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Wie funktioniert ein Kamerastudium in Zeiten von Covid-19?

Schwierige Situation

Bei der Produktion von Spiel- und Dokumentarfilmen bestehen mittlerweile belastbare und erprobte Workflows, um die Risiken der Covid-19-Pandemie zu bewältigen und die geltenden Vorschriften umzusetzen. Doch wie kann ein Kamerastudium derzeit funktionieren und was bleibt zwangsläufig auf der Strecke? Bernd Siering sprach für unser Heft 5.2021 mit Prof. Dr. Kerstin Stutterheim, Rektorin der Kunsthochschule für Medien Köln (KHM).

Wie gestaltet sich für die Studierenden im Filmbereich der Online- und der praktische Unterricht?
Die Kunsthochschule für Medien ist ja keine reine Filmhochschule, sondern Film ist einer der künstlerischen Schwerpunkte, die an der KHM angeboten werden. Wir haben seit Mitte Dezember gemäß den besonderen Corona-Vorschriften Seminare und Vorlesungen in den digitalen Raum gelegt. In der Zeit vor Dezember konnten wir Präsenzunterricht und schon im Sommer auch Workshops im Freien anbieten, verschiedene Arbeiten möglich machen. So konnte bis Mitte Dezember wieder praktisch gearbeitet werden. Wir haben uns in der KHM beraten und Wege gefunden, wie wir in Härtefällen die eine oder andere praktische Arbeit oder Prüfung zulassen können. Wir versuchen im Rahmen dessen, was erlaubt ist und niemanden gefährdet, einen minimalen praktischen Betrieb zu ermöglichen. Dies ist ja seit den neuen Verordnungen leider so auch nicht mehr möglich.

Wie geht es aus Ihrer Sicht den Studierenden in dieser Situation?
Für die Studierenden ist das insgesamt eine schwierige Situation. Wir haben im Vergleich zu anderen Hochschulen einen sehr hohen Anteil ausländischer Studierender und die sind hier fern ihrer Familie, ihrer Heimat. Für sie sind die besonderen Corona-Maßnahmen eine sehr große mentale Belastung und der Einsamkeitsfaktor spielt eine sehr große Rolle. Wir haben Studierende, die sind am Anfang dieser Zeit nach Hause gefahren und konnten nicht wieder zurückreisen. Eine der Studierenden zum Beispiel durfte zu einer Preisverleihung nicht wieder einreisen. Wir haben eine sehr vielfältige Palette von Herausforderungen, mit denen wir so konstruktiv wie möglich umzugehen versuchen und kreativ zu reagieren.
Aber auf die Dauer merken wir, dass es für die Studierenden sehr zermürbend ist, auch wenn sie in dieser Zeit Projekte machen oder Übungen, in denen man den besonderen Gegebenheiten gerecht wird. Aber vor allem im Bereich der filmischen Arbeit, die von Teamarbeit und Austausch lebt und wo der Austausch miteinander wichtig ist, fehlt einfach vieles. Es gibt zum Beispiel Aufgaben, die man mit kleinem Equipment und alleine realisieren kann, aber dennoch merken wir, dass dies auf Dauer eine große Schwierigkeit darstellt. Bei den Filmstudierenden ist das noch schlimmer, weil wir aufgrund der Corona-Verordnungen Studierenden nicht gestatten dürfen zu drehen, obwohl alles vorbereitet war und Hygienekonzepte standen. Deshalb können einige von den Studierenden, die filmisch arbeiten, in Verzug kommen, wenn Vorabsprachen mit Schauspielerinnen und Schauspielern nicht mehr realisierbar sind und sie keine den Gegebenheit angepasste Alternative für sich finden. Das ist eine sehr schwierige Situation.

Was hätte von Seiten der Politik anders laufen können?
Was ich mir gewünscht hätte, ist ein anderes Wording, ein anderer Sprachgebrauch, eine andere Addressierung. Das hat schon im März 2020 mit dem Verweis begonnen, dass alles, was nicht funktionierender Staat, Grundversorgung und Wirtschaft ist, Menschen gefährden könnte. Mittlerweile ist deswegen Kunst und Kultur zu Freizeit und Vergnügen herabgestuft. Das ist ein Punkt, mit dem wir Lehrenden, aber auch die Studierenden ringen. Denn wenn die Studierenden sich mit gutem Grund dafür entschieden haben, künstlerisch arbeiten zu wollen, und Kunst jetzt nicht mehr Teil der Zivilgesellschaft ist, ist das insgesamt problematisch. Kunst und Kultur können auch in Zeiten der Krise, in der Menschen auf sich geworfen, psychisch gefordert und mit Einsamkeit konfrontiert sind, etwas leisten und zur Bewältigung dieser beitragen. Und dass Kunst und künstlerisches Schaffen nun gar nicht mehr Teil der Kommunikation der Zivilgesellschaft sein soll, wirft auch bei den Studierenden die Frage auf: Wie wird denn die Wertschätzung gegenüber ihrer Arbeit sein, wenn das Ganze einmal vorbei ist? Auf längere Sicht wäre es meiner Ansicht nach notwendig, über eine stärker interdisziplinär angelegte Ausbildung nachzudenken, um den Absolventinnen und Absolventen eine sichere Basis für Ihre Zukunft mitzugeben. Insbesondere eine Kombination von handwerklichem Können, fundiertem Wissen und individueller künstlerischer Entfaltung ermöglicht es, in sich verändernden Umständen weiter produktiv zu sein und von bezahlter künstlerischer Arbeit leben zu können. [14519]

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