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Bildgestaltung für extreme Nähe

Körpernah (2)

Mit der ARRI ALEXA 35 und einer flexibel einsetzbaren Lichtführung entwickelte DoP Julian Krubasik für „naked“ eine Bildsprache, die Dunkelheit, Hauttöne und emotionale Druckmomente ausbalanciert, ohne dabei den Blick zu instrumentalisieren.

Filmstill naked
Foto: WDR / Picture Puzzle Medien / Julian Krubasik

Weil bei diesem Projekt ein hoher Dynamikumfang vorprogrammiert schien, verließ sich DoP Krubasik auf die ARRI ALEXA 35 und verzichtete so auf einen großformatigen Sensor, der aber aus seiner Sicht nicht dringend nötig war. „Das war das erste Mal, dass ich mit dieser Kamera gedreht habe“ erläutert er. „Für ,naked‘ passte sie einfach perfekt, weil sie eine hohe Dynamik mit vielen feinen Abstufungen in den Lichtern und Schatten bietet. Wir erzählen ja viel Dunkelheit, viele Reflexe, starke Lichtwechsel – das sollte alles halten und die Kamera kann das ausgezeichnet.“

Auch bei den Szenen, bei denen angesichts des Themas naturgemäß viel Haut zu sehen war, zeigte die ALEXA 35 für Julian Krubasik ihre Stärken. „Ich fand, dass sie gerade für verschiedenste Hauttöne großartig funktioniert. Die Wiedergabe der Haut ist wirklich schön, sehr natürlich, und genau das, was ich gesucht habe. Deshalb wollte ich ,naked‘ unbedingt mit der ALEXA 35 drehen.“

Zusammen mit seinem Coloristen Zé Maria Santos erstellte Krubasik dann eine erste LUT. „Damit hatte ich schon mal einen guten Überblick, wie die Bilder später aussehen würden, auch für Regie, Kostüm und Szenenbild“, so der DoP. „Ich mache es mittlerweile immer so, dass ich ihnen Stills aus dem Kameratest schicke, einmal in Rec. 709 und einmal mit unserer LUT. Dann sehen sie sofort, wie sich dabei ihre Farben verändern und so gibt es später weniger Überraschungen, zum Beispiel, dass ein Grün plötzlich viel weniger gesättigt ist oder ein Rot zu stark wirkt. Das wird immer sehr dankbar aufgenommen.“

Angenieux Zoom
DoP Julian Krubasik setzte neben ZEISS Highspeed an der ARRI ALEXA 35 auch ein 25–250 mm Angénieux-Zoom ein. (Foto: WDR / Picture Puzzle Medien / Julian Krubasik)

Für die Darstellung der Suchtmomente betrieb der DoP besonderen Aufwand und verließ sich zusätzlich auf ein 25–250-mm-Angénieux-Zoom, das er nach einigen Kameratests bei LITES Rental in Brüssel zusammen mit 1st AC Joël Bervoets unter anderem mit Glimmerglas an die optische Performance der ZEISS Highspeeds anpasste. „Ich bin ja niemand, der Aufmerksamkeit auf die Kamera lenken will, da bin ich eher vorsichtig. Aber Druck und Sucht waren eben wichtige Themen in ,naked‘. Das Prinzip von Sucht ist ja letztlich, dass man durch das Ausleben der Sucht für einen kurzen Moment Entspannung findet und genau diesen Wechsel wollten wir auch filmisch spürbar machen“, beschreibt Julian Krubasik die gestalterische Idee dahinter. „Wir haben dafür mit dem Angénieux-Zoom lange Zooms eingesetzt, teilweise in Kombination mit Fahrten, um Druck aufzubauen. Danach sind wir oft in die Handkamera gewechselt, mit einer 25er Festbrennweite, um diesen Moment der Entladung, des Release, spürbar zu machen, bevor der Druck wieder neu einsetzt.“

Für Krubasik war die Lichtgestaltung unmittelbar mit der Bewegungsfreiheit von Kamera und Schauspielern verbunden. „Mir war wichtig, dass sich alle frei in den Räumen bewegen können, ohne dass wir für jede Einstellung das Licht umbauen müssen“, erläutert er. Gemeinsam mit Gaffer Dieter van der Eecken entwickelte er ein Konzept, bei dem oft ganze Räume im Zusammenspiel mit vorhandenem Licht und klar motivierten Practicals beleuchtet wurden. Wo es die Szenen erlaubten, arbeiteten sie zudem mit farbigen Lichteinflüssen, die aus der Umgebung motiviert waren, wie etwa ein zugezogener, farbiger Vorhang, der den Raum in ein eigenständiges Spektrum taucht. So entstand eine Lichtdramaturgie, die intuitiv erzählt, ohne mit dem Finger auf sich selbst zu zeigen. [15589]


Psychologische Nähe statt Voyeurismus: Hier geht es zum ersten Teil des Artikels! Im letzten Teil  beschäftigen wir uns mit Vertrauensarbeit hinter der Kamera und der zunehmende Enge der Bildsprache.


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