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76. Berlinale

Starke Frauen

Ob selbstbestimmte Kamerafrau, kämpferische Soldatin, mutige Theaterschauspielerin oder Gründerin einer amerikanischen Freikirche  –  viele Filme im Programm der 76. Berlinale waren von starken Frauenfiguren geprägt, die trotz aller Widerstände in einer düsteren Welt ihren eigenen Weg einschlagen. Gesellschaftspolitische Themen überzeugten auch bei der Preisverleihung.

Das Team von “Gelbe Briefe” (Foto: Sandra Weller / Berlinale 2026) (Bild: Sandra Weller)

Im Mittelpunkt des Berlinale-Eröffnungsfilms „No Good Men“ von der afghanischen Filmemacherin Shahrbanoo Sadat steht eine Kamerafrau bei Kabul TV, die Männer gründlich satt hat. Doch bei einem Dreh, funkt es plötzlich zwischen ihr und dem Reporter. Die Regisseurin übernahm selbst die Hauptrolle, nachdem die Darstellerin drei Wochen vor Drehbeginn überraschend ausstieg. Gedreht worden ist diese deutsch-dänische Ko-Produktion von Adomeit Film in Berlin und Brandenburg. Als Hauptmotiv diente ein ehemaliges Stasi-Gebäude in Hoppegarten, das mit seiner sowjetischen Architektur der Fernseh- und Rundfunkzentrale in Kabul ähnelt. Nach Filmen wie  „Kinderheim Kabul“ wollte Sadat die Realität einer unabhängigen berufstätigen Frau aus der Mittelschicht in Kabul zeigen, die eingeschränkt wird, sobald sie mit dem System konfrontiert wird.

In dem deutschen Wettbewerbsbeitrag „Gelbe Briefe“ von Ilker Çatak bekommt ein Künstlerehepaar die staatlichen Repressionen empfindlich zu spüren. Der angesehene Regisseur und die erfolgreiche Theaterschauspielerin verlieren ihren Job, was sie finanziell, sozial und emotional komplett aus der Bahn wirft. Nach seinem preisgekrönten Film „Das Lehrerzimmer“ erhielt der Oscar-nominierte Regisseur Angebote aus Hollywood, aber es war ihm wichtiger, diesen gesellschaftspolitischen Stoff auf die Leinwand zu bringen, der in der Türkei vor dem Hintergrund der politisch motivierten Säuberungswelle spielt, der auch viele Künstler zum Opfer fielen. „Ich begreife meinen Film als eine Warnung“, sagt Ilker Çatak. „Wenn wir die aktuellen Gefahren nicht erkennen, können wir ähnliche Zustände in Deutschland haben. Wir sehen das derzeit in den USA.“ Die Internationale Jury unter Vorsitz des Regisseurs Wim Wenders zeichnete „Gelbe Briefe“ als besten Film mit dem Goldenen Bären der Berlinale aus.

Die Filmaufnahmen erfolgten komplett in Deutschland. „Mit der klaren Verortung von Berlin als Ankara und Hamburg als Istanbul wollten wir sichtbar machen, dass diese Geschichte überall spielen könnte“, erklärt die Kamerafrau Judith Kaufmann. „Wir mussten nicht mit Straßen- und Nummernschildern, Polizeiuniformen und türkischen Flaggen die Türkei imitieren, sondern haben das tägliche Leben gesucht, wo die Türkei sozusagen stattfindet.“

In dem Historien-Drama „Rose“ erzählt der österreichische Regisseur Markus Schleinzer in strengen Schwarz-Weiß-Bildern von Gerald Kerkletz, wie eine Frau sich in einem protestantischen Dorf 17. Jahrhundert als Soldat verkleidet, um ein freies, selbstbestimmtes Dasein führen zu können. Nach Ende des Dreißigjährigen Kriegs erhebt sie als gottesfürchtiger Mann Anspruch auf einen maroden Gutshof. Die Titeldarstellerin Sandra Hüller, die darin mit schwerem Gang vor Männlichkeit strotzt, musste dafür ein Kampf- und Krafttraining absolvieren. Die international renommierte Film- und Theaterschauspielerin verkörperte diese Rolle so überzeugend, dass die Jury sie mit dem Silbernen Bären für die beste Darstellerin kürte.

Im 18. Jahrhundert angesiedelt ist „The Testament of Ann Lee“ von der norwegischen Regisseurin Mona Fastvold, in dem Amanda Seyfried als Gründerin der amerikanischen Freikirche Shaker für geschlechtliche und soziale Gleichberechtigung kämpft.

Mit dem Jury-Preis sowie dem Silbernen Bären für die beste Nebenrolle für Anna Calder-Marshall und Tom Courtenay ausgezeichnet wurde das berührende Familiendrama „Queen at Sea“ von Lance Hammer, in dem die an Demenz erkrankte Mutter ihre Tochter (Juliette Binoche) und ihren Ehemann zunehmend vor Probleme stellt, wie sie damit umgehen.

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