das System setzt auf 1080p50. Höhere Auflösungen wie UHD machen für das Team keinen Sinn. Die Gäste nähmen den Unterschied nicht wahr. HDR jedoch wird in absehbarer Zeit eingeführt werden. Das sei ein Mehrwert, der technisch einfach umsetzbar sei und einen wahrnehmbaren Qualitätszuwachs darstelle. [15608]


Quizshow mit Meerblick – Broadcastproduktion auf der AIDAcosma

Teil 1: Studio X und Broadcasttechnik
Teil 2: Crew, Workflows und eigene Produktionslösungen


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