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Sony FX2, Nikon ZR und Canon C50 im Vergleich

Troika im Vollformat

Sony FX2, Nikon ZR und Canon C50 zeigten im Praxistest, wie unterschiedlich die Wege zu überzeugenden Bildern sein können.

Testkameras auf orangem Tablett
Foto: Sven Kubeile

Es kommt nicht alle Tage vor, dass bei uns gleich mehrere Kameras gleichzeitig im Test eintreffen. Dieses Mal aber haben sich drei Modelle wenigstens kurzzeitig überschnitten: die Sony FX2, die Nikon ZR und die Canon EOS C50. Alle drei haben im Praxiseinsatz überzeugt, könnten in ihrer Ausrichtung aber kaum unterschiedlicher sein.

Gemeinsam ist ihnen das Vollformat im spiegellosen Design. Während die Hersteller teils auf bewährte Konzepte aufbauen, bringen sie zugleich neue Ideen ins Spiel. Die Sony FX2 vereint Elemente der FX3 mit Eigenschaften der Alpha IV, die Nikon ZR verbindet erstmals RED-Kameratechnik mit Nikons Fotoerfahrung und Canons C50 versteht sich als klare Ansage in Richtung der FX3-Nutzerschaft.

Sony FX2

Mit der FX3 hatte Sony seinerzeit einen wichtigen Schritt unternommen, nämlich eine A7 III in ein filmtaugliches Gehäuse zu übertragen. Auf den elektronischen Sucher wurde verzichtet, dafür kamen mehr Mounting-Optionen, Tally-Licht, aktiver Lüfter und ein videozentriertes Tastenlayout hinzu. Der im Lieferumfang enthaltene abnehmbare XLR-Handgriff rundete das Paket ab.

Sony FX2
Im Gegensatz zur FX3 hat die Sony FX2 einen schwenkbaren elektronischen Sucher. (Foto: Sven Kubeile)

Dieses Prinzip überträgt der Hersteller auf die A7 IV, die eigentlich eine reine Fotokamera mit untergeordneten Videofunktionen ist. Deren Sensor bildet die Grundlage der neuen FX2, die nun über aktive Kühlung gegen Überhitzungspausen und ein kompakteres, FX-typisches Gehäuse verfügt, jedoch im Gegensatz zur FX3 mit integriertem elektronischem Sucher.

Für den Praxistest stand uns das Modell einige Tage über die Social-Media-Agentur vanmackenbach zur Verfügung. Im Umfeld von weiteren Sony-Kameras zeigte sich rasch, welche Zielgruppe Sony hier anspricht: Es geht um Hybrid-Filmemacherinnen und -Filmemacher, die in ihren Projekten oft zwischen Foto und Video wechseln müssen. Die FX2 kombiniert die Lichtstärke und Low-Light-Qualitäten der FX3 mit der höheren Auflösung und den Fotofunktionen der A7 IV. Damit positioniert sich Sony klar in der Schnittmenge dieser Welten, mit der FX2 als ein Werkzeug für Kreative, die in beiden Disziplinen zu Hause sind.

Nikon ZR

Kaum eine Kamera wurde im Vorfeld so gespannt erwartet wie die Nikon ZR. Rund eineinhalb Jahre nach der Übernahme des Kinokamera-Herstellers RED bringt Nikon erstmals Technologien aus dem Cine-Bereich in eine spiegellose Vollformatkamera. Schon äußerlich verweist das auf dem Display angebrachte Doppel-Branding auf die neue Allianz und spätestens beim Aufklappen zeigt sich der erste Aha-Moment: Einen so großen und hellen Klappbildschirm hat man bei einer DSLM bisher nicht gesehen.

Auch funktional wagt Nikon Neues. Die ZR zeichnet Ton wahlweise intern oder über angeschlossene Mikrofone in 32-Bit-Float auf. Damit bleibt der Dynamikumfang des Tons selbst bei stark schwankenden Pegeln vollständig erhalten. Das ist ein echtes Plus für Event- und Dokumentardrehs. Die zwei Native-ISO-Werte 800 und 6.400 sorgen zudem für rauscharmes Bildmaterial in nahezu jeder Lichtsituation.

Bei den Codecs bietet die Kamera ein beeindruckendes Spektrum: Neben der RED-RAW-Integration (R3D NE) stehen N-RAW, ProRes RAW HQ, ProRes 422 HQ, HEVC/H.265 (10 bit) und H.264/AVC (Proxy) zur Verfügung, dies bei interner Aufzeichung und mit bis zu 6K in 60 p.

Im Praxistest begleitete uns die ZR bei einer Hochzeit in Valencia. Zusammen mit dem neuen 24–70 mm f/2.8 ließ sie sich überzeugend aus der Hand führen. Der integrierte IBIS minimierte Verwacklungen zuverlässig, auch wenn er nicht ganz das Niveau der jüngsten Canon-Modelle erreicht. Besonders beeindruckend war das Zusammenspiel aus RED-RAW-Aufnahme und 32-Bit-Float-Audio: Ob Meeresrauschen oder laute Partymusik: Nachträglich normalisiert klang jedes Detail kristallklar. Gerade für Run-&-Gun-Drehs ist das eine echte Erleichterung.

Nikon ZR
Das große Display der Nikon ZR konnte unter südlicher Sonne überzeugen. (Foto: Sven Kubeile)

Canon C50

Als Canon kurz vor der IBC die EOS C50 vorstellte, waren einige Stimmen zu vernehmen, die laut fragten, warum eine Antwort auf Sonys beliebte FX3 so lange auf sich warten ließ und die zudem den fehlenden mechanischen Bildstabilisator IBIS bemängelten. Doch der Reihe nach. Die C50 setzt auf einen neu entwickelten, aktiv gekühlten 32-Megapixel-Vollformat-Sensor, der in ungekühlter Form auch in der EOS R6 Mark III arbeitet. Als echte Cinema-EOS lässt sich die Kamera wahlweise im Foto-Betriebssystem oder im Cinema-EOS-Modus starten. In letzterem stehen sämtliche professionellen Funktionen bereit, die von False Color über Timecode bis hin zu LUT-Unterstützung reichen.

Eine der spannendsten Neuerungen ist die Open-Gate-Aufnahme, die erstmals in eine Canon-Kamera Einzug hält. Der gesamte Sensor kann im 3:2-Format aufgezeichnet werden. Das ist besonders spannend für anamorphotische Drehs oder Produktionen, die Material sowohl im 16:9-Querformat als auch im 9:16-Hochformat benötigen. Das klingt für die User von Panasonic-Kameras vielleicht nicht besonders innovativ, doch gibt es immer noch etliche Hersteller, bei denen Open-Gate-Aufnahmen komplette Fehlanzeige sind. Glücklicherweise dürfen sich auch künftig alle Besitzerinnen und Besitzer einer C400 über Open-Gate freuen, bereitgestellt per Firmware-Update. In anderen Formaten arbeitet die C50 mit Oversampling des 7K-Sensors und liefert in 4K bis zu 120 Bilder pro Sekunde.

Für unseren Praxistest nutzten wir die Kamera bei der Produktion mehrerer Social-Media-Clips eines Bonner Künstlers. Der nicht vorhandene mechanische IBIS stellte keine besondere Einschränkung dar, denn der elektronische Stabilisator funktionierte zuverlässig und in der Post ließ sich das Material problemlos weiter stabilisieren. Besonders Event-Filmschaffende, die bislang nie mit Open Gate gearbeitet haben, profitieren von der neuen Flexibilität. Die Kamera zeigt über konfigurierbare Guides gleichzeitig Hoch- und Querformate an und kann beim UHD-Dreh parallel ein natives Hochkant-File aufzeichnen.

Das Material aus der recht finsteren Keller-Location kann sich sehen lassen. Dank der nativen ISO von 6.400 ist das Bild clean und hat immer noch einen ausreichenden Dynamikumfang. Gerade im Oversampled-4K-Modus ist das Bild knackig scharf, rauschfrei und wie bei Canon gewohnt farblich auf sehr hohem Niveau.

Canon C50
Die zahlreichen buttons an der Canon C50 lassen sich flexibel belegen. Mit an Bord: Timecode und aktive Kühlung (Foto: Sven Kubeile)

Stärken und Schwächen

Nach unseren kurzen Praxiseinsätzen lässt sich ein erstes Zwischenfazit ziehen. Die Sony FX2 will vieles zugleich, was ihr erstaunlich gut gelingt. Im Vergleich zu den beiden anderen Modellen ist sie die vollwertigste Fotokamera im Feld. Sie verfügt als einziges der getesteten Geräte über einen optischen Sucher und einen mechanischen Verschluss. Gegenüber der A7 IV bringt sie zwar keine völlig neuen Filmfunktionen, doch mit DCI-4K, Cine EI und LUT-Workflows bietet sie genügend Professionalität, um auch in anspruchsvollen Produktionen als verlässliches Werkzeug zu bestehen.

Für die Nikon ZR sprechen auf den ersten Blick einige Fakten. Sie ist eine spannende Neuentwicklung im kompakten Format, die leicht, handlich und technisch ambitioniert daherkommt. Ihr größter Vorteil ist zugleich ein Kompromiss, weil die RED-Colorscience ausschließlich im R3D-Modus zur Verfügung steht. In allen anderen Formaten arbeitet die Kamera mit Nikons eigener Bildpipeline.

Damit ist die ZR zwar RAW-fähig und im Prinzip prädestiniert für Hochzeiten oder Eventdrehs. Doch sind die Datenmengen, die entstehen, enorm. Eine 512-GB-Karte reicht gerade einmal für ungefähr 18 Minuten 6K-Material bei 60p. Aber immerhin ist die ZR die erste Nikon-Kamera mit RED-Technik. Nikon hat zudem bereits durchklingen lassen, den Funktionsumfang der ZR künftig weiter auszubauen und auch weitere Kameras sind offenbar in der Entwicklung. Unterm Strich ist die Integration von RED-RAW und Colorscience bislang zwar auf den R3D-Workflow beschränkt, aber sie funktioniert hervorragend. Das macht die ZR zu einem spannenden ersten Schritt in Nikons neuem Filmkapitel. Das große Display der Nikon ZR konnte in südlicher Sonne überzeugen.

Die Canon C50 hat wie alle anderen Cinema-EOS-Modellen keinen internen Bildstabilisator. Das lässt sich jedoch in der Praxis gut kompensieren. Mit RF-Objektiven arbeitet der elektronische Stabilisator effektiv und in der Postproduktion lässt sich Verwackeln ohnehin problemlos ausgleichen. Die Vielseitigkeit der Formate, die Dual-Base-ISO und das Oversampling des 7K-Sensors machen die C50 zu einem äußerst flexiblen Werkzeug. Ein kleiner Wermutstropfen bleibt: Im Open-Gate-Modus sind maximal 30 Bilder pro Sekunde möglich. Das könnte sich für einige Szenarien als etwas knapp herausstellen. Bei der C50 sind zwei unterschiedliche Betriebssysteme für Foto und Bewegtbild implementiert. Das kann man mögen oder auch nicht. Aber so ist die Kamera entweder kompromisslos für Fotos oder für Videos nutzbar. Funfact am Rande: Öffnet man den Speicherkartenslot im Fotomodus, so schaltet sich die Kamera ab, im Video-Modus nicht.

Eingeordnet

Für wen also eignet sich nun welche Kamera und wo liegen ihre jeweiligen Stärken? Diese Frage ist nicht leicht zu beantworten, denn alle drei Modelle überzeugen auf ihre Weise, setzen aber durchaus unterschiedliche Schwerpunkte. Wer eine ausgereifte Kamera für Event- oder Corporate-Produktionen sucht, findet in der Canon C50 ein zuverlässiges Werkzeug, das seine Stärke klar im Videobereich ausspielt.

Wer gerade in die Filmwelt einsteigt und die Vielseitigkeit von R3D-Dateien kennenlernen möchte, erhält mit der Nikon ZR eine interessante Alternative, die kompakt und hochwertig verarbeitet ist sowie im Gegensatz zu vielen anderen Kameras in diesem Segment einen schnellen Video-Autofokus mit an Bord hat.

Wer jedoch dem Sony-System bereits verbunden ist und eine Kamera sucht, die Foto und Video gleichermaßen souverän abdeckt, ist mit der FX2 bestens beraten. Hier trifft Sonys FX-Serie auf eine vollwertige Fotoplattform.

Alle drei neu vorgestellten Kameras hinterlassen einen starken Gesamteindruck. Doch die meisten Modelle, die auf den Markt kommen, sind mittlerweile technisch auf hohem Niveau. Entscheidend ist vielmehr, wofür und wie wir das Werkzeug einsetzen. Spannend ist der Gedanke, die besten Eigenschaften aller drei Kameras zu vereinen: den großen, hellen Bildschirm und die 32-Bit-Float-Audioaufnahme der Nikon ZR, den kompakten Sucher und die Fotofähigkeiten der Sony FX2 sowie die Open-Gate-Funktion und Vielseitigkeit der Canon C50. Eine solche Kombination wäre ideal. Interne ND-Filter bleiben aber bei allen drei Kameras auf der Wunschliste. [15592]

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